Emile Cioran zeitlebens von Securitate bespitzelt

18. Februar 2010, 13:35
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Dokumente vor Veröffentlichung: Philosoph war für Geheimdienst wenig ergiebig

Bukarest - Der nihilistische rumänisch-französische Philosoph Emile Cioran (1911-1995) ist 49 Jahre lang von Mitarbeitern der Geheimpolizei Securitate in Paris bespitzelt worden, um Informationen über die politischen Aktivitäten der rumänischen Emigrantenszene in Frankreich zu gewinnen, berichteten rumänische Tageszeitungen am Donnerstag.
Der stark von Friedrich Nietzsche beeinflusste negative Mystiker ("Auf den Gipfeln der Verzweiflung") hat von 1937 bis zu seinem Lebensende in Paris gelebt.

In dem im Bukarester Verlag Polirom erscheinenden Buch veröffentlicht der Historiker Stelian Tanase eine Auswahl aus mehr als 300 Geheimdienst-Dokumenten aus den Jahren 1941 bis 1990. In den 1940er Jahren hatte sich der Geheimdienst des damals mit Nazi-Deutschland verbündeten Rumänien für Cioran interessiert, weil dieser damals Kulturattaché der rumänischen Botschaft bei der Vichy-Regierung war. Cioran galt wegen seiner Sympathien für die faschistische rumänische "Eiserne Garde" als suspekt. Diese Gruppe hatte 1940 den Marschall Ion Antonescu (1882-1946) an die Macht gebracht, war freilich 1941 von diesem verboten worden. Bei diesen Machtkämpfen ging es unter anderem um Konkurrenz um die Gunst Hitlers.

Für die kommunistische Securitate erwies sich Cioran als wenig ergiebig, heißt es in den Vorab-Zeitungsberichten. Die Agenten konnten lediglich berichten, dass Cioran sich von den Pariser rumänischen Emigrantenzirkeln fernhielt und zudem gegenüber den vielen Besuchern aus Rumänien misstrauisch war. Versuche der Spitzel, Cioran zu einer Rückkehr nach Rumänien zu bewegen - was einen Propaganda-Coup des Regimes ergeben hätte - schlugen fehl. Aktenkundig ist zudem, dass Cioran auch in Gesprächen mit den Securitate-Spitzeln seine faschistischen Jugend-Sympathien bedauert hat. (APA)

 

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