Cosmos-Konkurs ist fix

18. Februar 2010, 19:44
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Alle 1.160 Mitarbeiter wurden zur Kündigung beim AMS angemeldet, zehn von 27 Filialen schließen, gekaufte Gutscheine sind wertlos

Wien - Die in Ausgleich befindliche Elektrohandelskette Cosmos stellt Konkursantrag. Der Ausgleichsantrag wurde am Mittwoch zurückgezogen.  Ausgleichsverwalter Karl Engelhart hatte dies bereits im Ö1-"Morgenjournal" angekündigt. Ein Abverkauf sei geplant, um die Liquidität zu verbessern. Zehn von 27 Filialen (siehe unten) schließen. Alle 1.160 Mitarbeiter sind ab Mittwoch zur Kündigung beim AMS angemeldet. Mit potenziellen Investoren wird verhandelt. Gibt es in vierzehn Tagen keine Lösung, wird laut Engelhart liquidiert.

Investorensuche auf Hochtouren

Das Cosmos-Management hat sich in einer ersten Reaktion nach wie vor überzeugt gezeigt, dass das Unternehmen leicht zu retten gewesen wäre. "Der Konkurs ist kein Nachteil für Investoren und eine Auffanglösung, weil hiermit alle Altlasten zur Gänze bereinigt sind und ein wirklicher Neustart erfolgen kann", sagte die Cosmos-Geschäftsführung . Mittlerweile hätten sich auch tatsächlich einige neue Interessenten gemeldet. Es gäbe also Hoffnung - zumindest für einen Teil der Beschäftigten.

"Die laufenden Meldungen - nicht nur in den Medien - wegen des Scheiterns des Ausgleichs haben Lieferanten so verunsichert, dass die Warenversorgung so schlecht wurde, dass keine ausreichenden Umsätze mehr erzielt werden konnten. Somit fehlen vernünftige Spannen, die den Fortbestand im Ausgleich gerechtfertigt hätten. Schade um Cosmos, das Unternehmen wäre leicht zu retten gewesen. Ein praktisch entschuldetes Unternehmen muss jetzt wegen fehlender Warenversorgung in den Konkurs", heißt es in der Mitteilung.

Auffanglösung für Lehrlinge

Das Bundesgremium des Elektrohandels in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) arbeitet nun an einer Auffanglösung für die rund 40 bei Cosmos beschäftigten Lehrlinge. Für Konsumenten wird eine Lösung für Gewährleistungsansprüche gesucht.

"Konsumenten, die in den letzten Monaten Geräte gekauft haben, haben ja keine Möglichkeit mehr, die gesetzlichen Gewährleistungsansprüche bei Cosmos geltend zu machen. Hier arbeiten wir - gemeinsam mit den Herstellern - an einer Lösung, dass diese, soweit diese über eine Niederlassung in Österreich verfügen, bei Problemfällen im Rahmen der Garantie einspringen", so Wolfgang Krejcik, Obmann des Bundesgremiums in einer Aussendung.

Gutscheine verlieren im Konkursfall an Wert

Besitzer von Gutscheinen von Cosmos werden sich voraussichtlich um das Geld nicht mehr viel kaufen können. Bereits in den letzten Tagen seien keine Gutscheine mehr zur Zahlung akzeptiert worden, man habe einen Ersatzanspruch, den man grundsätzlich im Konkurs anmelden könne, so der Verein für Konsumenteninformation (VKI).

Aufpassen muss man allerdings, ob sich das überhaupt auszahlt. Ein Rechenbeispiel des VKI: Bei einem Gutschein von 100 Euro und einer Konkursquote von beispielsweise zehn Prozent erhält man zehn Euro, die Gebühren betragen aber 20 Euro. Die Ersatzraten im Konkursfall werden unter 40 Prozent erwartet. Die Gutscheine verfallen zwar nicht, die Ansprüche lassen sich wirtschaftlich aber nicht durchsetzen, so VKI-Chefjurist Peter Kolba. Findet sich ein Investor, der nur die Filialen weiterführt, müssen die Gutscheine nicht akzeptiert werden. Nur für den Fall, dass das gesamte Unternehmen fortgeführt wird, gelten die Gutscheine weiter.

Herstellergarantie

Zum Thema geplanter Abverkauf weist der VKI auf die Gewährleistung hin. Den reduzierten Preisen stehe die Gefahr gegenüber, dass unter Umständen - etwa bei einer Liquidation nach Konkurs - der Vertragspartner für die zweijährige Gewährleistung abhandenkommen könnte. Das sei beim Kauf eines Radioweckers wohl weniger beachtlich als beim Erwerb einer teuren Heim-Videoanlage. Es bleibt aber noch die Herstellergarantie.

Abgeschlossen werden bei Cosmos in der Regel Bargeschäfte, also Ware gegen Kaufpreis. Im Fall von Mängeln stellt sich auch hier die Frage der Gewährleistung. Es könnte sein, dass Cosmos im Fall des Konkurses das mangelhafte Gerät nicht mehr austauscht oder zurücknimmt. In diesem Fall bleiben dem Käufer Geldansprüche, die aber letztlich nur als Forderung im Konkurs angemeldet werden können. Auch hier gilt wie bei den Gutscheinen: Eine Anmeldungsforderung zahlt sich nur aus, wenn die erwartete Rückzahlung höher als die 20 Euro Anmeldegebühr ist. Ansprüche aus Bargeschäften vor der Ausgleichseröffnung am 29. Jänner sind einfache Konkursforderungen, Ansprüche aus Geschäften danach bevorrechtete Forderungen. Hat man bei Cosmos auf Raten eingekauft, muss man wie bisher einfach weiter zahlen.

Marktanteile im Elektrohandel

Die Marktanteile im Elektrohandel in Österreich ändern sich durch die Insolvenz von Cosmos nicht gravierend. Am Gesamt-Branchenumsatz von rund 4 Mrd. Euro hatte das Unternehmen zuletzt nur mehr einen niedrigen einstelligen Prozentanteil. Den Markt teilen sich zu jeweils rund einem Drittel die Mediamarkt/Saturn-Gruppe, etwa 900 kooperierte Händler (Redzac-Euronics, Electronicpartner, Expert) sowie rund 2.500 unabhängige Handelsunternehmen aller Größenklassen.

Der gesamte Elektrohandel in Österreich beschäftigt rund 13.000 Mitarbeiter, davon entfielen bisher auf Cosmos alleine rund 1.200 Personen. "Daraus ergibt sich ein für die Branche untypisches - und ungünstiges - Umsatz-je-Mitarbeiter-Verhältnis, was höchstwahrscheinlich mit ein Grund für die entstandenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten war", so WKO-Mann Krejcik.

Die Elektrobranche hat 2009 den Umsatz gegenüber 2008 leicht steigern können, befindet sich also keineswegs in einer Krise, betonte der Obmann. Ganz allgemein sei der Einzelhandel weit weniger von der Krise betroffen als andere Sektoren. Aufgrund der geringen Spannen sei es aber immer wieder möglich, dass einzelne Unternehmen aus dem Markt ausscheiden, sagte der Direktor der KMU Forschung Austria, Peter Voithofer, in der Mittags-ZiB. Es sei also "keine Pleitewelle im Einzelhandel zu erwarten". Konkursfälle wie Cosmos oder Quelle seien Einzelfälle. Der Einzelhandel selbst sei eine stabile Branche. (APA/red)

Folgende Filialen werden laut AKV geschlossen: 1100 Wien, Keplerplatz 14; 1020 Wien, Olympiaplatz 2; 1070 Wien, Mariahilferstraße 120; 1110 Wien, Simmeringer Hauptstraße 96a; 1190 Wien, EKZ Interspar, Grinzinger Str. 112; 2700 Wiener Neustadt, FMZ Centro, Josef Feichtinger G. 8; 3100 St. Pölten, Daniel Gran Straße 13; 7501 Unterwart, Steinamangerer Bundesstraße 323; 5020 Salzburg, ZIB, Fürbergstraße 18; 9500 Villach, ATRIO Kärntner Straße 34

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    Bei Cosmos waren zuletzt 1.160 Mitarbeiter beschäftigt.

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