Blog Monitor: Unterfördert

14. Februar 2010, 16:16
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Vom Prinzip der Vielfalt ist die österreichische Medienlandschaft noch immer weit entfernt. Forschung und Förderung fehlen

Bis vor Kurzem erschöpfte sich in Österreich die Förderung von Nachwuchsjournalisten in der multikulturellen Redaktion der ORF-Sendung "Heimat fremde Heimat". Ohne den wichtigen Beitrag, den das Redaktionsteam für kulturelle Vielfalt im ORF und Österreich geleistet hat, schmälern zu wollen, muss man ehrlich zugeben, dass sowohl das Konzept als auch die Themen der nun mehr 20 Jahre alten Sendung, mehr als veraltet sind. Mit lediglich einer halben Stunde pro Woche und einer Handvoll JournalistInnen mit Migrationshintergrund, kann die stetig wachsende Gruppe der "neuen Österreicher" kaum ernsthaft repräsentiert werden. In den Printmedien war es vor der Gründung der Initiative M-Media um die Förderung des Journalisten mit Migrationshintergrund noch schlimmer bestellt. 

MigrantInnen an der Produktion der Mainstream-Medien adäquat zu beteiligen, ist ein enorm wichtiger Beitrag zur erfolgreichen Integration. Die Zuwanderungsbiographie ist natürlich nicht per se die Garantie dafür, über Themen rund um Zuwanderung besser als Vertreter der Mehrheitsgesellschaft zu berichten. Zweifelsohne haben aber Menschen mit einer persönlichen oder familiären Einwanderungsgeschichte einen anderen Zugang zu Personen aus den Migranten-Communities und einen anderen Blick auf ihre Lebenswirklichkeit. Journalist/innen mit Migrationshintergrund sind einerseits Identifikationsfiguren für Zugewanderte, andererseits spiegeln sie in den Medien die Realität einer Gesellschaft wider, die eben längst nicht homogen ist.

Österreich braucht JournalistInnen mit Migrationshintergrund. Gefördert werden sie aber kaum. An dieser Stelle folgt der unvermeidliche Blick zum großen Bruder Deutschland. Dort gibt es etwa das Studienprogramm "Junge Migrantinnen und Migranten in den Journalismus" der Heinrich-Böll-Stiftung, es gibt die Talentwerkstatt "WDR grenzenlos" oder die Vereinigung "Neue deutsche Medienmacher", um nur einige Maßnahmen und Initiativen zu nennen. Und was noch wichtiger ist: In Deutschland und der Schweiz wurden im Zuge von Forschungsarbeiten wichtige Zahlen zum Ist-Zustand erhoben, die der Frage nach den Ursachen der geringen Präsenz von Journalisten mit Migrationshintergrund, eine fundierte Grundlage liefern. (Olivera Stajic, 14. Februar 2010, daStandard.at)

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