Wenn sich ein Banker entschuldigt ...

23. Februar 2010, 22:06
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... und Manager auf ihre Boni verzichten. Aus einem offenen Brief des Chairman der britischen Investment-Bank Barclays Marcus Aguis

Aus einem in der Londoner "Times" veröffentlichten offenen Brief des Chairman der britischen Investment-Bank Barclays Marcus Aguis:

Wiewohl sonst nicht üblich, möchte ich der heutigen Bekanntgabe unseres Jahresberichts eine Stellungnahme hinzufügen.

Das Band des Vertrauens zwischen den Banken und ihren Stakeholdern ist durch die Ereignisse der letzten Jahre erheblich geschwächt worden. Wir glauben, dass es ein dreifaches Fundament braucht, um dieses Vertrauen wiederherzustellen: Die Banken müssen bereit sein, die Fehler einzugestehen, die sie gemacht haben; sie müssen mit Regierungen, Zentralbanken und Regulierungsbehörden zusammenarbeiten, um ein System zu schaffen, das Erschütterungen abzufedern vermag: und sie müssen bei der Stabilisierung und Wiedergenesung unserer Wirtschaft eine tragende Rolle übernehmen.

Wir sind uns bewusst, dass die Auswirkung der Kreditkrise und der nachfolgenden Rezession das Leben von Millionen von Bürgern und Tausenden von Geschäftsleuten erschwert hat, und dass es unsere Pflicht ist, in angemessener Weise Unterstützung zu leisten.

Der Vorstand ist der Auffassung, dass Barclays 2009 - sowohl in absoluten wie auch in relativen Zahlen - eine starke Performance geboten hat, und dass demzufolge den zentralen Führungskräften John Varley und Robert E.Diamond für ihre Leistungen Bonus-Zahlungen zustehen.

Angesichts der fortwirkenden Auswirkungen der Wirtschaftsflaute auf viele Kunden, Mandanten und Aktionäre sowie der Tatsache, dass die Bezüge von Bankmanagern und die Leistungszahlungen der Banken im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen, haben die beiden allerdings den Vorstand dahingehend verständigt, dass sie auf jegliche Prämie verzichten.

Der Vorstand hat nun festgelegt, dass die Gesamtsumme der Remunerationen für 2009 zu 100 Prozent allen anderen Führungskräften über einen Zeitraum von drei Jahren gewidmet wird, vorbehaltlich einer Rückforderungsklausel (bei kurzfristigen Transaktionen, die sich als faul erweisen).

Finanzdienstleistungen sind ein Bestandteil des täglichen Lebens und wir sind bestrebt, mit Worten und Taten unter Beweis zu stellen, dass Barclays auf öffentliche Interessen Rücksicht nimmt sowie auf die Bedürfnisse der Menschen, denen wir dienen. Wir werden alles tun, unseren Teil dazu beizutragen, das Vertrauen in die Bankindustrie zurückzugewinnen. (DER STANDARD, Printausgabe, 24.2.2010)

Übersetzung: E. Loibl

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    Barclays-Chef Aguis: Vertrauen wiederherstellen.

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    "Auf die Menschen Rücksicht nehmen, denen wir dienen ..." - Protestkundgebung vor der Barclays-Zentrale in London.

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