Salzburg: 29 Millionen Euro sind nicht genug

11. April 2003, 15:40
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Kleines Festspielhaus: Kostenexplosion droht

Salzburg - Die offiziell veranschlagten 29 Millionen Euro für den Um- beziehungsweise Neubau des Kleinen Festspielhauses werden nie und nimmer reichen. Nach einer am Donnerstag vom Salzburger Planungsstadtrat Johann Padutsch (Bürgerliste) präsentierten Expertise des Münchner Consultingbüros "Diederichs & Partner" dürften die Errichtungskosten netto auf mindestens 37 Millionen Euro kommen. Dazu komme noch, dass von den festgelegten 29 Millionen vier Millionen Euro noch nicht finanziert seien.

Rechnet man weitere technische Verbesserungen hinzu, gehen die Experten von einem Kostenrahmen jenseits der 42 Millionen Euro aus. Dass beim Ausrüstungsstandard nachgebessert werden müsse, ist für die Beratungsfirma klar: Die aktuellen Planungen würden Technik und Ausstattung des Hauses "eher am unteren Level" ansiedeln.

Neben der abzusehenden Kostenüberschreitung bemängeln Padutsch und der Klubobmann der Bürgerliste im Gemeinderat, Helmut Hüttinger, aber auch die schlechte Akustik und die schlechte Sicht von den Sitzplätzen auf die Bühne. Die Sichtverhältnisse würden jedenfalls nicht besser sein, als beim alten Holzmeisterbau. Zur Kritik am architektonischen Konzept - "das Schlechteste, was ich je gesehen habe" (Architekt Klaus Kada) - kommt auch noch die Angst vor einer Bauverzögerung. Der Terminplan sei jedenfalls so eng, dass bei den geringsten Verzögerungen das neue "Haus für Mozart" im Mozartjahr 2006 nicht bespielbar wäre. Auch die Felsenreitschule stünde dann nicht zur Verfügung.

Die Bürgerliste fordert daher einen sofortigen Planungsstopp samt Neuausschreibung. Baubeginn wäre dann erst nach 2006. Ähnlich hat sich auch schon FP-Stadtvize Siegfried Mitterdorfer geäußert. SP-Bürgermeister Heinz Schaden selbst - er vertritt die Stadt Salzburg im Festspielkuratorium - ließ bereits ebenfalls deutliche Distanz zu den Plänen von Holzbauer/Valentiny erkennen. Ob er mit seinem Veto im Kuratorium das Projekt zu Fall bringen werde, war aber am Donnerstag noch nicht entschieden.

Unabhängig davon sieht Padutsch allerdings eine andere Variante, das "völlige Desaster und die größtmögliche Blamage" im Zentrum von Salzburg rechtlich zu verhindern. Den Betreibern fehle nämlich die notwendige Bauplatzerklärung. Diese sei notwendig, da es sich um keinen Umbau, sondern um einen kompletten Neubau handle. Zudem fehle bis heute die Zustimmung der Altstadtkommission. Und weiter: Da Holzbauer/Valentiny für ihr Vorhaben insgesamt 600 Quadratmeter zusätzlichen Grund für das in den Max-Reinhardt-Platz hineinragende Foyer benötigen würden, müsse dafür noch die Zustimmung des Eigentümers eingeholt werden. Dies ist die Landeshauptstadt Salzburg. (DER STANDARD, Printausgabe, 11.4.2003)

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