Kommentar: Das Ende eines Traums

10. April 2003, 18:18
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Nach 40 Jahren Dienst wird die Concorde aus dem Verkehr gezogen - Von Helmut Spudich

Dieses schmähliche Ende hätte sie sich nicht verdient: Statt nach 40 Jahren stolzen Dienstes als Königin der Zivilluftfahrt einen ehrenvollen Platz im Museum zu erhalten, wird die Concorde jetzt vorzeitig aus dem Verkehr gezogen. Pannenanfällig, mit bösen Erinnerungen an den tödlichen Unfall vor drei Jahren, der mehr als 100 Menschen das Leben kostete, defizitär und zuletzt ohne bewunderndes, vielzahlendes Publikum wird der Überschallflieger vorzeitig eingemottet.

Dabei hatte alles so hoffnungsvoll angefangen, als die erste Concorde praktisch zeitgleich mit dem ersten Jumbo in den Liniendienst übernommen wurde. Während die ersten Menschen zum Mond flogen, durften Privatpersonen zum ersten Mal die Schallmauer durchbrechen. Aber die große Ölkrise der 70er Jahre und das erwachende Umweltbewusstsein besiegelten ihr Schicksal: Ein teurer Kerosinfresser vom ersten Tag an, setzten die Airlines auf Massentourismus statt auf elitäres Flugpublikum. Mehr als eine Hand voll Maschinen wurden nicht gebaut, der Flug mit der Concorde blieb letztlich ein Statussymbol der Reichen. Die Luftfahrt wurde hingegen, nicht zuletzt dank des Jumbojets, demokratisiert.

Dennoch bleibt es im guten wie im schlechten das Erbe der Concorde, dass sie die Tür zu einer weiteren Beschleunigung des Verkehrs aufgestoßen hat. Zwar sind Nachfolgeprojekte auf Jahrzehnte nicht in Sicht, und gut möglich, dass Kommunikationstechnologien wie Internet und Videoübertragungen dauerhaft den Bedarf nach superschnellen Reisen reduziert haben. Aber der Trieb des Menschen nach einer Steigerung seiner technischen Möglichkeiten wird mit der Concorde kaum zu Grabe getragen werden. Denn verbessert werden kann jede Technologie nur aufgrund der Schwächen der ersten Generation. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 11.4.2003)

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