Countdown "Harter Plateau"

10. April 2003, 12:40
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Europas größte Wohnhaus-Sprengung läuft in Linz - Seit den siebziger Jahren waren die Wohn-Türme Blickfang an der Stadteinfahrt

Linz - Der Countdown für die Sprengung der beiden Hochhäuser am so genannten "Harter Plateau" in Leonding bei Linz läuft.

Innerhalb von 20 Sekunden sollen 20-geschossige Türme einbrechen

Am kommenden Sonntag, um 14.40 Uhr lösen sich die fast 30-jährigen "Riesen" innerhalb weniger Sekunden in 40.000 Tonnen Schutt aus Stahl und Beton auf. Die Aktion gilt als "Europas größte Wohnhaus-Sprengung". Zu dem Spektakel werden Tausende Schaulustige erwartet, die Anbringung der Sprengladungen war am Donnerstag fast abgeschlossen, die Sicherheitsvorkehrungen angelaufen.

Innerhalb von 20 Sekunden werden die 20-geschossigen Türme in sich zusammenstürzen - zahlreiche Sprengladungen mit insgesamt 450 Kilogramm sollen dafür sorgen. Zwar wird auch mit der Detonation eine Staubwolke verbunden sein, gegenüber der herkömmlichen Abbruchmethode erspart man den Anrainern aber drei Monate Dauer-Staubbelästigung. Der Abtransport der Schuttkegel wird rund sechs Wochen dauern, es handelt sich um 2.000 Lkw-Ladungen. Die gesamten Abbruchkosten betragen rund drei Mio. Euro.

Umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen Damit nichts passiert, wurden von den Behörden umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Unter anderem wurde eine 200 Meter-Sperrzone rund um die Hochhäuser errichtet und sogar ein zeitweises Flugbeschränkungsgebiet verordnet. Hunderte Gendarmen, Feuerwehrleute, Rettungsmänner und zahlreiche Security-Mitarbeiter werden am Sonntag an Absperrungen stehen und für Hilfsleistungen im Einsatz sein. Bei Schönwetter werden bis zu 50.000 Schaulustige erwartet. Die Stadt Leonding und die zuständige Bezirkshauptmannschaft Linz-Land raten, mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen, denn Parkplätze gibt es nur bei den in der Nähe gelegenen Einkaufszentren.

Blickfang

Seit den siebziger Jahren waren die beiden Wohn-Türme ein Blickfang an einer der Linzer Stadteinfahrten. Egal, ob man vom Linzer Hausberg, dem Pöstlingberg oder aus dem Flugzeug Richtung Linz geblickt hat: Die "Häuser am Harter Plateau" überragten alles.

"Ein bisschen komisch wird es schon aussehen, wenn nichts mehr da ist", sagte beispielsweise der Leondinger SP-Vizebürgermeister Wilhelm Hofer, ein Bewohner der ersten Stunde. 1975 zog er gemeinsam mit seiner Frau und zwei Söhnen im Alter von neun und zwei Jahren in den achten Stock, erst 1996 verließ die Familie das Hochhaus. Schlechte Erinnerungen habe er keine, "die Wohnungen waren ja super und die Aussicht war auch nicht schlecht", erinnert sich Hofer. Im Lauf der Zeit aber "sind die Häuser heruntergekommen und es ist gut, wenn sie weg sind".

"Wohnen im Park" statt "Wohnsilos" Errichtet wurden die Hochhäuser von der "Gemeinnützigen Industrie-Wohnungs GmbH" (GIWOG). In den vergangenen Jahren häuften sich die Klagen der Bewohner über Anonymität, Brandanschläge, kaputte Lifte und Vandalenakte. Schließlich stimmten die Mieter im November 1999 über den Abriss der "Wohnsilos" ab. Als Ersatz winkten ihnen neue Wohnungen - ohne finanzielle Nachteile bei der Übersiedlung. Nachdem sich 93 Prozent der Bewohner für eine neue Siedlung "Wohnen im Park" entschieden hatten, wurde im Jahr 2000 mit ihrem Bau begonnen.

Am 31. Oktober 2002 hat der letzte Mieter die Hochhäuser verlassen. Und für die "Türme" wurde es ernst. Zuerst wurden die Außenfassaden entfernt, dann das "Innenleben". Bis nur mehr das Stahlbetonskelett übrig geblieben ist, das jetzt gesprengt wird. (APA)

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    "Harter Plateau" in Leonding bei Linz - die 60 Meter Wohntürme werden gesprengt

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