Gitarrenhelden und Freunde der Blasmusik

25. März 2010, 07:00
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Von Heavy Metal bis Whiteness im Film: Die aktuelle Ringvorlesung der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien stellt Geschlechterrollen und "doing gender" in den Mittelpunkt

Die Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien (mdw) bietet auch dieses Sommersemester wieder eine Interdisziplinäre Ringvorlesung zu Gender Studies an. Standen im Vorjahr "Innovationen und Traditionen" im Mittelpunkt, so werden heuer ab 25. März "Gender Performances" aus verschiedensten Blickwinkeln betrachtet.

"Performance ist etwas, das alle Künste an der mdw verbindet - Musik, Theater und Film. Das spielte bei der Auswahl des Themas eine große Rolle", sagt Andrea Ellmeier, Leiterin der Koordinatorinsstelle für Frauenförderung und Gender Studies. Die Stelle wurde auf Initiative der Vizerektorin für Frauenförderung und Lehre, Claudia Walkensteiner-Preschl, an der mdw eingerichtet, um die Gender-Aktivitäten an den Instituten der Musikuni zu bündeln und mit neuen Projekten zu verstärken. Auch ein Bewusstsein für die gendersensible Gestaltung von Vorlesungen zu schaffen fällt in den Aufgabenbereich der neuen Koordinatorin - was in der jährlichen Ringvorlesung bereits berücksichtigt wird.

"doing gender"

Den theoretischen Hintergrund als Einführung zu den "Gender Performances"-Beiträgen liefert die US-amerikanische feministische Theoretikerin und Philosophin Judith Butler: "Sie prägte den Begriff 'doing Gender', der sozialen Konstruktion von Geschlecht, womit sie deutlich machen wollte, dass mann/frau nicht einfach ein Geschlecht ist bzw. hat, sondern dass es durch performatives Handeln ständig neu hergestellt wird. Die wiederholende Praxis sei es, die das Geschlecht/Gender konstituiere", erklärt Andrea Ellmeier.

Von Volksmusik bis Heavy Metal

Die Vortragenden kommen von Wiener Universitäten und aus dem Ausland, darunter Musikwissenschafterin Annegret Huber, Choreographin Saskia Hölbling, Historikerin und Medienwissenschafterin Monika Bernold oder die Performancetheoretikerin Katharina Pewny von der Universität Gent. Die Inhalte reichen von Gender Performances in der Musik über die Diskussion der Performance Studies als feministische Methodik bis zur Geschichte der Performances und Gender im Film. Der Aspekt "männerdominierte Musikkulturen" wird im Beitrag von Florian Heesch (Hochschule für Musik und Tanz Köln) über den Zusammenhang von "performing gender" und "performing aggression" in der Heavy Metal-Musik sowie in der Vorlesung von Volksmusikforscherin Gerlinde Haid über die Verteilung der Geschlechterrollen in der Volksmusik näher betrachtet.

Freies Wahlfach

Zielpublikum sind alle Studierenden der mdw sowie der Cultural Studies der Uni Wien. Die Ringvorlesung ist als freies Wahlfach anrechenbar. "Wir möchten damit gleichzeitig auch eine Brücke zwischen Kunst und Wissenschaft sowie eine stärkere Verbindung von Universität Wien und Kunstuni herstellen", sagt Ellmeier.

Ausbausmöglichkeiten der Gender Studies an der mdw sieht die Koordinatorin für Frauenförderung vor allem in der Musikpädagogik: "MusiklehrerInnen könnten die Inhalte sehr gut weitertragen und für eine gute Verbreitung sorgen."

Neue Buchreihe

Unter dem Titel "Screenings - Wissen und Geschlecht in Musik, Theater, Film" wurde am heurigen Frauentag der Inhalt der ersten Ringvorlesung als Band 1 einer neuen Buchreihe präsentiert, die stetig erweitert werden soll. Ellmeier: "Mit der Reihe 'mdw Gender Wissen' wollen wir auch nach außen dokumentieren, was sich in der Genderforschung an der mdw alles tut." Zu finden sein werden die Bände auch in der seit 2009 an der Musikuni eingerichteten Fachbibliothek für Gender Studies am Institut für Kulturmanagement. (isa/dieStandard.at, 25.3.2010)

"Gender Performances"
Interdisziplinäre Ringvorlesung
Donnerstag, 16.00 bis 19.00 Uhr
Beginn: 25. März
Weitere Termine: 15., 22., 29. April, 6., 27. Mai
Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
3., Anton-von-Webern-Platz 1
Raum M 01 07 (Gartentrakt - 1. Stock)

Anmeldung:
Anita Götterer, ikm-lehre@mdw.ac.at oder
Tel. 01/711 55-3401

Link mit Infos:

Ringvorlesung "Gender Performances"

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Auch Gitarrenhelden wie Gene Simmons sind Teil der Ringvorlesung: Florian Heesch stellt die Frage, inwiefern "performing gender" und "performing aggression" im männerdominierten Heavy Metal zusammenhängen.

  • A. Ellmeier/D. Ingrisch/C. Walkensteiner-Preschl"Screenings. Wissen und Geschlecht in Musik, Theater, Film." Band 1 der Reihe mdw Gender Wissen Böhlau, Wien 2010165S., 24,90 Euro
    cover: böhlau verlag

    A. Ellmeier/D. Ingrisch/C. Walkensteiner-Preschl
    "Screenings. Wissen und Geschlecht in Musik, Theater, Film."
    Band 1 der Reihe mdw Gender Wissen
    Böhlau, Wien 2010
    165S., 24,90 Euro

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