Der befriedigte Pistenprinz

24. Februar 2010, 17:51
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Hubertus von Hohenlohe (51), der älteste Teilnehmer in Vancouver, schnallt am Samstag olympisch ab. Im Riesenslalom wurde er mit 33,64 Sekunden Rückstand 78.

Den Ausschlag mag unlängst ein Torrichter bei einem Rennen in Slowenien gegeben haben. Dafür, dass Prinz Hubertus von Hohenlohe am Samstag in Whistler sein letztes olympisches Rennen bestreitet, den Slalom. "Sind Sie nicht der Sohn dieses Hohenlohe, der in den 80er-Jahren Rennen gefahren ist" , frug der Torrichter den Prinzen. "Nein, ich bin es selbst" , antwortete der 51-Jährige und erntete ein zweischneidiges Komplimente: "Wow, nicht schlecht für einen alten Mann."

Seit 1981 zählt Hubertus Rudolph von Hohenlohe, in Mexiko-Stadt als Sohn von Ira von Fürstenberg und Alfonso Hohenlohe-Langenburg geboren, nicht nur zum internationalen Jetset, sondern auch zum Skizirkus. Die Eintrittskarte für diesen löste er selbst durch die Gründung des mexikanischen Skiverbands. Seine Auftritte als sogenannter Exot bei sämtlichen Weltmeisterschaften seit 1982 (Ausnahme 2007) und insgesamt fünf Olympischen Spielen lassen leicht vergessen, dass der Dreifachstaatsbürger (Mexiko, Österreich, Liechtenstein) mehr als ein bloß ordentlicher Rennläufer war. Bis 1985 schaffte er sechs Top-10-Plätze in der Kombination. Im Dezember 1981, in seinem zweiten diesbezüglichen Bewerb, war Hohenlohe gar Fünfter in Madonna di Campiglio gewesen.

Gerne erzählt der finanziell völlig sorgenfreie, ledige Fotograf und Musiker, der erst in Marbella und dann in einem Vorarlberger Internat sowie nach der Scheidung seiner Eltern bei einer Tante in der Steiermark aufwuchs, Anekdoten aus seiner Sportlerkarriere. Etwa von der Wette mit Werner Grissmann, der fünf Flaschen Champagner zu zahlen hatte, weil er in Hohenlohes erstem Rennen in Aprica nur knapp neun statt zehn Sekunden vor dem adeligen Jüngling geblieben war.

Wie eine Sucht war für ihn der Rennsport, sagt Hohenlohe. Selbst sporadischer Spott (Transparent: "Lieber Prinz, wir bitten Dich, komm nach Haus bei Tageslicht!" ) konnte ihm die nicht vor der Zeit abgewöhnen. (Sigi Lützow, DER STANDARD Printausgabe 25.02.2010)

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