US-Milliardär Soros: "Bush- Administration von Extremisten dominiert"

11. April 2003, 17:56
21 Postings

Irak-Krieg als "illegal" verurteilt - Hoffnung auf Abwahl Bushs

Wien - "Die Administration von US-Präsident George Bush ist von Extremisten dominiert." Diese Kritik äußerte der amerikanische Geschäftsmann und Milliardär George Soros in der Nacht auf Freitag in einem Interview mit der ORF-ZIB 3. "Deshalb hoffe ich, dass es bald einen Regimewechsel geben wird", sagte Soros. "Das Motto 'Der Stärkere hat immer Recht' ist eine gefährliche Doktrin." Der aus Ungarn stammende Soros begrüßte zwar den Sturz des irakischen Diktators Saddam Hussein, der Krieg gegen den Irak habe aber keine legale Basis gehabt.

"Den Diktator Saddam Hussein loszuwerden ist eine Sache, aber es ist sehr gefährlich, einen Angriffskrieg ohne legale Basis zu führen. Das kann nicht akzeptiert werden." Bush sehe die Prinzipien der internationalen Beziehungen nach dem "Prinzip des Stärkeren", daher könnten die USA als mächtigste Nation "tun und lassen, was sie wollen", kritisierte Soros. "Das ist eine sehr gefährliche Doktrin, die den Grundwerten der amerikanischen Demokratie widerspricht. Es war zum ersten Mal, dass die Idee eines militärischen Präventivschlags in die Welt gesetzt wurde und der Rest der Welt dagegen war".

Abwählen

"Die eine wirklich gute Sache an Amerika ist, dass es eine Demokratie ist", stellte Soros fest, "die Menschen haben das Recht und die Macht eine Regierung abzuwählen, wenn sie nicht mehr mit ihr einverstanden sind. Ich glaube, dass die Bush-Administration gegenwärtig von Extremisten dominiert ist. Die Menschen in Amerika unterschreiben eine derart extrem Position aber nicht. Deshalb bin ich sehr zuversichtlich, dass Amerika die Regierung Bush abwählen wird. Ich hoffe, dass dieser Bush wie sein Vater nur eine Legislaturperiode an der Macht ist."

Bezüglich der Nachkriegsordnung im Irak sagte Soros: "Der Irak wurde durch einen Militärschlag erobert, deshalb wird der Sieger entscheiden, was er tut. Ich glaube, wenn die Amerikaner die Vereinten Nationen nicht einbeziehen, wird durch die Reaktion der restlichen Welt ein hoher Preis zu zahlen sein."

Soros, Vorsitzender des Open Society Institute, hatte am Donnerstag gemeinsam mit Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) ein "Memorandum of understanding", mit dem die internationale Zusammenarbeit in der medizinischen Spitzennachwuchsförderung weiterhin gesichert werden soll, unterzeichnet. Auf Grundlage dieses Memorandums werden die "Salzburg Medical Seminars" der American Austrian Foundation bis 2009 vom Bildungsministerium mit jährlich einer Million Euro gefördert, das Open Society Institute von Soros trägt jährlich eine Million Dollar (930.925 Euro) bei. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    George Soros

Share if you care.