Hulu: Sprungbrett für junge Filmemacher

6. März 2010, 12:54
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Manche Blockbuster, die nie das Licht der Kinoleinwand erblickten, haben auf Hulu inzwischen ein größeres Publikum als Kinohits

Stars, Sternchen, Traumfabrik: Am 7. März ist es wieder so weit. Dann wird in Hollywood wieder der große, rote Teppich ausgerollt. Wer es zu den Academy Awards schafft, hat ausgesorgt. Doch es geht auch ohne die Marketingmaschinen. Immer mehr US-Filmemacher publizieren ihre Streifen direkt im Internet und erreichen damit mitunter mehr Zuschauer als der Oscar-Favorit Avatar.

Strictly Sexual

Strictly Sexual ist einer dieser stillen Blockbuster. Die Komödie handelt von zwei Karrierefrauen, die Gigolos anheuern. Sie gehört zu den meistgesehenen Filmen aller Zeiten. "Obwohl keine Stars mitspielen und die Kinos kein Interesse hatten", sagt Produzent Stevie Long. Der Durchbruch gelang ihm dank Hulu, dem am schnellsten wachsenden Entertainment-Portal. Nach Angaben des Marktforscher ComScore rufen User dort mittlerweile jeden Monat mehr als eine Milliarde TV-Serien und Filme ab. Der Service ist kostenlos, denn Hulu finanziert sich durch Werbung. Aus diesem Topf werden auch die Filmemacher bezahlt.

Ländersperre

Long: "Wir haben die Produktionskosten schon mehr als zehnmal reingespielt." Wegen Ländersperren können bisher nur Amerikaner legal bei Hulu zuschauen. Dasselbe gilt für den On-demand-Service von Amazon. Doch es gibt ständig neue Anbieter. Auch Youtube experimentiert bereits mit professionellen Inhalten. Mit "Filmmakers Wanted" will die weltweit führenden Clipbörse Nachwuchstalenten noch heuer ein alternatives Sprungbrett bieten: Sie können ihre Werke direkt hochladen und dann bestimmen, wie viel sie fürs Anschauen berechnen wollen.

Es gibt einen Markt

Ein Testlauf, bei dem Youtube im Januar Neuerscheinungen des Sundance Festivals für $3.99 je Stream anbot, hat bewiesen, dass es dafür einen Markt gibt. Mehr als die Hälfte der US-Bevölkerung schaut Videos im Netz. Auch der führende online organisierte US-Videoverleih Netflix konzentriert sich zusehends auf Online Streaming. Das Unternehmen gibt jedes Jahr 600 Mio. Dollar (441 Mio. Euro) für DVD-Versand per Post aus. Dieser gigantische Aufwand für den Versand muss nicht sein, zumal Gratis-Software wie Boxee es inzwischen ermöglicht, Netzinhalte ohne teure Interface-Geräte wie Tivo oder Xbox direkt auf den TV-Bildschirm zu übertragen.

Nur mehr Streamings

"Spätestens in zehn Jahren werden Konsumenten nur noch streamen", schätzt Netflix-CEO Reed Hastings. Dass es noch nicht so weit ist, liegt einzig am Widerstand des Establishments. Eine durchschnittliche Hollywood-Produktion kostet 65 Millionen Dollar. Deshalb geben die großen Studios ihre Filme erst dann für Streaming frei, wenn alle anderen Vertriebskanäle ausgereizt sind. Durch diese Verzögerungstaktik drohen die Filmstudios allerdings ebenso ins Hintertreffen zu geraten wie die Musiklables. "Die alten Strukturen brechen weg, der DVD-Markt wird dieses Jahr erneut um zehn Prozent einbrechen", schätzt die Medienexpertin Kim Masters. Immerhin erkennen einige bekannte Regisseure die Zeichen der Zeit: Neben Michael Moore publizieren auch Wayne Wang und Luc Besson mittlerweile Filme direkt im Internet.(Beatrice Uerlings aus Los Angeles/DER STANDARD, Printausgabe vom 6.3.2010)

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Hulu

  • Strictly sexual, strictly online: Mit Online-Diensten umgehen junge Filmemacher den etablierten Studioapparat. Die Strafe der Filmindustrie: Oscars kann es für solche Streifen nicht geben.
    foto: screenshot

    Strictly sexual, strictly online: Mit Online-Diensten umgehen junge Filmemacher den etablierten Studioapparat. Die Strafe der Filmindustrie: Oscars kann es für solche Streifen nicht geben.

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