RH-Kritik an Vorstandsgagen

11. Februar 2010, 14:20
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In so manchem Unternehmen mit Bundesbeteiligung stiegen die Vorstandsgehälter zwischen 2005 und 2008 ins Untermessliche

Wien - Zwischen 2005 und 2008 hat es in einigen Unternehmen mit Bundesbeteiligung Erhöhungen der Vorstandsgehälter auf das drei- bis vierfache gegeben. Aus dem Einkommensbericht des Rechnungshofes, der heute Donnerstag im Rechnungshofausschuss diskutiert wurde, geht auch hervor, dass in manchen dieser Unternehmen die Durchschnittsgehälter der Mitarbeiter über 80.000 Euro liegen.

Über den stärksten Gehaltszuwachs konnte sich der Vorstand der Brenner-Basistunnel Betreibergesellschaft freuen: von 77.100 auf 326.500, was mehr als eine Vervierfachung bedeutet. Allerdings fällt in diese Zeit auch erst die Aufnahme der operativen Tätigkeit. Bei 27 Angestellten - mit einem Durchschnittsgehalt von 52.000 Euro - ein üppige Entlohnung. In der Gesundheit Österreich GmbH hat sich die Vorstandsgage zwischen dem ersten vollen Geschäftsjahr 2006 und 2008 von 54.500 auf 171.000 Euro mehr als verdreifacht. Der Vorstand des Land-, forst- und wasserwirtschaftlichen Rechenzentrums verdiente 2008 pro Kopf 193.700 Euro, 2005 waren es erst 61.400 Euro.

Diese Vorstände sind aber nicht die Einkommenskaiser. Hier steht der der vierköpfige Verbund-Vorstand mit 840.000 Euro pro Kopf unangefochten an der Spitze, wobei die drei Männer im Schnitt 931.200 Euro erhielten, die eine Frau muss sich mit 566.300 Euro begnügen. Wobei die 173 Angestellten der Verbund-AG mit im Schnitt 88.600 Euro auch nicht schlecht verdienten. Auch da kommen Männer mit durchschnittlich 107.700 Euro deutlich besser weg als Frauen (66.400 Euro).

Auch in den Verbund-Töchtern AHP (496.700), APT (332.900) und APG (321.300) kamen Vorstände 2008 auf überdurchschnittliche Gehälter. Über 400.000 Euro gab es in der ÖIAG (715.400), der ÖBB-Holding (502.700), der Post (488.000) der ÖBB-Dienstleistungsgesellschaft (460.000), der ÖBB Personenverkehr AG (414.400) und der ÖBB-Infrastruktur AG (401.200). Mit immer noch über 300.000 Euro pro Kopf werden die Vorstände der ÖBB-Töchter RailCargo Austria (352.800), ÖBB Traktion (331.700) und ÖBB-Technische Services (350.500) entlohnt - Summen auf die sonst noch die Kärntner Kelag (356.700 Euro) und die Steirische Steweag-Steg (305.000 Euro) kommen.

Aber der Rechnungshofsbericht zeigt, dass auch Vorstände mit ganz wenigen Mitarbeitern gut verdienen können. So gab es 170.900 Euro für den Vorstand der GKB Bergbau bei 14 Mitarbeitern und 193.500 Euro für den Vorstand der Bewag Netz mit ebenfalls 14 Mitarbeitern. Diese wiederum verdienten im Schnitt mit 105.900 Euro schon fast so viel wie ihre Vorstände.

Wie überhaupt Angestellte in einigen Unternehmen mit Bundesbeteiligung sehr gut verdienen: In der Austro Control sind es knapp 100.000 Euro (99.700) wobei es hier eine Steigerung um 21 Prozent seit 2005 (82.000) gab, in der ÖIAG 98.100 Euro, im Verbund 88.600 und in der Nationalbank 88.500 Euro.

In öffentlichen Unternehmen können aber auch Aufsichtsräte teilweise mit einer ordentlichen Vergütung ihrer Tätigkeit rechnen: In den Gebietskrankenkassen (Tirol, Kärnten, Salzburg, Oberösterreich, Niederösterreich, Wien, Steiermark) lag ihre Entlohnung 2008 zwischen 19.800 und 24.900 Euro. Auch AUA und Verbund zahlten über 20.000 Euro. Spitzenreiter ist die Medizinische Universität Innsbruck mit 29.500 Euro - was außerdem fast einer Verdoppelung gegenüber 2007 (15.700 Euro) entsprach. (APA)

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