Studie: Politische Bildung schon in der Volksschule

19. März 2010, 10:20
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Neues Buch will mit praktischen Tipps Lehrern die Angst vor dem Thema nehmen

Salzburg - "Kinder werden tagtäglich mit politischen Themen konfrontiert, ob wir wollen oder nicht." Diese Tatsache ist für Elfriede Windischbauer, Leiterin des Instituts für Didaktik und Unterrichtsentwicklung an der Pädagogischen Hochschule Salzburg, Grund genug, politische Bildung auch in Volksschulen stärker in den Unterricht zu integrieren. Altersgemäße politische Bildung könne gar nicht früh genug beginnen, ist sie im Gespräch mit der APA überzeugt.

Derzeit komme dieses Thema nämlich meist zu kurz. Gemeinsam mit Sabine Hoffmann von der Pädagogischen Hochschule Wien hat Windischbauer eine Befragung über das Politikverständnis von Volksschülern durchgeführt. Die Untersuchung wurde heute, Freitag, gemeinsam mit dem Buch "Politische Bildung in der Volksschule" bei einem Pressegespräch in Salzburg vorgestellt.

25 Kinder befragt

Für die qualitative Studie wurden rund 25 Kinder im Volksschulalterunter anderem gefragt, was sie unter Armut verstehen, wie man sie bekämpfen könnte oder was man gegen Kriege tun könnte. Auf die letzte Frage gab es durchaus konstruktive Antworten: Nicht streiten, eine Versammlung machen und darüber reden, eine Gruppe als Vermittler einschalten. "Kinder machen sich zu politischen Themen konkrete Vorstellungen und entwickeln im Rahmen ihrer Möglichkeiten Handlungskonzepte", sagte Windischbauer. An diese Vorstellungen könne man im Unterricht dem Alter und dem Niveau angepasst ansetzen.

"Große Scheu" bei Lehrern

"Lehrer haben oft große Scheu, politische Themen aufzugreifen", weiß die Pädagogin aus Erfahrung. Es bestehe das Vorurteil, dass es dabei vor allem um Parteien ginge oder dass man sich bei internationalen Konflikten sehr gut auskennen müsse. "Außerdem wollen Lehrer Kinder mit solchen Themen nicht belasten", glaubt Windischbauer. Dabei könne man ein Grundverständnis für Politik auch lockerer vermitteln - beispielsweise über die Wahl eines Klassensprechers oder das gemeinsame Aushandeln eines Konsenses bei einem Konflikt unter Mitschülern. Das Buch, das im Studienverlag erschienen ist und dieser Tage über das Unterrichtsministerium an alle Volksschulen verschickt wird, soll die Lehrer bei ihrer Arbeit unterstützen und mit praktischen Tipps und Fallbeispielen den Pädagogen die Angst vor der Materie nehmen.

Gerade die Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre sollte ein Anstoß sein, politische Bildung zu intensivieren. Eine Studie in Deutschland habe gezeigt, dass Kinder, die sich früh mit politischen Themen auseinandergesetzt haben, als Erwachsene tendenziell größeres Interesse an Politik haben als eine Vergleichsgruppe, weiß Windischbauer: "Demokratie muss man lernen. Der Staat kann nicht hoffen, dass demokratiekompetente Bürger von selbst heranwachsen. Dafür braucht es entsprechende Wissensvermittlung." (APA)

Kühberger, Christoph/ Windischbauer, Elfriede: Politische Bildung in der Volksschule. Annäherungen aus Theorie und Praxis. Innsbruck, Wien: Studienverlag, 2010

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