Vier neue Säle für den Musikverein

9. April 2003, 13:30
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Zukunftspläne und -sorgen

Wien- Im März 2004 werden im Wiener Musikverein vier neue Säle eröffnet, darunter als Kernstück der als Vilar-Saal bekannte gläserne Saal. Schon am 20. September wird das neue Foyer in Betrieb genommen. Von dem in finanzielle Schwierigkeiten geratenen US-amerikanischen Großsponsor Alberto Vilar sei bis jetzt erst ein Zehntel der vertraglich vereinbarten 5,8 Mio. Euro eingelangt, die Gesellschaft der Musikfreunde wird für die Baukosten eine Zwischenfinanzierung aufnehmen müssen, deren Kosten Vilar zu übernehmen plane, sagte Generalsekretär Thomas Angyan am Mittwoch bei der Saisonpressekonferenz seines Hauses.

2003/04: 194 Konzerte in 35 Zyklen

Im Vordergrund der kommenden Saison werden wieder Künstler- und Orchesterresidenzen stehen, schilderte Angyan. So wird der österreichische Dirigent Franz Welser-Möst mit seinem Cleveland Orchestra fünf Konzerte geben, darunter auch das traditionelle Allerheiligenkonzert mit Brittens "War Requiem". Daniel Barenboim wird als Pianist zu hören sein und im April 2004 an acht Abenden alle Beethoven-Klaviersonaten geben. Sehr prominent im Programm stehen Werke Antonin Dvoraks, von dem auch "ausgefallenere Werke" wie sein Requiem (12. und 13. 6. 2004, Symphoniker unter Fedosejev) sowie das Te Deum und American Flag (28. und 29. Februar, Symphoniker unter Gerd Albrecht) gespielt werden.

Die Wiener Philharmoniker geben elf Konzerte außerhalb der und sieben innerhalb der Festwochen (wenn man, wie Angyan, "die Wiener Hofmusikkapelle und die Wiener Virtousen unter den Begriff Philharmoniker subsumiert"), "Rückgrat" der Musikvereins-Konzerte sind wieder die Wiener Symphoniker mit 14 Produktionen zu je zwei bis vier Konzerten. Beim ersten Philharmoniker-Konzert am 20. September, wo die Musiker mit Andre Previn am Pult und Anne-Sophie Mutter Tschaikowsky und Dvorak geben werden, wird das neue Erste Bank Foyer des Musikvereins eröffnet werden. Zur Festwochen-Eröffnung am 8. Mai (und noch einmal am 10. Mai) werden die Philharmoniker Schönbergs Gurrelieder spielen, Riccardo Muti wird im Juni mit den Philharmonikern und einem italienischen Programm aus Verdi, Busoni und Respighi die Festwochen.-Konzerte beschließen.

Mstislaw Rostropowitsch wird wieder ein Kammermusik-Projekt bieten sowie u. a. am 16. Juni 2004 mit den Wiener Philharmonikern Strauss, Haydn und Mozart geben - ohne Dirigent. Mit den Philharmonikern unter seinem "musikalischen Zwillingsbruder" (Angyan) Seiji Ozawa wird Rostropowitsch ein Auftragswerk der Musikfreunde-Gesellschaft von Krzysztof Penderecki zur Uraufführung bringen. Dies werde die letzte Uraufführung von Rostropowitsch sein, der insgesamt neue 120 Werke vorgestellt hat, so Angyan. Sein Anliegen, "zeitgenössische Musik zu bieten und nicht viel darüber zu reden", verwirklich er weiters mit einem Auftrag an Ivan Eröd, dessen Streichquartett am 17. 6. 2004 vom Artis Quartett uraufgeführt wird. Uraufführungen kommen von Werner Steinmetz, Hannes Heher und Ian Wilson, österreichische Erstaufführungen gibt es von u. a. György Kurtag, Thomas Daniel Schlee und Kaija Saariaho.

Jubilar Bernard Haitink

Saison übergreifend wird der 70. Geburtstag von Bernard Haitink gefeiert, der im Frühjahr 2004 das Concertgebouworchester (15. 3.) und die Philharmoniker (21. 4.), sowie im Herbst 2004 die Staatskapelle Dresden dirigieren wird. Zu hören sein werden auch wieder Mariss Jansons, Nikolaus Harnoncourt, Simon Rattle (im Rahmen der Wiener Festwochen mit den Berliner Philharmonikern) und Zubin Mehta. "Wir bemühen uns, neben den 'Key Figures' auch einen Querschnitt durch das internationale attraktive Konzertangebot zu bieten", schilderte Angyan, der bedauerte, dass derzeit kein Konzert mit Claudio Abbado fixiert ist. "Aber da könnte es noch eine Überraschung geben". (APA)

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