Die Steinzeitfestung

    19. März 2010, 16:52
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    Auf dem Schanzboden bei Poysdorf gibt es Reste einer uralten Wallburg zu entdecken

    Im Stadtmuseum von Poysdorf ist eine sehr gute Dokumentation der Ausgrabungen auf dem Schanzberg zu sehen, bei denen durch das Bundesdenkmalamt eine steinzeitliche Wallburg freigelegt wurde, die aus der Zeit der Lengyel-Kultur stammt und rund 6500 Jahre alt ist. Sie gilt als die älteste steinzeitliche Befestigung Mitteleuropas. Als in den 1920er Jahren auf dem Schanzberg Keramiken zum Vorschein kamen, die der Jungsteinzeit zuordnet werden mussten, hielten die Wissenschafter eine so frühe befestigte Siedlung noch für unmöglich; mittlerweile weiß man es besser. Neben dem Museum gibt es die Rekonstruktion einer Behausung aus dieser Zeit, zudem zeigt man die Nachbildung einer in dem Waldring gefundenen in drei Teile zerbrochenen Venus von Falkenberg, die nun im Urgeschichtsmuseum in Asparn an der Zaya zu sehen ist.

    Wer allerdings glaubt, dass ein markierter Weg zum Schanzboden führt, damit man diese bedeutende archäologische Stätte auch leicht aufsuchen kann, irrt. Die Wallburg mit einem immer noch beeindruckenden Ringgraben von beachtlichen Ausmaßen ist nur auf einer unmarkierten, allerdings leicht zu findenden Route zu erreichen. In der Mitte des steinzeitlichen Areals stehen nun zwei Stelen, von denen eine die vergrößerte Nachbildung eines dort gefundenen Männerkopfs trägt.
    Die Tour hat auch andere Meriten. Von freien Höhen überblickt man die Hügellandschaft des nördlichen Weinviertels, beim Abstieg nach Altruppersdorf hat man die markante Kalkklippe von Staatz und die Leiser Berge im Blickfeld. Bis zum Hegerkreuz ist der Weg gesäumt von Tafeln, die den Wein preisen. In der Kellergasse liest man Gedichte wie etwa: "Wer dich verschmäht du edler Wein, der ist nicht wert ein Mensch zu sein."

    Die Route: Beim Stadtmuseum Poysdorf wählt man die blaue und rote Markierung, die durch die Kellergasse (Radyweg) führt. Bei einer Abzweigung wählt man den blau markierten Ast, steigt zum Hegerkreuz auf und erreicht nach einer Stunde die Abzweigung des rot markierten Weges nach Kleinhadersdorf.

    Kurz darauf verlässt man die blaue Markierung nach rechts, steigt auf einer Forststraße in ein kleines Tal, passiert einen aufgestauten Weiher und steigt dann zu einem Rücken auf. Dort geht es im rechten Winkel nach links auf eine Forststraße, auf der man bald eine umzäunte Fichtenschonung erreicht. Unmittelbar davor geht es nach links zum Schanzboden. Ab Abzweigung Kleinhadersdorf eine halbe Stunde. Zurück zur Forststraße und weiter in einer Dreiviertelstunde nach Altruppersdorf.
    Zurück auf bekannter Route bis in den Wiesensattel beim Jägerhaus und dann direkt im Graben - blau markiert - weiter. Man gelangt wieder zur Anstiegsroute und dann zum Ausgangspunkt. Gehzeit Altruppersdorf 2¼ Stunden. (Bernd Orfer/DER STANDARD/Album/Printausgabe, 20./21./3.2010)

    Gesamtgehzeit 4½ Stunden, Höhendifferenz rund 250 Meter. Gasthaus in Altruppersdorf (Dienstag Ruhetag). ÖK25V Blatt 5308-Ost (Poysdorf), Maßstab 1:25.000.

    • In der Kellergasse liest man Gedichte wie etwa: "Wer dich verschmäht du edler Wein, der ist nicht wert ein Mensch zu sein."
      foto: österreich werbung/diejun

      In der Kellergasse liest man Gedichte wie etwa: "Wer dich verschmäht du edler Wein, der ist nicht wert ein Mensch zu sein."

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