"Frauenarbeit ist Scheißarbeit"

    25. März 2010, 11:10
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    US-Wegbereiterin des Feminismus, Journalistin und Autorin ist 76 und kein bisschen müde - Porträt zum Geburtstag

    In den USA zählt Gloria Steinem, die am 25. März ihren 76. Geburtstag begeht, zu den Initiatorinnen der modernen Frauenbewegung und den Berühmtheiten des politischen Journalismus. Als Autorin von "Was heißt schon emanzipiert?" und "Wenn Freud eine Frau gewesen wäre" und vielen anderen wurde sie genauso weltbekannt wie mit ihren Aussprüchen: "Eine Frau ohne Mann ist wie ein Fisch ohne Fahrrad" wurde beispielsweise in Abwandlungen für mehrere Buchtitel verwendet. "Schweigen bei Männern ist nicht das gleiche wie zuhören" und "Die Definition von Frauenarbeit ist Scheißarbeit" sind nicht weniger aussagekräftig für das Verständnis der Autorin, die das Nachwort für die berühmten "Vagina-Monologe" von Eve Ensler geschrieben hat.

    Bezüglich politischem Bewusstsein und weiblicher Durchsetzungskraft gingen ihre Vorfahrinnen mit bestem Beispiel voran. Die Großmutter väterlicherseits war Präsidentin der "Ohio Women's Suffrage Association" und Delegierte auf dem "International Council of Women 1903" sowie Vorprescherin bei der Erringung des Frauenstimmrechts in den USA. Ihre Mutter wiederum war eine erfolgreiche Redakteurin und Kolumnistin der örtlichen Zeitung in Toledo.

    Feministische Journalistin

    Nach der elterlichen Scheidung - Gloria war gerade zehn Jahre alt - lebte sie mit ihrer Mutter in bescheidenen Verhältnissen. Das Haushaltsbudget besserte sie mit Stepdance-Auftritten auf. Nach einer Übersiedelung zu ihrer älteren Schwester nach Washington im Jahr 1951 lebte sie in Neu Delhi und Kalkutta, seit 1960 in New York. Hier startete sie auch ihre Karriere als Journalistin. 1963 erregte sie mit der Reportage "A Bunny's Tale. I was a Playboy's Bunny" über die Playboy-Häschen Aufsehen. Dafür hatte sie sich selbst drei Wochen in diese Rolle begeben und in den beliebten Clubs des Playboy-Gründers gearbeitet, um die schlechten Arbeitsbedingungen der jungen Frauen aufzudecken. Hugh Hefner hat sie bis heute nicht vergeben; sie nennt ihn einen "Scherz" und meint, dass sie die Bunny-Rolle beinahe an einer seriösen Journalismus-Karriere gehindert hatte. "Ich bin froh, dass wir (die Frauen, Anm.) wenigstens geringe Reparationszahlungen erhalten haben", reagiert sie lakonisch auf Spendengelder von Hefner-assoziierten Vereinen an Fraueneinrichrtungen wie dem "Women's Reproductive Rights Assistance Project".

    Zeitschriften-Gründerin

    Als Gloria Steinem 1968 bei einem Treffen der "Redstockings" zur Abtreibungsdebatte teilnahm, war sie zuversichtlich, da sie erstmals in ihrer Laufbahn Erwerbsarbeit und politisches Interesse verbinden konnte, wie sie in einem Interview sagte. Im selben Jahr gab sie das Journal "New York" heraus und 1971 mit "MS" die erste feministische Zeitschrift, die auch heute noch die feministischen Auseinandersetzungen in den USA befruchtet.

    Gemeinsam mit Bella Abzug, Shirley Chisholm und Betty Friedan gründete sie ebenfalls 1971 den "National Women's Political Caucus" und war am Aufbau der "Women's Action Alliance" gegen soziale und ökonomische Diskriminierung beteiligt. Außerdem engagierte sie sich bei der Organisation "Women against Pornography" und hielt eine Reihe von Vorträgen. (dabu/dieStandard.at, 25.3.2010)

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      76 ist sie heute, die Frau, die an vorderster Front der US-Frauenbewegung der 1960er und 1970er stand: Und auch heute hat Gloria Steinem noch das eine oder andere Wörtchen mitzureden, wenn es um US-Gesellschaftspolitik und Frauen geht.

      Sie prangert die Einkommensschere von 30 Cent zu Ungunsten der Frauen und die höheren Kosten für Frauen bei Krankenversicherungen ebenso an wie den Ausschluss von Soldatinnen von Kampfhandlungen. Außerdem plädiert sie dafür, die reproduktive Arbeit, die meist Frauen überhaben, aufzuwerten. Angesichts der aktuellen Debatte um die Gesundheitsversorgung und Abtreibung in den USA sieht Steinem auch Abtreibungsgesetze unter Beschuss.

       

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      Dass sie die erste US-Präsidentin noch erlebt, daran glaubt Hillary Clinton-Unterstützerin, aber Sarah Palin-Gegnerin Steinem nicht mehr. "Weibliche Autorität ist immer noch mit der häuslichen Spähre assoziiert und scheint in der Öffentlichkeit ungebürlich", analysiert sie in einem aktuellen Reuters-Interview. Und: "So lange eine gesellschaftliche Gruppe ein Adjektiv braucht und die andere im Zentrum der Definition des Menschseins steht, haben wir Probleme. Und das gilt auch noch heutzutage." (Reuters/red)

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