Salzburgerinnen erobern die Nacht zurück

3. März 2010, 17:46
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"Women reclaim the night"-Demo am Abend des internationalen Frauentags - gegen "Angsträume", für Bewegungsfreiheit - davor feministischer Kurzfilm-Nachmittag

Salzburg - "Women reclaim the night" - unter diesem Motto steht am 8. März in Salzburg eine nächtliche Frauendemonstration auf dem Programm des internationalen Frauentags. Als Veranstalterin tritt das Frauenreferat der ÖH Uni Salzburg auf. Die Nachtdemo soll ein Statement dagegen sein, dass öffentliche Räume des Nachts zu "Angsträumen" für Frauen erklärt werden.

"Ausschlussort" öffentlicher Raum

"Frauen erfahren den öffentlichen Raum oft als Ausschlussort, und zwar dadurch, dass es besonders an gewissen Orten immer wieder zu Übergriffen kommt und man sich als Frau dadurch unsicher fühlt", sagen die Mitarbeiterinnen des Frauenreferats: "Wir finden aber, dass der Schluss daraus nicht sein kann, dass Frauen sich aus diesem öffentlichen Raum in der Nacht zurückziehen." Vielmehr müssten die Täter verschwinden. "Die Demo ist ein physischer Ausdruck dessen."
Die Veranstalterinnen beziehen sich dabei auf Feministinnen der 1970er-Jahre, die für Frauen das Recht einforderten, sich immer und überall aufzuhalten, und betonten, dass sexualisierte Gewalt gegen Frauen strukturellen Charakter habe. Diese Forderungen mündeten in die so genannte "Angstraumdebatte" - nicht unbedingt zur Freude der Feministinnen: "Eigentlich sollte die Debatte ja nicht bei der Angst ansetzen, also die Symptome bekämpfen, sondern das Problem an sich, und das ist die Gewalt." Noch immer würden Frauen systematisch aus dem öffentlichen Raum ausgeschlossen, was auch notwendig sei, um das Patriarchat aufrecht zu erhalten.

Angst "ein bisschen irrational"

Dabei passiere in den eigenen vier Wändern wesentlich mehr Gewalt gegen Frauen als auf der Straße, kritisieren die Initiatorinnen der Demo: Die durch Medienberichte geschürte Angst etwa vor Vergewaltigungen in Parkgaragen sei "ein bisschen irrational": "Sicher, das kommt vor, aber wesentlich seltener, als dass eine Frau daheim von ihrem Mann vergewaltigt wird". Die Gewalt im öffentlichen Raum solle keinesfalls verharmlost werden; für Gewalttäter im familiären Kontext sei es aber "eher förderlich, wenn das so dargestellt wird, als wäre das ausschließlich der Täter auf der Straße".

Mehr Überwachung durch Polizei oder Videokameras könne an der Situation auch nichts ändern, sagen die ÖH-Aktivistinnen: "Da würde man die Krankheit bekämpfen und nicht die Ursachen der Krankheit". Vielmehr gehe es um mehr Solidarität und Zivilcourage in der Gesellschaft. Aber auch eine frauengerechtere Stadtplanung, die weniger dunkle Ecken entstehen lässt, geförderte Nachttaxis oder mehr Öffis in den Nachtstunden könnten Angsträume reduzieren helfen.

Nur für Frauen

Die Nachtdemo in Salzburg wird nur für Frauen zugänglich sein: "Das ist zwar in einer gewissen Weise ausschließend - wir haben das auch diskutiert -, wir finden aber, dass reine Frauenräume in dieser Situation durchaus noch Sinn machen", sagen die Veranstalterinnen. Treffpunkt am 8. März ist um 21 Uhr am Südtiroler Platz vor dem Hauptbahnhof. Durch das als mitunter gefährlich geltende Bahnhofsviertel führt die Route über Elisabethstraße, Rainerstraße, Mirabellplatz und Staatsbrücke zum Fortgehviertel am Rudolfskai, das ebenfalls einen eher schlechten Ruf hat.
Nach der Abschlusskundgebung am Mozartplatz geht es weiter zum Frauenfest - ebenfalls nur für Frauen zugänglich - in den Räumen der ÖH (Kaigasse 28, 1. Stock) "zum Kennenlernen, Feiern, Quatschen, Tanzen, Essen, Trinken". Schon am Nachmittag (13 bis 17 Uhr) veranstaltet das Frauenreferat in den Foyers der Naturwissenschaftlichen Fakultät (Hellbrunner Straße 34) und des Hauses für Gesellschaftswissenschaften (Rudolfskai 42) feministische Kurzfilm-Nachmittage. (Markus Peherstorfer, dieStandard.at, 02.03.2010)

  • Für ihren Nachtdemo-Flyer ließ sich das Frauenreferat der Salzburger ÖH
von einem feministischen Demo-Aufruf des Jahres 1914 inspirieren.
    foto: öh uni salzburg

    Für ihren Nachtdemo-Flyer ließ sich das Frauenreferat der Salzburger ÖH von einem feministischen Demo-Aufruf des Jahres 1914 inspirieren.

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