Null Toleranz" gegenüber Rasern in Wien

10. April 2003, 19:50
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Im Vorjahr wurden bei 5000 Unfällen 6716 Personen verletzt - Von den 45 Toten waren 30 Fußgänger

Wien - Rasende Autofahrer müssen sich auf Wiener Straßen wieder einbremsen:

Oberst Franz Stockinger von der Wiener Polizei hat mit Verkehrsstadtrat Rudolf Schicker angekündigt: Künftig herrscht Rasern gegenüber "null Toleranz". Die jüngsten Zahlen der Unfallstatistik (siehe Kasten) würden eine strengere Verkehrsüberwachung nötig machen. Letztlich hoffen die beiden Verkehrsexperten damit auf weniger Unfälle.

Null - Toleranz

Vor allem können Autofahrer und -fahrerinnen nicht mehr damit rechnen, dass großzügige Toleranzen bei der Geschwindigkeitsmessung gelten. Wer bisher bei einer 50er-Beschränkung mit 59 km/h erwischt wurde, kam meist ohne Strafe davon. Jetzt wird nur mehr die betriebsnotwendige fünfprozentige Toleranz bei der Radarmessung berücksichtigt. Erste wütende Proteste nach erteilten Strafmandaten habe man von Autofahrern bereits registriert, sagt Stockinger.

Es nütze aber nichts, Regeln müssten eingehalten werden, assistiert Schicker. Der Stadtrat betont, dass "Geschwindigkeitsüberschreitungen kein Kavaliersdelikt sind". Tempobeschränkungen auf den Wiener Straßen würden nicht aus Spaß aufgestellt, "sondern das hat Sinn", wie etwa Tempo 30 in Wohngegenden.

Neue Maßnahmen

Die Polizei wird künftig ein digitales Radarsystem einsetzen, Filmwechseln bei Radarstationen wird damit obsolet. Daten von Schnellfahrern werden automatisch der Polizei gemeldet.

Überhaupt wird eine Reihe von Maßnahmen gesetzt, die helfen sollen, den Verkehr sicherer zu machen. So wird seitens der Stadt eine "Lichtoffensive" gestartet. Bernd Skoric, Leiter der MA46-Verkehrsangelegenheiten, erklärt, dass künftig besser rückstrahlende Markierungen verwendet werden. Dazu würden - im Tunnelversuch getestete - Rückstrahler an Verkehrsinseln und Bordsteinen installiert. Eine Maßnahme, die man beim ÖAMTC ausdrücklich begrüßt. In Zusammenarbeit mit dem ARBÖ will die Stadt Schulkinder besser auf dem Schulweg leiten. "Schulwegpläne" werden erarbeitet.

Thema Radfahren

Die Radfahrer beschäftigen Verkehrsexperten besonders. Denn mit dem Trend, kurze Strecken mit dem Rad zu bewältigen, steigt auch die Zahl der Verletzten. 604 Radler verunglückten 2002 (2001: 452).

Beim ÖAMTC will man mit der Stadt einen "Musterübergang für Fußgänger und Radler" anlegen. Da am Schwarzenbergplatz gebaut werde, biete sich der als Testplatz an.

Beim Verkehrsclub Österreich (VCÖ) weiß man von einer Studie, wonach Radfahren in Österreich um vieles gefährlicher sei als etwa im Radland Niederlanden. 149 Kilometer/Jahr fährt ein Österreicher im Schnitt mit dem Rad, ein Niederländer bringt es auf 849 Kilometer. (Andrea Waldbrunner, DER STANDARD, Printausgabe 11.4.2003)

Rasen ist kein Kavaliersdelikt. Polizei und Stadt Wien wollen daher generell Verkehrssünder konsequenter zur Verantwortung ziehen. Der Grund: Im Vorjahr wurden bei mehr als 5000 Unfällen 6716 Personen verletzt, 45 starben.
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