Bernhard Görg als Kapitalismuskritiker

15. März 2010, 20:38
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Das dritte Theaterstück des früheren VP-Wien-Chefs nennt sich "Wendehälse und kalte Fische"

Wien - "Es ist eine Komödie - aber eine bitterböse", sagt Bernhard Görg. Der frühere Manager eines Computerkonzerns und spätere Obmann der ÖVP Wien schlägt in seiner dritten Komödie, die heute, Dienstag, im Wiener Theater-Center-Forum Premiere hat, kapitalismuskritische Töne an.

"In meiner Satire ‚Wendehälse und kalte Fische‘ geht es weniger um die böse Fratze des Kapitalismus à la Madoff", erläutert der Exchef der Wirtschaftspartei im Standard-Gespräch, "eher um Systemkritik, um viel Trivialeres: Wie komme ich weiter, wie halte ich meine Position." Er wolle aufzeigen, "dass es auch auf der Topebene von Unternehmen nicht nur Schachspieler gibt, sondern auch Figuren, die nach Belieben hin und her geschoben werden".

Der Inhalt des Stückes basiere auf einer wahren Begebenheit: Der Generaldirektor eines Konzerns will wieder einmal einen seiner unsinnigen Kraftakte setzen, um zu zeigen, wer der Herr im Hause ist und will einen jungen Mitarbeiter feuern - weil dieser sein Auto in der Firmengarage nicht innerhalb der weißen Begrenzungslinie geparkt hatte. Doch kurz bevor die Kündigung ausgesprochen wird, hat die Gattin des Aufsichtsratsvorsitzenden eine Reifenpanne - der junge Mitarbeiter kommt ihr zur Hilfe und so in den Genuss ihrer Protektion.

Eine Satire, die bei aller aufs Zwerchfell zielender Unterhaltung das Zusammenspiel von Postenschacher, Intrigen, Eitelkeit und Feigheit aufzeigen soll - "wie Menschen sehr schnell auf Fairness und Anstand vergessen, wenn es um den eigenen Vorteil geht", erläutert Görg.
In weiterer Zukunft könnte sich Görg vorstellen, auch politische Themen theatralisch zu verarbeiten: „Ich überlege, ein Stück zu schreiben mit dem Titel 'Es gilt die Unschuldsvermutung'." (Roman David-Freihsl/DER STANDARD, Printausgabe, 16. März 2010)

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