Gala-Verbot für "The Hurt Locker"-Produzent

3. März 2010, 11:39
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Nicholas Chartier hatte zu offensiv gemailt - Jury-Votings eingelangt, Stimmenzählen beginnt

Los Angeles - Einer der vier Produzenten des Oscar-Favoriten "The Hurt Locker", Nicolas Chartier, darf nicht an der Verleihungsgala der Filmtrophäen im Kodak-Theater in Hollywood teilnehmen. Diese Strafe verhängte die Film-Akademie am Dienstag, nachdem der Franzose mit einer "aggressiven Werbekampagne" gegen die Regeln verstoßen hatte. Am Wochenende war bekannt geworden, dass Chartier die Juroren der Filmakademie per E-Mail dazu aufgefordert hatte, für seinen Film abzustimmen und nicht für "diesen 500-Millionen-Dollar- Film". Der Produzent hat sich bereits für seinen "äußerst unangebrachten" Brief entschuldigt.

Die übrigen drei Produzenten des Dramas um Bombenräumer der amerikanischen Armee im Irak, darunter Regisseurin Kathryn Bigelow und Drehbuchautor Mark Boal, sind von diesem Bann nicht betroffen, hieß es in einer Mitteilung der Academy of Motion Picture Arts and Sciences. Sollte "The Hurt Locker" den Oscar als bester Film gewinnen, so würde Chartier seine Trophäe erst zu einem späteren Zeitpunkt erhalten.

Fiktive und reale Erlebnisse

Vier Tage vor der Gala hat ein Soldat die Produzenten  verklagt. Stabsfeldwebel Jeffrey Sarver wirft dem Autorenteam laut Fernsehsender NBC vor, seine Erlebnisse im Drehbuch verwertet zu haben. Selbst der Titel  sei ein von ihm geprägter Begriff. Die Produzenten wiesen die Vorwürfe zurück.

Nach Sarvers Angaben hatte Drehbuchautor  Boal seine Einheit als Journalist begleitet und viele Informationen von dem Soldaten erhalten, ohne ihn dafür zu bezahlen. Die Rolle des Will James, im Film gespielt von Jeremy Renner, sei ihm genau nachempfunden. Selbst das Funkzeichen "Blaster One" ("Sprengmeister Eins") von James sei das gleiche, das er benutzt habe.

Das Filmstudio weist die Vorwürfe zurück. "The Hurt Locker" sei eine rein fiktive Geschichte "über Helden und darüber, was tapfere Männer und Frauen auf dem Schlachtfeld" tun. "Wir haben keinen Zweifel, dass Stabsfeldwebel Sarver seinem Land mit Ehre und unter Einsatz seines Lebens für eine größere Sache gedient hat, aber der Film basiert auf einer fiktiven Geschichte, geschrieben von Mark Boal."

Stimmenzählen beginnt

Die Wahl der diesjährigen Oscar-Gewinner ist derweil gelaufen. Bis zum Dienstagabend mussten die Stimmzettel der mehr als 5.700 Oscar-Juroren bei der Filmakademie in Beverly Hills eingetroffen sein, spätere Einsendungen werden nicht berücksichtigt. Bis zur Vergabe am Sonntag werden Mitarbeiter der Prüfgesellschaft PricewaterhouseCoopers die Stimmen auszählen und das streng gehütete Geheimnis dann in verschlossenen Umschlägen direkt zur Preis-Gala bringen.

Nach langjähriger Tradition sind die zwei Stimmenauszähler, Brad Oltmanns und Rick Rosas, die einzigen Menschen, die bereits vor der Verleihungszeremonie die Gewinner kennen. Vorsichtshalber werden zwei Sets von jeweils 24 Umschlägen mit den Namen der Gewinner erstellt und auf getrennten Wegen mit einer Sicherheitseskorte ins Kodak Theatre gebracht. Um auf Nummer sicher zu gehen, lernt das Duo die Namen der Gewinner auch auswendig. Während der Show stehen die beiden Männer hinter der Bühne und geben die Umschläge erst kurz vor dem Auftritt der jeweiligen Oscar-Verleiher aus der Hand.

Für die Handauszählung mit einem Dutzend Helfern an einem geheimen Ort im Raum Los Angeles sind drei volle Arbeitstage veranschlagt. Zum ersten Mal seit 1943 sind zehn Filme statt der bisherigen fünf in der Sparte "Bester Film" nominiert. (APA)

 

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    Zu dreist für die Academy-Regeln: Nicholas Chartier, hier mit Siegergrinsen bei der BAFTA-Gala

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