Abhörgeräte an den Telefonleitungen

9. April 2003, 17:04
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EU erstattet wegen Spionage Anzeige gegen Unbekannt

Die Europäische Union (EU) hat sich zu einer Anzeige gegen Unbekannt wegen Abhörens von sechs Delegationen im EU-Ratsgebäude entschlossen. Die EU-Botschafter hätten eine entsprechende Entscheidung am Mittwoch für die Sitzung der Außenminister am Montag in Luxemburg vorbereitet, hieß es in diplomatischen Kreisen.

Unklar

Wer die Abhörgeräte an den Telefonleitungen der Delegationen Deutschlands, Großbritanniens, Frankreichs, Österreichs, Italiens und Spaniens befestigt habe, sei auch nach Ermittlungen der Geheimdienste der sechs Länder unklar, hieß es weiter.

Bereits beim Bau des 1995 eröffneten Gebäudes eingebaut

Die Abhörgeräte waren Ende Februar im EU-Ratsgebäude entdeckt worden. Wahrscheinlich seien sie dort bereits beim Bau des 1995 eröffneten Gebäudes eingebaut worden, hatten Diplomaten nach Bekanntwerden des Falls Mitte März berichtet. Die Anzeige solle der belgischen Justiz übermittelt werden.

"Löchrig wie ein Schweizer Käse"

Weder militärische Gremien der EU noch ihr außenpolitischer Koordinator Javier Solana seien von der Abhöraktion betroffen gewesen, hatte ein Ratssprecher damals gesagt. Solana hatte es einst abgelehnt, die Büros des außenpolitischen EU-Koordinators im Ratsgebäude zu übernehmen und hatte darauf bestanden, in ein anderes Gebäude zu ziehen. Vor drei Jahren waren rund 200 Computer in dem Gebäude zumindest zeitweise verschwunden. Ein hochrangiger Diplomat hatte den mit rotem Granit verkleideten Bau damals als "löchrig wie ein Schweizer Käse" bezeichnet.(reuters)

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