Irakisches Öl bringt die Opec unter Druck

9. April 2003, 19:29
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Sollte das irakische Öl nach dem Krieg privatisiert werden, könnte dies das Ende des Kartells bedeuten

Wien - Noch sind die Kämpfe nicht beendet, da laufen die Planungen für die Nachkriegszeit schon auf Hochtouren. Im Zentrum des Interesses liegen dabei die irakischen Ölquellen. Und die bergen Sprengstoff - vor allem für die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec). Denn ein Nachkriegsirak könnte dem mächtigen Kartell und seinen Förderquoten den Rücken kehren wollen. Das könnte das Ende der Opec bedeuten.

"Wenn nach dem Krieg die irakische Ölindustrie privatisiert wird, können Sie die Opec vergessen", sagt Leo Drollas vom Londoner Zentrum für globale Energiestudien. Der Irak verfügt nach Saudi-Arabien über die zweitgrößten Ölvorkommen der Erde. Und das schwarze Gold wird dringend benötigt, um den milliardenteuren Wiederaufbau zu finanzieren. Dafür müssten die Ölexporte kräftig erhöht werden, die unter dem UN-Programm "Öl für Lebensmittel" stark gedrosselt sind.

Gründungsmitglied

Der Irak gehört zu den Gründungsmitgliedern der Opec, die 1960 in Bagdad ins Leben gerufen wurde. Nach dem Einmarsch in Kuwait 1990 wurde der Irak aus dem Quotensystem ausgeschlossen und Sanktionen unterworfen. Die Gesamtförderung der elf Mitgliedstaaten wird von der Opec streng kontrolliert. Lässt der Irak sein Öl stärker sprudeln, müssten die übrigen Länder ihre Förderung drosseln. Verweigern sie Zugeständnisse, steht der Irak vor einer schweren Entscheidung: gehen oder bleiben. "Ich habe das Gefühl, dass der Irak dann die Opec verlassen würde", sagt Drollas.

Der Recherche-Experte des britischen Magazins The Economist, Neil Partrik, widerspricht: Ein kurzfristiger Austritt sei "sehr unwahrscheinlich". Die Förderanlagen seien in einem derart schlechten Zustand, dass an eine Produktion von drei Mio. Barrel oder mehr in den nächsten zwei Jahren ohnehin nicht zu denken sei. Langfristig berge die irakische Ölförderung aber durchaus Konfliktpotenzial für die Opec. Denn wenn erst einmal Förderanlagen und Pipelines instand gesetzt sind, könnte der Irak sogar mit dem weltweit größten Ölexporteur Saudi-Arabien konkurrieren wollen.

Frage nach Beschränkungen

"Die Frage ist, welchen Beschränkungen der Irak dann unterworfen wird", sagt Partrik. Sind sie zu streng, könnte der Irak die Opec verlassen wollen. Ein solcher Schritt wäre durchaus im Sinn der "Falken" in den USA. Sie verdächtigen Opec-Staaten wie Libyen oder den Iran, mit ihren Öleinnahmen Terrorismus zu fördern. Eine kräftige Ausweitung der irakischen Förderung könnte den Ölpreis auf unter 18 Dollar/ Barrel drücken - während er vor dem Krieg noch über 30 Dollar lag. Dies hätte nach Ansicht der US-Hardliner eine doppelt positive Wirkung: Ein Ölpreisverfall würde die US-Wirtschaft ankurbeln und gleichzeitig in Libyen und im Iran schwere ökonomische Schäden anrichten - ein Beitrag zur Destabilisierung der "Schurkenstaaten". "Der Irak bleibt in der Opec", beschied dagegen am Montag deren Präsident Hamad el Attija. Dass eine Neuverteilung der Quoten unvermeidlich ist, wird hinter vorgehaltener Hand auch am Sitz des Kartells in Wien eingeräumt. "Wir müssen den Irak vom Bleiben überzeugen", sagt ein Opec-Mitarbeiter. (Robert Koch, AFP, DER STANDARD, Printausgabe 9.4.2003)

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