Warum uns die Sonne in der Nase kitzelt

3. März 2010, 12:14
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Rätsel des Niesreizes immer noch ungeklärt - offenbar wirkt Licht aber tatsächlich wie eine Berührung

Zürich - Jeder vierte Mensch muss niesen, wenn er in die Sonne schaut. Dabei handelt es sich offenbar aber nicht um einen bloßen, tief im Hirnstamm liegenden Reflex, wie Forscher der Universität Zürich entdeckt haben. Beteiligt sind auch höher liegende Hirnareale.

Der Niesreiz tritt auf, wenn Menschen plötzlich starker Helligkeit ausgesetzt sind - die Ursachen dafür liegen aber im Dunkeln. Sie seien bisher in keiner neurowissenschaftlichen Studie systematisch untersucht worden, sagte Nicolas Langer vom Institut für Neuropsychologie der Universität Zürich. Ein Team um Institutsleiter Lutz Jäncke untersuchte nun, welche Aktivitäten bestimmte Hirnareale von Menschen, die entsprechend auf Licht reagieren, zeigen. Die Forscher verglichen die Hirnströme von zehn "Sonnenniesern" mit jenen von zehn Menschen, welche die Sonne nicht in der Nase kitzelt.

Experimente

Wie die Forscher im Fachmagazin "PLoS ONE" berichten, zeigte sich, dass die Sehrinde von Sonnenniesern generell empfänglicher ist auf Lichtreize. "Wechselten auf einem Schachbrett am Bildschirm die Felder in rascher Folge von schwarz auf weiß, reagierten ihre visuellen Areale stärker", sagte Langer.

In einem zweiten Experiment setzten die Wissenschafter die Probanden starken Lichtreizen aus und wollten von ihnen wissen, wann es sie am stärksten in der Nase kitzelte. Sie fanden zwei Hirnareale, die genau dann besonders stark aktiviert waren, wenn der Reiz bei den "Sonnenniesern" am größten war.

Licht kitzelt tatsächlich

"Es handelt sich genau um jene Areale, die auch dann angeregt werden, wenn wir uns zum Beispiel mit einem Grashalm in der Nase kitzeln", sagte Langer. Das zeige, dass diese Menschen tatsächlich ein Kribbeln in der Nase verspürten. Die Gehirnströme ähneln laut den Forschern außerdem jenen, die in Studien bei Schmerz- oder Ekelreizen festgestellt wurden.

Gelöst ist das Rätsel des Phänomens mit der Studie noch nicht. Die gängigste Theorie geht davon aus, dass bei betroffenen Menschen der Sehnerv ungewöhnlich nahe an jenem Nerv verläuft, der für das Niesen verantwortlich ist. Dieser Beinahe-Kontakt im Hirnstamm führt zu einem erhöhten Niesreiz, wenn der Sehnerv stark aktiviert wird.

"Unsere Studie widerspricht dieser Theorie nicht", sagte Langer. Sie zeige aber, dass es sich bei dem Niesreiz nicht allein um einen Reflex im Hirnstamm handle, sondern dass auch andere Hirnregionen wie die Sehrinde beteiligt seien. Zudem könnte es sein, dass Betroffene auch auf andere optische Reize stärker reagierten. (APA/sda/red)

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