"Wasser kennt keine Grenzen"

21. März 2010, 19:12
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Nzula Kitaka koordiniert mit österreichischer Unterstützung Wassermanagement-Programme für Ostafrika

Standard: Der nachhaltige Umgang mit Wasserressourcen Ostafrikas gilt als essenziell für die Zukunft des gesamten Kontinents. Ist er bereits institutionalisiert?

Kitaka: In den meisten Staaten gibt es Gesetze in Verfassungsrang, die nachhaltiges Wassermanagement festschreiben. Kenia hat seit 2002 eine neue Verordnung, die auch von der wissenschaftlichen Basis unterstützt wird. Es ist aber zweifellos notwendig, das Thema länderübergreifend anzugehen. Wasser kennt keine Grenzen.

Standard: Welche technologischen Strategien gibt es?

Kitaka: Zuallererst ist das keine Frage der konkreten Technologie. Die Strategien müssen in die Gesellschaft eingebettet sein. In ländlichen Regionen haben die Menschen keinen Zugang zur Infrastruktur großer Aufbereitungsanlagen. Dort braucht es einfache Dinge wie Sandfilter, Pro-Poor-Technologien also, mit denen Dorfgemeinschaften etwas anfangen können.

Standard: Wie wichtig ist der Technologietransfer der Austrian Development Agency?

Kitaka: Es ist ein kulturell akzeptabler Transfer. Denn Technologien, die in Europa funktionieren, tun es hier nicht. Was wir brauchen, basiert wiederum auf der Funktionalität in kleinen Einheiten. In den Gemeinschaften sind es Frauen, die sich ums Wasser kümmern und daher mit Wissen ausgestattet werden müssen.

Standard: Wie funktioniert dabei der Wissenstransfer?

Kitaka: Die Wissenschafter werden in Österreich und direkt in Ostafrika ausgebildet - etwa an der Egerton University in Kenia. Es gibt dort bereits einen Studiengang für Limnologie und Feuchtgebiete.

Standard: Die Feuchtgebiete Ostafrikas gelten als besonders wichtig für den Wasserhaushalt. Sind sie geschützt?

Kitaka: Noch vor zehn Jahren hat sich darüber niemand Gedanken gemacht. Heute liegt der Hauptfokus auf genau diesen Gebieten, weil sie die besten natürlichen Filter für Trinkwasser sind. Uganda war früh dran mit dem Schutz dieser Gebiete, Kenia soll folgen.

Standard: Dass der Viktoriasee "kippt", also eutrophiert, haben manche Österreicher mitbekommen, weil es einen Film darüber gibt. Was wird dagegen unternommen?

Kitaka: Das ist ein besonders heimtückisches Problem. Es kann natürlich bedingt sein, aber auch vom Menschen verursacht. Ist es Letzteres, hat das oft mit importierten Methoden der Landwirtschaft zu tun. Versucht man das Problem in den Griff zu bekommen, gibt es einen Konflikt zwischen der Nutzung von Land und Wassermanagement. Denn es ist legitim zu sagen, dass in Zukunft noch wesentlich mehr Lebensmittel produziert werden müssen.

Standard: Das tangiert auch die Überfischung.

Kitaka: Fisch ist für viele die billigste Möglichkeit, an Proteine zu kommen. Allerdings haben selbst die Fischer schon erkannt, dass etwas mit dem natürlichen Gleichgewicht nicht mehr stimmt. Vor vier Jahren hat Kenia ein eigenes Ministerium für den Fischfang eingerichtet. Ich hoffe, es ist nicht zu spät dafür, denn die Leute am Viktoriasee sagen schon jetzt, es gibt hier überhaupt keinen Fisch mehr.

Standard: Werden Technologien und Gesetze dann schnell genug greifen?

Kitaka: Ich habe immer gedacht, ja. Aber mit dem Klimawandel beschleunigen sich die Probleme. Wir können nur versuchen, den Druck zu mindern, der auf unserem Ökosystem lastet. Das verschafft uns wieder ein wenig mehr Zeit. (Sascha Aumüller/DER STANDARD, Printausgabe, 22. 3. 2010)

  • Zur Person
Nzula Kitaka ist Vorsitzende der East Africa Water Association. Sie
koordiniert ein Wassermanagement-Studium an der Egerton University
Kenia mithilfe der Austrian Development Agency.
    foto: christian fischer

    Zur Person
    Nzula Kitaka ist Vorsitzende der East Africa Water Association. Sie koordiniert ein Wassermanagement-Studium an der Egerton University Kenia mithilfe der Austrian Development Agency.

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