Gras in der Wüste

9. April 2003, 20:08
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Klimawandel verschiebt Vegetationszonen

Potsdam/Wien - Hitze und Trockenheit in der Sahara, Kälte und Schnee in der Tundra - markante Landschaften mit einer Gemeinsamkeit: Klima und Landoberfläche wirken besonders stark aufeinander. Durch den Klimawandel könnte nun jedoch die Savanne in die Sahara vordringen und Nadelwald in bisher karge Tundrengebiete. Dies zeigen Computersimulationen von Wissenschaftern des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK).

Die Forscher untersuchten mithilfe eines Erdsystemmodells die Wechselwirkungen zwischen Klimaerwärmung und Verschiebung der Vegetationszonen in Nordafrika und Sibirien. Erdsystemmodelle sind erweiterte Klimamodelle, die das Zusammenspiel von Atmosphäre, Ozeanen, Vegetation und Eismassen beschreiben. Die Resultate, im Wissenschaftsmagazin Climatic Change veröffentlicht, zeigen deutlich: Die erhöhte Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre sowie die damit verbundene Erwärmung und die zunehmenden Niederschläge in tropischen Gebieten können die Vegetation am Südrand der Sahara und in der Tundra besonders stark beeinflussen. So wandeln sich möglicherweise Teile der Sahara und Tundra völlig um.

Die mit Bäumen und Gräsern bewachsene Savanne würde in die Wüste vordringen und die bewaldete Taiga in die moos- und flechtenreiche Tundra. Die Verschiebung der Vegetationszonen wirkt sich in den Modellen wiederum auf die Atmosphäre aus: Die Savanne zieht mehr Niederschlag an und die Ausbreitung der Nadelwälder führt zu einer weiteren Erwärmung der nördlichen Breiten.

Diese Veränderung kann sich abrupt vollziehen, im Falle der Sahara innerhalb weniger Jahrzehnte. Die Erdgeschichte kennt plötzliche Klima- und Vegetationsänderungen. Vor etwa 11.000 bis 6000 Jahren war die Sahara deutlich grüner und die Wälder der Taiga wanderten nach Norden. Der Vegetationsvorstoß auf der Nordhalbkugel wurde auch damals durch Klimaerwärmung verursacht. (fei/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10. 4. 2003)

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