Chalabi sieht "keinen Raum" für US-Verwaltung im Irak

11. April 2003, 18:45
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Vom US-Verteidigungsminister unterstützter irakischer Oppositionskandidat fordert "Wahlen innerhalb von zwei Jahren"

London - Der vom US-Verteidigungsministerium unterstützte irakische Oppositionsführer Achmed Chalabi hat sich gegen eine US-Regierung in Irak ausgesprochen. Er sehe "keinen Raum" für eine Verwaltung des Landes durch die Vereinigten Staaten, sagte Chalabi dem britischen Fernsehsender BBC in der Nacht zum Freitag. Er äußerte die Hoffnung, dass es innerhalb von zwei Jahren Wahlen in Irak geben werde, nachdem ein von Irakern ausgearbeiteter Entwurf für eine Verfassung vorliege.

Dieser Entwurf solle von einer verfassunggebenden Versammlung verabschiedet und der Bevölkerung in einem Referendum zur Abstimmung gebracht werden. Dies bedeute nicht, dass es in der Zwischenzeit eine US-Verwaltung geben müsse, dafür gebe es "keinen Raum". Die USA hätten selbst erklärt, sie wollten die Iraker bei der Bildung einer Übergangsregierung unterstützen.

Chalabi glaubt an schnellen Übergang zu ziviler Verwaltung im Irak Treffen irakischer Oppositioneller in Nassiriyah verschoben

US-General übernimmt Verwaltung

Ahmed Chalabi glaubt an einen schnellen Übergang von einer US-Verwaltung zu einer zivilen Administration seines Landes. Das sagte der vom Pentagon unterstützte Politiker am Freitag am Rande eines Treffens mit Stammesführern nahe der südirakischen Stadt Nassiriyah. Der pensionierte US-General Jay Garner soll in den kommenden Tagen die Leitung einer Übergangsverwaltung für den Irak übernehmen.

Wegen der Unterstützung für Chalabi soll es Spannungen zwischen dem US-Verteidigungsministerium und dem US-Außenamt geben. Sein Berater Francis Brooke hatte zuvor für Verstimmungen gesorgt, als er erklärte, Chalabi und das Weiße Haus seien eine "Partnerschaft" eingegangen.

Ein für Samstag geplantes Treffen irakischer Oppositioneller in Nassiriyah wurde unterdessen abgesagt. Die Konferenz sei verschoben worden, sagte ein Vertreter der Obersten Versammlung der islamischen Revolution im Irak (Asrii) in London. Ein neues Datum gebe es noch nicht, fügte ein Sprecher der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) hinzu.

Vor kurzem hatte sich der Anführer der Oppositionellenvereinigung Irakischer Nationalkongress (INC) dafür ausgesprochen, dass die US-Streitkräfte nach dem Sturz der irakischen Führung "mindestens zwei Jahre" in Irak bleiben sollten, bis eine demokratische Verfassung erarbeitet sei. Chalabi werden Ambitionen auf eine führende Rolle in der künftigen politischn Führung Iraks nachgesagt. Er genießt die Unterstützung vor allem aus dem US-Verteidigungsministerium, das US-Außenministerium steht ihm eher ablehnend gegenüber. (APA)

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    Der irakische Oppositionsführer Chalabi hofft auf Wahlen innerhalb von zwei Jahren.

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