Ringen um kommerzielle Nutzung von Meerestieren

6. März 2010, 18:08
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So viele Schutzanträge wie noch nie bei Artenschutzkonferenz vom 13. bis 25. März in Katar

München - Ein regelrechtes Tauziehen um kommerziell genutzte marine Arten erwarten Artenschützer auf der Konferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens CITES vom 13. bis 25. März in Katar. Heiß diskutiert wird auch der Schutz der Elefanten, denn Tansania und Sambia wollen wieder groß in den Elfenbeinhandel einsteigen.

"Noch nie zuvor gab es so viele Anträge, Meerestiere weltweit unter Schutz zu stellen", so Sprecherin der Tierschutzorganisation ProWildlife und Biologin Daniela Freyer. "Es ist davon auszugehen, dass das Handelsverbot des Roten Tun und der Schutz von Haien nicht von allen Teilnehmerstaaten goutiert wird." Die Expertin, die an der Konferenz teilnehmen wird, erwartet sich auch, dass der Streit um Elfenbein die Gemüter erhitzen wird.

Aufgeweichtes Elfenbein-Handelsverbot

"Das vor rund 20 Jahren verhängte Handelsverbot für Elfenbein hat das Massaker an den afrikanischen Elefanten beendet", erklärt Freyer. "Das zwischendurch gelockerte Handelsverbot hat es möglich gemacht, staatliche Elfenbeinlagerbestände nach China und Japan verkaufen." Elfenbeinschmuggel und Wilderei sind seither deutlich angestiegen. Jetzt haben Tansania und Sambia erneut eine Lockerung beantragt. "Damit wäre der Wilderei Tür und Tor geöffnet", so die Biologin.

Einige EU-Staaten planen zwar den beantragten Verkauf von 111 Tonnen Elfenbein abzulehnen, gleichzeitig wollen sie aber die Elefantenbestände Tansanias und Sambias von Anhang I in Anhang II des WA herunterstufen. Auch innerhalb Afrikas stößt der Vorstoß zur Lockerung des Elefantenschutzes auf Kritik. "Als Antwort auf die Herabstufungsanträge haben sieben afrikanische Länder eine 20-jährige Verkaufspause für Elfenbein beantragt." Sie werden unterstützt von der Mehrheit der afrikanischen Staaten, die den Elfenbeinhandel vehement ablehnen, weil sie um ihre Elefantenbestände fürchten.

Bedrohte Haie

Vier Anträge, acht Haiarten in Anhang II des WA aufzunehmen, stehen auf der Agenda. Konkret geht es um den Dorn- und Heringshai, der auch in Europa immer noch als Schillerlocke verkauft wird, sowie um den Weißspitzen-Hochseehai und Hammerhai. "Viele der zur Diskussion stehenden Haiarten sind durch die immense Nachfrage für Haifischflossensuppe in Fernost bedroht", so Freyer.

"Viele asiatische Länder sperren sich gegen die Anträge beim Meeresschutz", so Freyer. Das gelte zum Beispiel auch für den Blauflossen-Tun, der in Japan als absolute Delikatesse gilt und für den auf den Fischmärkten nahezu utopische Preise erzielt werden. In keinem Land der Welt wird mehr Tunfisch gegessen als in Japan. 80 Prozent der atlantischen und pazifischen Tunfische werden dorthin importiert. (red/pte)

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    Der Heringshai (Lamna nasus) wird vom IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) als gefährdet eingestuft, im Nordost-Atlantik und im Mittelmeerraum sogar als "vom Aussterben bedroht".

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