Unterberger ist uns allen voraus

15. Juni 2010, 13:22
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Was heißt hier konservativ? Progressiver geht's kaum als dieser Blog

Was heißt hier konservativ? Progressiver als Andreas Unterberger geht es kaum. Zeitlich zumindest: Unter einer Url (Danke für die Zusendung!) datiert sein "nicht ganz unpolitisches Tagebuch" im Web bereits in den letzten Julitagen mit 19. August 2010. Vorsichtshalber: Frohe Weihnachten! Kommen schneller, als man denkt.

Aber: Wer sich dem ehemaligen Chefredakteur von "Presse" und "Wiener Zeitung" ganz herkömmlich über www.andreas-unterberger.at nähert, bekommt auch das richtige Datum zu den Einträgen. Konservativ, eigentlich. (fid)

Jetzt reicht's, News Gruppe! - Verwertungsketten und innere Medienfreiheit am Donaukanal


Jetzt reicht's, News-Gruppe!

Zugegeben, Reichensteuer ist natürlich ein Thema. Zugegeben, da drängen sich die reichsten Österreicher auf. Zugegeben, im "trend" sind die reichsten Österreicher seit Jahr und Tag Sommercover. Aber wenn man das aktuelle Wirtschaftsmagazin aus der Verlagsgruppe News noch auf dem Tisch hat, und daneben "News" zu liegen kommt, dann reichts auch wieder mit den Reichencovers.

Im ersten Moment wollte ich schon Herrn Voigt zum neuen Sparschachzug gratulieren, dass nun nicht nur die hauseigene "First"-Führung das Societyressort von "News" bestreitet, sondern der "trend" die Wirtschaftsredaktion der Wochenillustrierten. Aber nein: "News" bezieht Daten für sein Ranking zwar vom "trend", legte aber noch "Forbes" dazu und laut Anmerkungen auch eigene Recherchen.

Dietrich Mateschitz und Frank Stronach sind zum Beispiel in "News" um 300.000 und 500.000 Euro reicher als im "trend", dafür fehlt in der Wochenzeitschrift der vom "trend" berücksichtigte Alois Liechtenstein mit Familie. Ein Hochamt innerer Redaktionsfreiheit.

Das zeigt: Die Vorgaben des Kartellgerichts zur "Formil"-Fusion von 2001 hätte es da gar nicht gebraucht. Oder covert das damals zur Eigenständigkeit verpflichtete, eingemeindete "profil" deshalb bewusst ganz anders, vielleicht auch anders, als man es von Nachrichtenmagazinen einst erwartete, mit Tinitus, Scheidungen, besten Hausärzten und, immerhin, Zeitgeschichte?

Verlagsgruppeninterne Redaktionsfreiheit aber eben auch zum Reichen-Thema: "Feindbild Millionär" titelt der "trend", während "News" covert mit "Wer freiwillig mehr Steuern zahlt". "trend"-Chef Andreas Lampl fängt sein Cover im Leitartikel aber rasch wieder ein: "Reichtum ist keine Schande". Schande würde ich auch reichliche Reichen-Cover nicht nennen. (fid)

Weiter: Ösi-Bonus für deutsche Blätter - Die deutsche Media-Analyse zählt neuerdings Ausländer -  dazu ein fleischliches Sommermärchen und ein bisschen Medienjustiz


Ösi-Bonus für deutsche Blätter 

Die deutsche Media-Analyse zählt neuerdings Ausländer -  dazu ein fleischliches Sommermärchen und ein bisschen Medienjustiz

Deutschen Branchendiensten entnehme ich: Die Reichweiten der dortigen Blätter profitieren von einer neuen Erhebungsmethode der Media-Analyse. Konkret: erstmals wurden auch 5,7 Millionen deutschsprachige Ausländer berücksichtigt, die Leserzahlen steigen damit für viele Titel. Kann man also von einem Ösi-Bonus für deutsche Blätter schreiben?

Schön, dass unser kleines Bergvolk der großen deutschen Medienlandschaft wenigstens noch als Leser hilft. Die einst so starke Community österreichischer Medienmanager und -macher hat sich ja gegenüber ihrer Hochblüte ein wenig ausgedünnt, oder täuscht mich mein Blick? Immerhin, mit Gerhard Zeiler und Andreas Rudas führen RTL, Michael Grabner räumt wieder einmal bei den Holtzbrinck-Blättern auf. Aber mir scheint, da waren schon mehr am Werk.

*

Einer der journalistischen Exmedienlegionäre widmet sich ja schon seit geraumer Zeit zurück in Wien dem Fleischlichen. Genau, Markus Huber, und der beschert uns mit der etwas spät erschienenen Sommernummer seines schönsten Carnivorenmagazins der Welt eine Art Sommermärchen. "Fleisch" erscheint im Kleinformat als Buch statt als Magazin, mit konsequent durchgestrichenem Titel, und versucht, journalistische Beiträge (etwa von der parlamentsbegeisterten Kollegin Saskia Jungnikl) in eine belletristische Rahmenhandlung zu stellen. Lesen Sie selbst. 

*

Jetzt find ich keine Überleitung zum dritten (und, versprochen, letzten) Punkt: Gerätselt hab ich letzte Woche, ob das Justizministerium tatsächlich einen "News"-Kommentar des geschätzten Kollegen Kurt Kuch braucht, um einen Mitarbeiter wegen brauner Umtriebe auf Facebook vom Dienst zu suspendieren. Mittwochnachmittag erschien der Kommentar, Donnerstag meldete news.at, dass der Mann gegangen wurde.

Aber nicht nur Ösis helfen Deutschen gern, auch Journalisten dem Justizministerium. (fid)

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Ist der ORF nicht bei Trost?

Kleine urheberische Randbemerkung zur Dichand-Doku im ORF - und wie manche Qualität definieren, dann aber doch noch zeigen

Menschen & Mächte heißt die Dokuleiste, die Gerhard Jelinek leitet, und diese Woche auch befüllte. Passt schon ziemlich gut auf Hans Dichand, der diesen Donnerstag verstarb. Macht, mit der der "Alte" spielte. Erst, um sich ihrer zu versichern. Je später, je unverblümter - und  übermütiger.

Menscheln war ihm immer wichtig beim Blattmachen. Kinder, Tiere, Nackte fürs Gemüt unterschiedlicher Zielgruppen. Die gute Nachricht ist die bessere, hieß es lange in der "Krone", zwischen "Staberls" Antisemitismen und Schubhäftingsumkommensrechtfertigungen.

Ich schweife ab, aber das tat der alte Herr ja auch sein Leben lang. Zum Punkt:

Kann es sein, dass das Material zu dem ORF-Porträt zum nicht ganz unwesentlichen Teil aus einer alten Doku von "Krone"-Kolumnist Ernst Trost zu Dichands 75-er für den ORF stammt?

Gegenfrage: Haben Sie im Abspann den Namen des Autors dieser Bilder gesehen?

PS: Danke jedenfalls für die Erinnerung an Jo Kunz' Interview mit Hans Dichand, in dem der ehemalige Informationsdirektor des ORF den "Alten" mit Freundlichkeit und Ehrerbietung unter anderem zur Aussage über seine Wahrnehmung von Hitlers Besuch in Graz (vgl "Volkserhebung") brachte: "Ich habe das nicht ganz negativ gesehen." Sollte meine Interviewtechnik überdenken.

PPS: Danke für die Erinnerung an den Sager: "Gott ist mit den Naiven" für die Gründung der "Krone", anfangs mit Dichands Abfertigung von 90.000 Schilling (wer die Währung noch kennt). Und für Dichands Erklärung, dass er bei allen Leuten, "von denen ich annahm, sie hätten Geld", hausieren ging für sein Projekt.

PPPS: Danke für die kurze Erinnerung, wie sich ein maßgeblicher Motor des "Krone"-Erfolgs ausnahm: Kurt Falk. Dessen Kaltblütigkeit erstritt zum Beispiel (dem vor Gericht verständlicherweise zitternden) Dichand 50 Prozent des größten Kleinformats, die er nun vererbt.

PPPPS: Schön auch das Bild vom 1974 gegen Falk (und damit für Dichand) streikenden Hans Mahr (kam vom "Express", redete prägnant wie heute). Seit Donnerstag eine tragende Rolle bei der Trauer um Dichand. Mal sehen, wie sich das noch entwickelt.

PPPPPS: In der Doku sagt Dichand, er habe Falk 1986 vorgeschlagen, einander wechselseitig ein paar Monate Zeit zu geben, die "Krone"-Anteile des anderen zu übernehmen. Falk sagte das Gegenteil (wie fast immer). Glaube da eher Falk.

PPPPPPS: "Sehr gute Partner" nennt Dichand in der Doku die WAZ. Der Befund änderte sich dann recht gründlich.

PPPPPPPS: Danke noch für den Tipp von tvthek.orf.at für "ähnliche Sendungen": "Universum - der wilde Kaukausus"

PPPPPPPPS: Jetzt noch auf der tvthek den "Runden Tisch" nachgesehen und muss die Überzeugung Paul Lendvais ein wenig relativieren (viele ORF-Anmoderationen indes lagen richtig). "Nicht eine der größten Zeitungen der Welt, sondern die größte Zeitung pro Kopf der Bevölkerung" habe Dichand gemacht, widersprach Lendvai Ingrid Thurnher am Donnerstagabend, als ob die Moderatorin völlig neben der Kappe sablatert hätte. Kleiner Hinweis: Das "Luxemburger Wort" erreicht seit Jahren mehr Menschen "pro Kopf der Bevölkerung" als die Krone, wiewohl beide verlieren. Reichweite Luxemburger Wort , letztgegoogelter Stand Juli 2009: 43,2 Prozent der Bevölkerung Luxemburgs lesen das Blatt. Media-Analyse 08/09, ebenfalls im Sommer 2009 veröffentlicht: 41,3 Prozent für die "Krone".  

PPPPPPPPPS: Dass Hans Dichand "der beste Journalist des Landes" war, wie Lendvai sagte, lässt uns ein bisschen über Lendvais Definition von Qualität meditieren. Aber: Er erinnert auch an die "Schattenseiten" des Verstorbenen.

PPPPPPPPPPS: Hat noch jemand den Überblick über die "Posts" in diesem "Scriptum", also nicht der Postings, sondern der Ps vor dem S am Beginn der letzten Absätze

PPPPPPPPPPPS: Auch am "Runden Tisch" ausgesprochen erfreulich am Punkt: Michael Grabner. Nein, ich will ihm nicht schaden - nützen kann ich ihm ohnehin nicht. Hat er eh nicht nötig.

PPPPPPPPPPPPS: Nominiere Hans Mahr für den Best Diskussionsteilnehmer in a Mourning Role. Hier völlig unpassend, aber wo kann ich endlich meinen Kalauer "best actor in a bleeding role" unterbringen?

PPPPPPPPPPPPPS: "Kehren Sie zurück zur Krone?", fragte Lendvai Mahr. "Ich bin in Deutschland und hab das weder vor, noch werd ich gerufen werden", sagt Mahr. "Sie haben gesprochen, als wenn Sie das schon in der Tasche hätten", erklärt Lendvai seine Frage. In den Verträgen mit der WAZ steht, dass die Erben einen Sprecher bestimmen sollen. Daran erinnerte sich mancher bei Mahrs Auftritt.

PPPPPPPPPPP-----S: Sorry, bisschen spät dran mit dem Nachsehen der Sendungen. Besser spät als nie, oder? Praktisch ein Liveblog ohne live.

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Fellner, Strache und das Fleisch

Zufälle gibt's, man glaubt es nicht:

1. Für seine Frühlingsausgabe notierte Markus Hubers Magazin "Fleisch" die Turteleien von H.C. Strache mit Sissy aus Graz mit.
2. Die acht Seiten Coverstory erschienen im Mai, erst auf der achten löst "Fleisch" auf, wer da flirtet.
3. Vergangenen Freitag rief eine Redaktionskraft von "Österreich" bei "Fleisch" an und bat um Zusendung der Frühlingsausgabe.
4. Sonntag enthüllte "Österreich", was H.C. seiner Sissy so schrieb. Ohne "Fleisch" als Quelle zu nennen.
5. Seit "Fleisch" erschien, sind die Konversationen nicht mehr öffentlich zugänglich.
6. "Österreich" bezahlte den Fahrradboten von "Fleisch" in den Akademiehof. Immerhin. (fid)

PS: Blattsalat zur "Österreich"-Variante

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Ich bin Public Value!

Fidler schaffte es in den einschlägigen ORF-Bericht

Jetzt hab ich's schwarz auf weiß: Ich habe den öffentlich-rechtlichen Mehrwert des ORF 2009/10 unterstützt. Der soeben veröffentlichte Public-Value-Bericht beweist das.

Das Grazer Festival "Elevate" verbindet Party mit Debatte, und zu zweitgenannter haben mich die Veranstalter im November eingeladen. Drei Seiten widmet das Kompetenzzentrum für Public Value im Jahresbericht der ganzen Veranstaltung. Denn: Der ORF berichtete von dem Festival ("ein Stimmungsbild", steht im Bericht). Zum Beispiel mit einem FM4-Interview mit Pulitzer-Preisträger David Barstow, steht da. In der "Kleinen Zeitung" gab's auch eine Doppelseite mit Barstow. Ganz ohne Rundfunkgebühren.

Zum Punkt: Auf der dritten "Elevate"-Seite im Public-Value-Bericht, links unten, ist ein Foto von mir beim Elevate. Soll noch einer behaupten, ich trage nichts zum öffentlich-rechtlichen Mehrwert bei. Übrigens auch gebührenfrei. (fid) 

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PR lieber ohne klassische Medien

Lange schon rätsle ich, warum der Public Relations Verband Austria, dessen Mitglieder sich jedenfalls auch damit auseinandersetzen, ihre Kunden möglichst gut in Medien zu platzieren, seine jährliche Fachtagung um 14 Uhr beginnen lässt. Merke: Die dafür am ehesten zuständigen Medienseiten, jedenfalls die meisten von ihnen, haben zwischen 14.30 und dem späteren Nachmittag Redaktionsschluss.

Freundlicherweise löst der PRVA das Rätsel mit dem Generalmotto seines diesjährigen PR-Tags (8. Juni, 14 Uhr, Meidling): "PR ohne klassische Medien?". Genau - aber wozu das Fragezeichen? (fid)

Weiter: Faymann und Pröll vereint für Ströbitzer


Faymann und Pröll vereint für Ströbitzer

Aber - vorerst - nicht, was Sie gerade dachten, liebe ORF-Gemeinde: Hier geht's noch nicht um Führungsjobs im Gebührenfunk

"Es ist schon etwas ganz Besonderes, wenn der Landeshauptmann von Niederösterreich in Wien im Bundeskanzleramt zu Wort kommen darf": Also sprach Erwin Pröll Donnerstag am Ballhausplatz (erst ein paar Tage davor passte der Scherz in der Hofburg gleich gegenüber noch besser). Aber zugegeben, es ist schon etwas Besonderes, wenn sich Werner Faymann (SPÖ) und Erwin Pröll (ÖVP Niederösterreich) auf einen Mann einigen können. Der Mann heißt Ströbitzer.

Reflexartig denkt die ORF-Gemeinde jetzt vielleicht an Stefan Ströbitzer, den stellvertretenden ORF-Chefredakteur fürs Fernsehen und Chef der "ZiB 1". Die Gemeinde erinnert sich vielleicht auch daran, dass man Ströbitzer einige Ambitionen (und relativ gute Chancen) auf höhere Weihen nachsagt. Sie denkt vielleicht an die guten persönlichen Kontakte, die man dem Mann aus Niederösterreich zu Medienstaatssekretär Josef Ostermayer nachsagt, womöglich ja auch zu dessen älterem Zwilling Werner Faymann.

Nein, liebe ORF-Gemeinde, nur nichts überstürzen: Faymann und Pröll der Ältere würdigten Donnerstag Hans Ströbitzer. Der langjährige Chefredakteur der "Niederösterreichischen Nachrichten", der Bücher etwa über die Altlandeshauptmänner Andreas Maurer und Siegfried Ludwig, über die christliche Gewerkschaftsbewegung und - demnächst präsentiert - über die 350jährige Geschichte von Maria Taferl geschrieben hat, erhielt von Faymann das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse. Hans Ströbitzer ist übrigens Stefan Ströbitzers Vater.

Vielleicht wollten Faymann und Pröll einmal vorsichtig für den ORF üben. Wird noch interessant, was Pröll der Jüngere zum jüngeren Ströbitzer sagt. (fid)

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Milchmedienrechnung: Wrabetz kupfert bei Fellner

"Der ORF ist nicht mehr Marktführer": Was bei Formil durchging, ist dem ORF-Chef vor dem Verfassungsausschuss nur recht

Der ORF misst nicht nur beim öffentlich-rechtlichen Mehrwert mit zweierlei Maß (mehr dazu auf der nächsten Seite), sondern auch bei der Werbung - der eigenen nämlich und jener der Konkurrenz. "Wir sind nicht mehr Marktführer", sagte ORF-General Alexander Wrabetz, und meinte die Werbung. Er hat für Marktführer eine originelle Definition, zeigt die Begründung: Alle privaten TV-Sender gemeinsam schafften mehr Werbevolumen als der ORF alleine.

Wrabetz lieferte auch Zahlen dazu: Das ORF-Fernsehen schaffe nur noch 140 Millionen Euro Werbeumsatz, die Privaten (gemeinsam, klar) lägen bei mehr als 300 Millionen. Solche Berechnungsmethoden kannten wir bisher nur aus den Rechenkunststücken der Brüder Fellner und ihrer fusionswilligen Gegenüber vom Kurier bei der Formil-Fusion von 2001. Wrabetz vergleicht hier das Bruttowerbevolumen bei den Privaten, also ohne Abzug von (ansehnlichen) Rabatten 2009 zusammen rund 333 Millionen Euro, mit den Nettowerbeeinnahmen des ORF - rund 140 Millionen. Die Bruttowerbestatistik von Focus attestiert dem ORF 2009 rund 295 Millionen Euro. 

Wahrscheinlich stört das Österreichs Medienpolitik nicht weiter. Formil ging ja auch relativ glatt durch - gegen jede kartellrechtliche Logik. (fid)

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ORF misst Mehrwert mit zweierlei Maß

Wieder was gelernt: Der Public-Value-Beauftragte des Küniglbergs ist nicht zuständig für den Bericht über den öffentlich-rechtlichen Auftrag an den Nationalrat

Ich muss mich schon wieder entschuldigen: Ich habe vorige Woche behauptet, der vom Gesetz vorgeschriebene Jahresbericht des ORF an den Nationalrat, wie die Anstalt ihren öffentlich-rechtlichen Auftrag erfüllt hat, stamme von der Stabsstelle für Public Value im ORF. Wie konnte ich nur auf diese Idee kommen?

Klaus Unterberger, der oberste ORF-Beauftragte für Public Value, klärte mich umgehend auf: "Wie du ja sicher weißt" sind er und seine Mitarbeiter "nicht für den Jahresbericht zuständig". Leider wusste ich das nicht, sonst hätte ich das ja nicht geschrieben. Aber mir erschien relativ logisch: Wenn der ORF schon einen Mann eigens für "Public Value" abstellt, und wenn man Public Value mit öffentlich(-rechtlich)em Wert oder gar Mehrwert übersetzen kann, dann wird wohl der Public-Value-Mann auch für den Jahresbericht über den öffentlich-rechtlichen Auftrag zuständig sein. Man sollte sich dem Küniglberg nicht ungeprüft mit Logik nähern, scheint mir - und bestätigt einen lange gehegten, aber oft verdrängten Verdacht.

Unterberger arbeitet hingegen gerade an einem eigenen neuen „Public Value Bericht" - im ersten, ziemlich bunten Band erklärten Dutzende, meist prominente ORF-Mitarbeiter, was sie unter Public Value verstehen. Nun könnte man sagen, das sollte man ohnehin am Programm merken. Aber da sich diese Absicht nicht immer so eindeutig niederschlägt, ist es schon sehr verdienstvoll, wenn man sie nachlesen kann.

Dieser zweite Bericht Unterbergers soll auch online zur Verfügung stehen. Im Gegensatz zum sehr detaillierten, eigentlich auch ziemlich aufschlussreichen Bericht an den Nationalrat - aber die wesentlichsten Punkte aus dem Bericht können Sie ja bei derStandard.at/Etat nachlesen mit einem Klick hier.

Ein bisschen klingt Unterbergers Hinweis auf seine Zuständigkeiten, als könnte er sich nicht so leicht mit dem Jahresbericht an den Nationalrat identifizieren. Das würde ich einsehen: "Harry's liabste Hüttn", "Adventzeit mit Harry Prünster" und "Frühlingszeit" als Beiträge zur gewichtig klingenden Kategorie "Current Affairs, Politik, Magazine, Diskussion" sind doch etwas gewagt einsortiert. "Dr. House", "Millionenshow" und Champions League als Nachweise für "anspruchsvolle" Sendungen, die den ORF von Privaten unterscheiden, sind zumindest ebenso mutig gewählt.

Da kann nicht überraschen, wenn einer nicht als Urheber solcher Berichte aufscheinen will, in dessen Signatur Public Value Kompetenzzentrum steht. Womit ich gleich auch meinen Fehler korrigiert habe, aus dem Kompetenzzentrum eine Stabsstelle zu machen. Sorry auch dafür! (Harald Fidler)

Weiter: "Und wenn es hoch kommt, ist es ein Genusst"


 

Hochgenuss, wenn's hoch kommt - Schön, dass die Stilblüte auch die "Süddeutsche" streift

"Normalerweise mundet ein Gericht, und wenn es hoch kommt, ist es ein Genuss. Ein Hochgenuss vielleicht sogar, doch dann ist Schluss."  Das "Streiflicht" der "Süddeutschen Zeitung" würdigt am Mittwoch die Freuden des Wiederkäuens.  

Und gleich noch ein schönes Zitat aus derselben SZ-Ausgabe, nach dem wir uns zu fragen beginnen, mit welchen Menschen die Wirtschaftsredaktion der "Süddeutschen" gemeinhin zu tun haben:



PS: Ich weiß, grad ich hab's nötig, mich über anderer Journalisten Sprache lustig zu machen. Sagt man so: Mit vollen Hosen ist leicht stinken? (fid)

Weiter: That's Life: Wem Dichand hilft, den prügelt Fellner


That's Life: Wem Dichand hilft, den prügelt Fellner

Gery Keszler lernte über Reiz und Reaktion auf dem Boulevard. Ein Fotoroman zum Life Ball 2010:

"Kronen Zeitung", Seite 34 und 35, 25. März 2010

"Österreich", Seite 32 und 33, 25. März 2010

Weiter: "Betroffene Journalisten werden kostenlos entschnarcht"


"Betroffene Journalisten werden kostenlos entschnarcht"

Erinnern Sie sich? "Macht Journalismus Angst?", fragte der ORF vorige Woche an der Wiener Journalismus-FH. (Wer sich nicht erinnert, blättert einfach um.) Die Podiumsdiskussion kam eine Woche zu früh: Der Hamburger Jahreszeiten-Verlag zeigt gerade, wo man sich wirklich fürchten kann. Wie Medien auf die Krise reagieren nämlich: Der Verlag von "Merian", "Petra" & Co. hat angekündigt, er entlässt alle 70 Journalisten, die keine leitende Funktion haben.

Angestellt bleiben nur "Blattmacherteams" von Chefredakteur, Artdirektor, Ressorleitern, dazu inkonsequenterweise noch ein paar Stellvertreter der Ressortchefs. Andererseits: Wieviele Journalisten hat zum Beispiel der "Wiener" noch? Wir tippen grob auf vier. Wieviele davon angestellt sind, vermögen wir uns allerdings nicht auszumalen.

Nun war die innere Pressefreiheit bei "Petra" vielleicht nicht immer so ein großes Thema, aber der Schutz vor Kündigung auf eins, zwei und andere Privilegien von Journalisten (jedenfalls in Österreich) haben mutmaßlich schon ihren Sinn über reine Annehmlichkeiten für die Damen und Herren Redakteure hinaus.

A propos: Der Österreichische Journalisten-Club ÖJC verwöhnt seine Mitglieder gerne mit besonderen Vorteilen, die gewiss durchwegs der Pressefreiheit dienen. Donnerstag aber tut er auch etwas für die Qualität der heimischen Medien.

Der Club stellt, gegen Entgelt, der "Initiative Gesunder Schlaf" seine Clubräume in der Wiener Blutgasse für ein Pressefrühstück zur Verfügung. Die Initiative hat folgendes Angebot: "Betroffene Journalisten werden kostenlos ,entschnarcht'". Das können wir dem einen oder anderen heimischen Medium nur ans Herz legen.

Vielleicht sollt' ich auch in der Blutgasse vorbeischauen. Kann den "Randerscheinungen" eigentlich nur gut tun.

PS: Demnächst will sich ÖJC dann selbst mit einer Aktion in der Innenstadt auf den gemeinhin eher üblen Gesundheitszustand von Journalisten hinweisen. Das geht aber dann weit übers Schnarchen hinaus, höre ich. (fid)

Weiter: Was Markus Breitenecker Angst bereitet


Was Markus Breitenecker Angst bereitet

Womit der Pulsschwärmer wirklich Quote macht – und wo Armin Thurnher nicht ganz richtig sieht: Die "Randerscheinungen" decken knallhart auf.

Macht Journalismus Angst? Ja, vor allem mir, wenn er bedeutet, dass täglich ein bis zwei Podiumsdiskussionen pro Abend anstehen wie diese Woche. Wie Mittwochabend das „Dialogforum Qualitätsjournalismus", veranstaltet vom ORF, an der Wiener Journalismus-FH.

Ich hätte ja nie gedacht, dass sich bei mir Mitgefühl meldet mit Markus Breitenecker. Selber schuld, wenn er sich auf ein Podium setzt mit vier ORF-Leuten - Waltraud Langer, Elisabeth Vogl als Moderatorin, Bettina Roither und Peter Vitouch, sowie FH-Institutsleiter Reinhard Christl. Stimmt, selbst schuld. Zurück zur Angst.

"Fürchten Sie sich nicht zu Tode"

Über die lernte ich viel: Der Geschäftsführer von Puls 4 und ProSiebenSat.1 Österreich ärgerte sich sich so lange über die kommerzielle Programmierung von ORF 1 mit Gebührengeld, dass die Infochefin von ORF 1 vermutete: „Sie reden soviel über ORF 1, dass ich den Eindruck habe, Sie fürchten sich vor ORF 1." Touché: „Das stimmt", bestätigte Breitenecker.

Bei Breitenecker sah sich auch der Medienpsychologe gefordert: „Es tut Ihnen niemand was. Fürchten Sie sich nicht zu Tode, reden Sie gleichberechtigt kompetent mit. Und nicht nur darüber, dass der ORF zuviele Gebühren bekommt." Das hätte Vitouch bestimmt auch zwei Tage zuvor gesagt. Bevor er am Dienstag offiziell Mitglied des ORF-Publikumsrats von des Kanzlers Gnaden geworden war.

Breiteneckers kleine Farm

Quote macht Breitenecker übrigens nicht mit Angst, sagt er. Auch wenn seine Nachrichten laut Programmanalyse weit mehr „Angstthemen" haben als alle anderen größeren österreichischen und deutschen Sender, öffentlich-rechtlich wie privat.

Womit macht Puls 4 also Quote? Mit „Unsere kleine Farm", sagt Breitenecker. Und mit (Achtung, neu, Werbeverdacht) „Pink", einem Societymagazin. Wobei,ergänzt er dazu gleich: „Man könnte sagen: auch ein Angstthema." Davon wissen ORF und Dominic Heinzl auch gerade ein garstig Lied zu singen, aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Fehlt eigentlich nur noch ein versöhnlicher Schluss. Den verdanken wir Waltraud Langer, der ORF-1-Infochefin. Dem Publikum gelte es zu vermitteln: „Ich muss mich nicht grundsätzlich vor Käse fürchten." Da meinte sie aber nicht die Podiumsdiskussion an der FH, sondern die Listerien im den Quargeln.

Aber das war jetzt wieder perfid: So uninteressant war die Debatte auch wieder nicht.

Balkonmuppet

Perfid passt ja auch ganz gut zu meinem Auftritt als Balkonmuppet (Waldorf oder Statler?) bei "ATV Am Punkt" vorige Woche, genau, der mit den Kraftausdrücken. Man kann natürlich meinen Eindruck aus der Diskussion, Hans-Peter Martin störe an der "Krone"-Wahlempfehlung für Barbara Rosenkranz vor allem der Umstand, dass die Empfehlung nicht ihm galt, als "Untergriff" werten, wie das Armin Thurnher diese Woche im "Falter" tut.

Aber dass laut Thurnher "soweit ich sehe" "nur die Presse" den Auslöser für Martins Groll "korrekt berichtete", kann ich so nicht stehen lassen und empfehle einen zweiten Blick hierher.

Thurnher ging übrigens bei der Diskussion nicht weiter darauf ein, wie ich begründete, dass er und Heide Schmidt Hans Dichands Wirken als Kampagnero zu ernst nehmen (nämlich meine Vermutung, dass hinter EU-Demos und nun Rosenkranz jedenfalls keine sonderlich ausgeklügelte Strategie stecken kann). Er hörte nur eine Verharmlosung des "Krone"-Königs, die ihn an Verharmlosungen von Kampfhund-Herrchen erinnerte. Wenn ich mich recht erinnere. Ersparen Sie mir das Nachsehen der Sendung. Sehenswert war sie nun wirklich nicht - weder vor meinem Muppet-Auftritt, noch danach. (fid)

Weiter: Faymann ruft zu Spenden auf


Faymann ruft zu Spenden auf

Kanzler sucht nach Hilfsprojekt für sein Kanzlerfest und seinen Fünfziger - ein paar andere mediale Hilfsprojekte hat er ja schon länger

Gesehen in der Sonntags-"Krone", Nadia Weiss und Kanzler Werner Faymann:

"Krone": Herr Bundeskanzler, man hört, Sie werden beim Kanzlerfest Anfang Juni auch Ihren 50er feiern. Was wünschen Sie sich?

Faymann: Sachgeschenke sind mir nicht wichtig, und auch bei Feierlichkeiten ist es eigentlich so, dass ich ein gemütliches Beisammensein mit wenigen Freunden und Familie dem großen Trubel vorziehe. Ich wünsche mir, dass für ein Hilfsprojekt gespendet wird, das ich noch auswählen werde.

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Wenn Faymann noch sucht, handelt sich vermutlich nicht um seine bisher wichtigsten medialen Hilfsprojekte als Wiener Stadtrat, Infrastrukturminister, Bundeskanzler - also "Krone", "Heute" und "Österreich". Aber warten wir das Kanzlerfest ab. (fid)

Weiter: "Österreich muss leiser werden"


"Österreich muss leiser werden", titelt Sebastian Loudon sein langes wie lesenswertes Interview mit den "Österreich"-Machern Wolfgang und Niki Fellner, Vater und Sohn. "Die Zeitung muss leiser werden", sagt Niki da, und Wolfgang bestätigt, es handelt sich ja um ein Fachblatt für Werber und Marketer: "Wir wollen die Lautstärke, die Zuspitzung der Zeitung, zurückfahren." Hat Wolfgang Fellner nicht vor dem Start eine Zeitung von Qualität angekündigt? Qualität ist ein dehnbarer Begriff.

Loudon hat das Interview am 8. Februar geführt. Drei Wochen Zeit hätten die Fellners schon gehabt, am Regler zu drehen. Sie tun das offenbar sehr, sehr langsam: "Todes-Sprung im Bundesheer" stand Mittwoch unten, aber nicht gerade dezent auf Seite 1, oben etwa in Niederösterreich "Häftling trinkt sich ins Koma", aber das tat der Mann womöglich still.

"Es geht auch nicht so sehr darum, die Lautstärke auf der Titelseite zurückzufahren", räumt Niki eine Spalte weiter ein: "Ich hätte gerne, dass wir die Zeitung innen ein bisschen beruhigen. Das gelang in der Mittwochausgabe nur sehr bedingt: "Regierung will uns alle nackt sehen", steht über den Seiten 2 und 3, daneben Faymann und Pröll hinter Röntgengeräte fotomontiert. "Saustall Hypo: 10 Millionen für Pleite-Chefs" auf Seite 6 nähert sich dem deklarierten Ziel auch nur sehr gemächlich. Geradezu sachlich hingegen: "Soldat stirbt bei Fallschirmsprung".

Aber Wolfgang Fellner sagt ja selbst im "Bestseller": "Oft wird man von dem einen oder anderen Info-Tsunami mitgerissen und dann wird es wieder zu laut."

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Wolfgang Fellner sagt in dem Interview über seine Rollenvorstellungen für seinen älteren Sohn: "Mein Wunsch, den Niki stärker in die Rolle meines Bruders zu bringen, indem ich ihn nach St. Gallen und nicht ans Wiener Publizistikinstitut schicke, ist insofern leicht gescheitert, als er trotzdem zum Kreativen, zum Marketing und zum Journalismus tendiert." (Merke die Reihenfolge: Wenns ums Kreative geht, kommt Marketing vor Journalismus). Niki sagt, dass er "bei einer späteren Aufgabenteilung mit meiner Schwester Jenny den kaufmännischen Part übernehmen müsste, und das auch gerne tun werde". Und: "Was mir sicher noch fehlt, ist der ganze Bereich des Anzeigenverkaufs..."

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Wolfgang Fellner sagt in dem Interview auch, dass er vorerst "in die Richtung" seines kaufmännischen Bruders Helmuth "begebe": "Ich merk' mir Zahlen, kann eine Budget lesen und verstehe, was ein Break-even ist." Vom Break-even verschiedenster Projekte gesprochen hat Wolfgang Fellner spätestens seit Frühjahr 1993, ein halbes Jahr nach dem "News"-Start (Oktober 1992). Und seither nicht gerade selten.

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"Wir haben die Druckauflage gesamt von 300.000 auf 500.000 gesteigert", sagt Wolfgang Fellner noch in dem Interview. Das erinnert mich an etwas: Am 25. und 26. August 2009 kündigte er (unter anderem) im Blatt an: "Österreich erhöht seine Auflage auf 506.500" und das "ab 1. September jeden Donnerstag und Freitag". Die Österreichische Auflagenkontrolle (ÖAK) wies ihm für das 2. Halbjahr im Schnitt für Donnerstag 388.429 Exemplare und für Freitag im Schnitt 433.667 Exemplare aus. Aber gut, da waren noch Juli und August 2009 eingerechnet. Und die Ankündigung nannte ja nur das Beginndatum - aber nicht, bis wann sie gilt.

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Das bringt mich noch auf die Ankündigung der Montag-bis-Donnerstag-Gratisabos, die mich, wie geschrieben, an internationale Gratiszeitungsmodelle mit Gratishauszustellung erinnerte, nachzulesen hier. Auch da vermisste ich ein Ablaufdatum des Angebots. Fellner ordnete das tags darauf in der APA ein: Keineswegs sei das ein neues Geschäftsmodell, seine Gratisabos würden auch nicht länger dauern als jene für STANDARD oder "Kurier". Und doch sei die Nicht-Befristung "der Witz der Geschichte". Man gehe eben nicht her und beschränke das Abo von vorneherein auf zwei bis drei Wochen. Länger als andere Zeitungen will er das Test-Abo nicht machen, sagte er der APA. " Im Schnitt sind das vier Wochen." Hauptsache, erst einmal laut ankündigen. 

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Das "Bestseller"-Interview endet übrigens mit: "Du Niki, machen wir noch schnell eine Marketingsitzung?" Damit's dort nicht zu leise wird. (fid)

Weiter: Fidler entschuldigt sich


Ab 1. März, das hat Dominic Heinzl in "Österreich" versprochen, jedenfalls hab ich's dort gelesen, wird es bei Heinzl keinen Lugner mehr geben, kein Katzi, nach meiner Erinnerung auch kein Mausi, aber da bin ich nicht mehr so sicher. Das erinnert mich daran, dass ich mich längst schon entschuldigen wollte bei Heinzl.

Schaufenster der "Presse"

Aber erst muss ich mich einen anderen Kollegen um Verzeihung bitten: Florian Asamer ist offenbar wenig erfreut über den Titel dieser nebensächlichen Kolume. Er schreibt: "Zugegeben. Man kann sich bei der so lebendigen heimischen Presselandschaft selbst als gestandener Medienredakteur nur schwer einen ungefähren Überblick verschaffen. Geschweige denn den Namen jeder dahergelaufenen Kolumne kennen. Deshalb nur zur Info: http://diepresse.com/schaufenster (erscheint übrigens nun schon seit sechs Jahren Woche für Woche im Schaufenster der "Presse")."

Nun kenne ich natürlich das "Schaufenster" der "Presse" aus eigener Anschauung, und habe auch die dortige Randerscheinung wahrgenommen, keine Frage, und stehe nicht an, dazu zu gratulieren. Ich habe nur absolut nicht an jene Randerscheinung gedacht, als diese Onlinekolumne einen Namen brauchte. Wir hätten natürlich auch den alten etat-Kolumnentitel "perfid" reaktivieren können (vielleicht will Asamer zuschlagen?). Aber das klingt einfach zu gemein für diese sonnige Rubrik.

Kurzum: Ich entschuldige mich dafür, nicht daran gedacht zu haben, aber selbst wenn ich daran gedacht hätte, hätte ich wohl denselben Namen gewählt. Und es freut mich natürlich, dass Autoren des schicken "Schaufensters" ab und zu bei kleinen, dreckigen Medienkolumnen vorbeischauen. Ich hoffe, nicht nur, um sich über deren Namensverwandtschaft zu ärgern.

Bei Heinzl aus der Haut fahren

Damit wären wir auch elegant wieder bei Heinzl gelandet: Vielleicht haben Sie wahrgenommen (wie Asamer diese Kolumne), dass ich vor ein paar Tagen Chili-bedingt richtig in Saft gegangen bin. Nein? Da schreibt man einmal im halben Jahr ein Ausderhautfahrtvtagebuch - und Sie ignorieren das einfach? Wenn Sie wollen - hier wäre es zu finden. Heinzl hat es offenbar gelesen. Ihm galt es ja auch.

Ich unterstrich dort, dass Heinzls Society-Zugang durchaus öffentlich-rechtlich sein kann, fragte aber, was an dieser Entgleisung öffentlich-rechtlich sein sollte: Heinzl fragte in Chili eine junge, medienbekannte Frau - angeblich aufgrund von Hinweisen eines angeblichen Mitpatienten - nach ihrer angeblichen Therapie wegen Alkohol- und Tablettenmissbrauchs. Nachsatz: "Ehe solche Gerüchte die Runde machen, wollen wir sie hier thematisieren, um sie zu korrigieren."

Gebeten, das Thema abzuhandeln

Bei der Journalistengala (noch bevor der ORF-Chef auszuckte, als es wieder einmal um Chili ging - das finden Sie mit einmal umblättern) fragte mich Heinzl: Warum habe ich ihn nicht angerufen? Er hätte mir das erklärt. Und was? Die junge, medienbekannte Frau habe ihn darum gebeten, das Thema abzuhandeln, weil entsprechende Gerüchte kursierten. Im ersten Schreck - Warum habe ich einfach losgeschrieben, ohne den Beschriebenen zu fragen? - entschuldigte ich mich. Und kündigte an, ich würde das auch im Blatt tun.

Ich habe meine Ankündigung überschlafen, und schreibe das doch nicht im STANDARD, sondern hier. Nein, das liegt nicht daran, dass ich keinen Fehler im Blatt zugeben will - dafür haben wir eine wöchentliche, wirklich lesenswerte "Errata"-Kolumne, die aus meiner Sicht nur den klitzekleinen Schönheitsfehler hat, dass der Kolumnentitel"Fehler" vielleicht verständlicher wäre (aber natürlich auch härter).

Vor Blödheiten bewahren

Dass ich das Thema hier abhandle, liegt daran, dass ich Heinzl nicht noch eine im Blatt auflegen will für die Aktion. Spätestens beim zweiten Hinsehen finde ich nämlich: Selbst wenn mich diese junge, medienbekannte, aber nicht gerade mediensouveräne Frau darum bittet, dieses Thema öffentlich zu machen - man sollte zumindest versuchen, Menschen vor ihren eigenen Blödheiten zu bewahren,. Auch wenn sie diese für sehr gescheit halten.

Vielleicht wäre ich ja auch von diesem Kolumnentitel noch abzubringen gewesen. Aber die etat-Kolleginnen und -Kollegen versicherten mir glaubhaft, sie fänden ihn gut und passend. Sind offenbar nicht so die Schaufenster-Zielgruppe.

PS: Von wegen losgeschrieben, ohne anzurufen. Was schreibt Kelly McBride, immerhin Ethics Group Leader am nun wirklich renommierten US-Institut für Journalistenausbildung und die Ausbildung von Journalistenausbildnern? "Before you start to research, write." McBride sagt natürlich nicht, dass man diesen Text dann auch gleich ohne Recherche publizieren soll. Und sie schreibt das unter ein paar anderen Tipps, wie man (ungewollte) Plagiate vermeidet.

PPS: Heinzl hat seine "schwarze Liste" inzwischen auch anderswo veröffentlicht, zum Beispiel Freitag im "Kurier".

PPPS: Das sind, fürchte ich, nicht meine letzten Entschuldigungen. Für die nächsten entschuldige ich mich schon einmal unbekanntermaßen. Bleiben Sie dran.

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Wrabetz kocht über

"So ein ........... (Piiiep) ......... (Piep)", hätte ein US-Sender aus den Worten des ORF-Generals gemacht, mit denen er Donnerstagabend während der Lobrede von Markus Breitenecker aufsprang und den Saal verließ. Was hatte der Geschäftsführer des TV-Vermarkters Sevenonemedia Austria und des kleinen Konkurrenten Puls 4 dem Chef des größten Medienunternehmens im Land angetan?

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Breitenecker hatte da gerade von einer verkehrten Welt gesprochen: Der Manager kleiner Privatsender (die dem ORF überwiegend mit dem Programm großer deutscher Privatsender gar nicht so kleine Etats wegschnappen) hält bei der Verleihung der "Journalisten des Jahres" die Laudatio auf die Chefredakteure von durchwegs qualitativen Blättern. Und der Chef der (für Österreich) großen öffentlich-rechtlichen Anstalt lobt die Preisträger in der Kategorie Unterhaltung, allen voran seinen Neuzugang Dominic Heinzl, der da noch für sein Societywirken beim privaten Konkurrenten ATV ausgezeichnet wurde. Da kam der Moment mit dem erbost aufspringenden General und seinem ........... (Piiiep) ......... (Piep).

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Wohin stürzte der ORF-Chef? Zu seinem neuen Kaufmännischen Direktor Richard Grasl. Ein paar Minuten mit dem bürgerlichen Kollegen im Vorraum konnten ihn offenkundig beruhigen - in denen Breiteneckers Rede auch vorüberging. Längst hatte sich der General schon wieder gefasst, als ihn Minuten später ProSiebenSat.1 um ein TV-Interview bat. Warum er hinausgelaufen war, erklärte er dort so: Er musste etwas besprechen. Möglicherweise ging es um technische Möglichkeiten, auch live, ganz ohne Fernsehen, Kraftausdrücke auszublenden.

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DER STANDARD hatte schon im Vorfeld ORF-Journalisten zitiert, die nicht verstehen wollten, dass ihr Chef lieber Heinzl als seine Riege von Außenpolitikjournalisten, die diese Kategorie dominierten, loben wollte. Wrabetz erklärt das so: Seine Außenpolitiker habe er schon letztes Jahr bei dieser Veranstaltung gewürdigt. Und die zu lobende Kategorie habe ihn der "Journalist" nicht völlig frei aussuchen lassen, betont der ORF-General: Die Chefredakteure hätte er natürlich liebend gern gelobt. Doch er habe die Wahl zwischen Außenpolitik und Unterhaltung gehabt, und neben der Abwechslung fand er es originell, die Konkurrenz zu loben. Die Konkurrenz, die er mit einiger Heilserwartung inzwischen in den ORF geholt hat.

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Dieser Dominic Heinzl hatte übrigens Mittwoch 680.000 Zuschauer, berichtete Wrabetz stolz (er berichtete eigentlich von 650.000). Mit seinem "Chili Extra aus Vancouver". Direkt nach der Damenabfahrt mit im Schnitt 1,222 Millionen. Dass wir vom STANDARD auch immer meckern müssen. Das zeigt aber auch, wie der Sendeplatz die Musik macht. Zwischen Wetter und Hauptabend hätte vermutlich auch Heinzl den einen oder anderen Seher mehr, wie die "Seitenblicke". Demnächst müssen wir uns in einer anderen Sache bei Heinzl entschuldigen. Ehrlich. Bleiben Sie dran.

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Aber erst arbeiten wir die Explosionen des Donnerstagabends ab: "Datum"-Herausgeber (und Preisträger) Klaus Stimeder schimpfte von der Bühne über OMV-General (und Eventsponsor) Wolfgang Ruttenstorfer, der eingangs über Journalismus und Journalisten geredet hatte. Treibstoff für Explosionsmotoren ist Ruttenstorfers Geschäft. Wenn auch nicht so.

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Stimeder warf dem OMV-Chef wörtlich "Verlogenheit" vor (wovon wir uns hier distanzieren wollen). Als "Datum" weiland um Inserate vorstellig wurde, habe die Marketingabteilung des Mineralölkonzerns mit der Forderungen nach redaktionellen Inhalten verbunden. "Journalist"-Herausgeber Georg Taitl widersprach aus seiner Erfahrung: Der "Journalist" arbeite "seit 20 Jahren mit der OMV zusammen", und "nie" habe die Forderungen nach redaktionellem Content gestellt. Aufmerksame Zuhörer wollen in Ruttenstorfers Rede übrigens zwei eingebaute Werbe-Claims der OMV entdeckt haben. Placement wie diese muss man einem Eventsponsor schon zugestehen.

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Stimeder war damit nicht nur der grantigste Herausgeber des Abends (so viele waren nicht da). Der junge Mann ist mit großer Wahrscheinlichkeit auch Österreichs preiswertester Herausgeber: Der ansässige "Datum"-Herausgeber bezifferte sein monatliches Salär mit 1248 Euro - netto. In Berlin-Neukölln kommt man damit offenkundig ganz gut über die Runden.

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Unser Wort des Abends lieferte Robert Palfrader in seiner Laudatio auf die laut Jury besten Kolumnisten des Landes, wieder einmal angeführt von Rainer Nikowitz ("profil"). Dessen Herausgeber, also laut "Kaiser"-Darsteller der mit den komischen Anzügen und den Ferraris, sei "gelmanipuliert". Danke dafür!

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Aber was war nun eigentlich Wrabetz' ........... (Piiiep) ......... (Piep) des Abends? Sachdienliche Hinweise bitte an eines unserer Aufnahmestudios. Oder einfach posten. (fid)

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Zwei neue Coverboys für News

Was waren wir nicht gespannt auf das nächste News-Cover. Seit voriger Woche sind zwei weitere Kräfte des Montagsmagazins auch für die Seite 1 des Wochenmagazins zuständig.  News-Journalist David Pesendorfer und Christoph Bacher, der den "Magazin"-Teil leitet, also praktisch der neue Neuhold für Spezialthemen.

Das geschah auf Wunsch von Chefredakteur Atha Athanasiadis, sagt Athanasiadis auf Anfrage, und kam damit den "Randerscheinungen" zuvor, die jene wilde Version abfragen wollten, die vorige Woche an ihr Ohr gedrungen war: In einer internen Sitzung mit Verlagschef Oliver Voigt habe Athanasiadis die Hoheit über die Covergestaltung den beiden Kollegen abgeben müssen. 

Athanasiadis sagt: Manche Cover laufen besser, manche schlechter. Damit mehr davon besser laufen, weil ja ein Drittel der Auflage am Kiosk verkaufen soll, mögen sich jetzt mehr Leute in die Gestaltung einbringen. Und nicht Mittwoch, wenn das Heft schon fertig in der Redaktion liegt, erklären, was sie besser gemacht hätten. Und die nunmehrigen Coverboys Bacher und Pesendorfer im Besonderen sollen langfristige Coverthemen vorbereiten.

Bei News-Boss Voigt haben wir unsere Erstinfo auch noch abgefragt: "Völliger Blödsinn", versichert der.

Wir glauben natürlich allen Beteiligten aufs Wort und schließen: In der Verlagsgruppe News fliegen die Hackeln womöglich tiefer als auf dem Küniglberg. Keine Kunst ist das nur rein geodätisch, wenn es diese Wissenschaft vom Oberfläche der Erde auch adjektivisch gibt, soferne wiederum hier adjektivisch passt, da bin ich gerade etwas unsicher. Kurzum: nach der Höhe des ORF-Mugels in 1130 Wien und jenem der Taborstraße in unmittelbarer Kanalnähe.

Wo wir schon beim ORF sind: Athanasiadis meinte noch, DER STANDARD gehe derzeit so milde mit dem ORF um. Ist Ihnen das auch schon aufgefallen? Müssen wir uns sorgen? Sachdienliche Hinweise bitte an unsere Aufnahmestudios - oder einfach posten. (fid)

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Dichand und Fellner: Mann gegen Mann, Ständer um Ständer

Kaasgraben gegen Himmel, das ist Skurrilität: Der Boulevard rauft, wo sonst, auf der Straße - und das sehr persönlich

Um falsche Erwartungen gleich zu enttäuschen: Um jene Ständer geht es nicht, die Michael Fleischhacker einmal andeutete, um Wolfgang Fellners Marketingschlacht mit "Format" gegen "profil" pointiert zu beschreiben. "Wer den Längeren hat, zieht dennoch oft den Kürzeren", titelte der heutige "Presse"-Chefredakteur 1999 treffend, aber für das Medium einer katholischen Stiftung etwas ungewohnt, in der "Kleinen Zeitung". Auch hier geht es um Wolfgang Fellner, nun Herausgeber von "Österreich". Die Rede ist von Zeitungsständern.

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Tritt Wolfgang Fellner sonntags vor sein komfortables Eigenheim von Wien-Döbling, steht er vor der geballten Konkurrenz: Sechs Zeitungsständer, auch Selbstbedienungsständer, Zeitungstaschen oder SB-Hänger genannt, stellen sich ihm direkt vor dem Haus in der Himmelstraße in den Weg. Dreimal "Krone", dreimal "Kurier". Erst seit wenigen Wochen, sagen Döblinger Medienmenschen, ärgert die Mediaprint so den Herausforderer, manche vermuten: auf Geheiß von "Krone"-Chef Hans Dichand. Alle "Krone"-Kartons schauen Richtung Fellners Gartentor, die "Kurier"-Taschen von ihm weg.

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Einen Fellner ärgert die Konkurrenz nicht ungestraft. Das wissen wir spätestens, seit "profil" sich gegen "Format" mit Billigpreisen wehrte: "Wir werden schauen, wie wir antworten. Niemand kann so eine Aktion ungestraft durchführen. Wir werden mit Marketingaktivitäten reagieren." Vorige Woche wollen dieselben Medien-Döblinger beobachtet haben, wie plötzlich direkt vor Dichands Villa in der Kaasgrabengasse, kaum einen Steinwurf von Fellners Himmel, drei "Österreich"-Taschen hingen.

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Die "Randerscheinungen" rückten diesen Sonntag zum Lokalaugenschein nach Döbling aus, gen Himmel und in den Kaasgraben. Ergebnis: Vor Fellners Domizil hängen noch immer sechs - gut gefüllte - Taschen der Mediaprint (allfällige "Österreich"-Ständer sind uns in dem Abschnitt nicht aufgefallen). Zur Casa Dichand hingegen schaute freundlich eine - leere - "Krone"-Tasche, an ihren Rücken drückte sich - Logo trotzdem gut lesbar - ein "Österreich"-Hänger (gut gefüllt), am nächsten Pfahl der "Kurier".

 

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Das lässt uns mutmaßen: a) Haben sich unsere Mediendöblinger verschaut oder ging die Fantasie mit ihnen durch? Möglich, aber eher unwahrscheinlich. b) Hat Hans Dichand die deutlich längeren Beziehungen zur Stadt Wien spielen lassen? Schließlich muss jeder Ständer-Standort laut Vertriebsprofis behördlich genehmigt werden (das bestätigte sich für Fellner auch bei seinen SB-Boxen, auf Drängen von "Heute" viele, viele Male von der MA 48 abgeholt). c) War einfach nun die Mediaprint schneller und belegte vorbeugend zwei der drei Befestigungsringe gegenüber von Dichands Anwesen schneller? Bisschen unwahrscheinlich, dass sie dann den dritten Ring frei ließ.

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Sicher ist: Solange Medienmultis für solche Vertriebsspiele 2010 Zeit haben, kann es ihnen noch nicht so richtig schlecht gehen. Oder sie lenken sich mit kleinen Gemeinheiten von ihrer Lage ab. Man hat ja sonst wenig zum Lachen. (fid)

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Die Ball-Operette: Mit Uschi, ohne Christoph

Dass Uschi Fellner bei Dominic Heinzl im ORF die Opernballroben kommentieren kann, hat Alexander Wrabetz' Handy in den vergangenen Tagen ein paar Mal mehr klingeln lassen als üblich, und das mit eher unfreundlichem Unterton. Per SMS und Anruf protestierten oder zumindest rätselten Konkurrenten, warum just die "Österreich"-Mitherausgeberin so prominent im Gebührenfunk auftreten darf. Warum Uschi Fellner? "Sie ist eine Mode-Expertin", erklärt ORF-Sprecher Pius Strobl. Eine unbestritten langjährige, keine Frage. Vielleicht wollten ORF und/oder Heinzl ihr auch eine Freude zum Geburtstag machen. Wer gratulieren will: Freitag, 12. Februar. Das Jahr müssen Sie schon selbst erfragen oder - schwierig - raten.

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Der "Falter" vermutete einen Ausgleich für Auftritte des "Krone"-Briefschreibers Michael Jeannee, aber für dessen regelmäßige Rubrik bei Heinzl wie bei ATV reichte es im ORF bisher ohnehin nicht. Im Gegenteil: Nach Auskunft der Redaktion (ich seh's zu selten) tauchte Jeannée nicht wirklich auf in der Sendung. Noch nicht, schrieb "tv-media": Während Heinzls Olympia-Pause pilotiere der Chilist eine Kolumne für den Kronisten. Autor Martin Wurnitsch räumt ein, dass das Format ORF-intern sehr umstritten ist. Wir fragten uns dann nur: Wer fordert dann noch aller Kolumnen im ORF?

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Aber zurück zu Uschi Fellner. Wir könnten uns natürlich auch Gedanken machen darüber, dass Dominic Heinzl und sein Dauergast, "Extradienst"-Chef Christian W. Mucha, eine gemeinsame Loge beim Opernball haben (Mucha sagt, wenn alle kommen, die sich dorthin eingeladen haben, sind beide kurz nach Mitternacht pleite, aber das nur nebenbei). Mucha versteht sich nicht nur mit Heinzl blendend, sondern fast noch blendender mit Heinzls neuem Chef, ORF-General Alexander Wrabetz. Und Mucha hat nicht den schlechtesten Draht zu Fellner. Aber wozu herumvermuten, wenn es auch harte Zahlen gibt?

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Den ORF und Fellner verbindet jedenfalls längst die Focus-Werbestatistik. Der Küniglberg zählte auch 2009 zu den größten Inserenten von "Österreich", auf Rang fünf hinter dem Presse- und Informationsdienst der Stadt Wien und knapp vor den ÖBB (Fellner-Firmen, die ihr Schaltvolumen vervielfachten und zusammen weit größter Kunde sind, nicht mitgerechnet). Man kann also von einer gewissen Sympathie ausgehen.

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Die zeigte sich vergangenen Sonntag auch auf dem "Österreich"-Cover: "Wer regiert den Opernball?", fragte das Boulevardblatt. Zu sehen: Dominic Heinzl, Claudia Reiterer, Alfons Haider - aber weit und breit kein Thomas Gottschalk. Von dem haben Sie sicher auch schon gehört, das ist der große Blonde, der "Wetten, dass...?" moderiert, und heuer für ATV vom Opernball berichtet (soweit der ORF ihn lässt). Aber ATV ist Fellner schon länger nicht so richtig sympathisch, haben wir aus der Ferne beobachtet.

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A propos Konkurrenz: Eine Frau kommt Uschi Fellner in der Oper sicher nicht in die Quere. Eva Dichand, die "Heute"-Herausgeberin. Sie schwänzt heuer den Opernball und fährt, wenn wir uns da nicht verhört haben, für einige Tage nach Gstaadt. Aber sie hat sich garantiert bei Wrabetz beschwert über Frau Fellners Auftritt.

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Wenn Eva urlaubsbedingt westwärts zieht, tut das auch ihr Mann Christoph Dichand. Was in der Branche verwundert tuscheln lässt: Der alleinige Chefredakteur des Massenblatts "Kronen Zeitung" ist nicht dabei, wenn es das gesellschaftliche Großereignisse ins Blatt zu heben gilt. Aber die "Krone" hat ja ein altbewährtes Team, in Sachen Society gar eine jungbewährte Fachkraft. Wir können davon ausgehen, dass Wolfgang Fellner die große Oper in seinem Blatt wieder selbst orchestriert.

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Vielleicht hat das forsche Klingeln der Konkurrenz beim ORF-Chef aber geholfen: Nach Auskunft vom Küniglberg kommentiert auch Michaela Schwarz die Opernballroben im Gebührenfunk. Die ist Moderedakteurin der "Krone".

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Mit dem Grant der News-Gruppe - wo bleibt da Euke Frank, die "Woman"-Chefin? - kann der Küniglberg offenbar leben. Oder findet sich auch für sie noch ein Platz im ORF? 

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Will Euke Frank offenbar nicht. Sie ließ uns wissen: "Ich schau' mir die Groteske fussfrei von der Ferne an. Und by the way: die Aufregung kann ich nicht nachvollziehen. ,Woman' ist mit Barbara Beltram, Trend-Ressortchefin, dort wunderbar vertreten." Da sind wir nun aber wirklich beruhigt beruhigt. Im ORF hatte sich diese Kommentatorin noch nicht so herumgesprochen, als dieser kleine Beitrag online ging.

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Wurde auch für Beltram ordentlich geklingelt beim ORF-General? Frank versichert: Ich schwör's, von uns hat sich niemand aufgeregt oder geklingelt. Heinzl hat sich gemeldet und angefragt. Manchmal muss man halt nur am Ufer des Flusses sitzen ..." Das versucht diese kleine neue Kolumne von etat.at auch, in aller Ruhe, soweit halt möglich in unserem hektischen Job.

*

Und schon flog uns der nächste sachdienliche (?) Hinweis zu: Raten Sie einmal, was oe.24.at von Donnerstagmittag 12.49 Uhr bis weit in den Nachmittag hinein zu berichten wusste. Genau, die Kollegen sind wie gewohnt schneller als die Geschichte sich ereignen kann. "Es war wohl der nervenaufreibendste Opernball, den Richard Lugner (77) in rund 20 Jahren je erlebt hat", begann Daniela Bardels Schilderung, wie der Opernball so gelaufen ist - gut einen halben Tag, bevor er begonnen hatte. Und wie Dieter Bohlen angekommen war, bevor er landete: "Mit dem Linienflug AB 8330 aus Hamburg kam das Paar um 18.05 Uhr in Schwechat an, um direkt zur Autogrammstunde in die Lugner City (19 Uhr) zu eilen. Danach gings Richtung Hotel Hilton, wo die ehemalige Lohan-Suite längst bereit stand. Stilecht in der Limousine fuhr man anschließend zur Oper. Pikant: Intim-Feind Thomas Gottschalk reservierte dort ein Interview mit seinem schärfsten TV-Kontrahenten. Von soviel geballtem Testosteron (inklusive Lugner) blieben die Damen unbeeindruckt. Musste sich doch Lugners Tochter Jacqueline (16) auf ihr Opernball-Debüt mit Freund Helmut Werner konzentrieren. Cool brillierte sie in ihrer Robe." Online first, Ereignis later. 

*

Vor dem Problem stehen natürlich auch Printjournalisten: In der Abendausgabe der "Krone" etwa erklärt uns Karin Schnegdar (schon traditionell) auf zwei Seiten, wie heuer in der Oper gewalzt wurde. Christoph Dichand konnte also beruhigt Gstaad genießen. Wäre Fellner nicht doch wieder schneller gewesen. Online firster, quisi-quasi. (fid)

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Unabhängige sehen Schwarz

Die ewige Ungerechtigkeit in der ORF-Berichterstattung: Weil Journalisten so gern schwarz-weiß malen, in dem Fall eher schwarz-rot, werden ORF-Mitarbeiter, ORF-Führungskräfte und ORF-Aufsichtsräte rasch politischen Couleurs zugeordnet.

Manchmal nicht nur vorschnell, sondern falsch, wie es mir beim neuen TW1-Geschäftsführer Peter Schöber passiert ist, den ich mit etwas gewagten Interpretationen vom Küniglberg in die Nähe der ÖVP rückte. Schöber ist jedenfalls das nicht, manche ordnen ihn gar in rötere Gefilde. Sorry dafür!

Aufsichtsräte des ORF sind schon laut Gesetz unabhängig, Politiker sind (bis vier Jahre nach ihrer Funktionszeit) ausgeschlossen, ebenso Parteiangestellte, auch wenn Parteien, Landes- und Bundesregierung das Gros des Stiftungsrats besetzen wie gerade jetzt wieder.

Seltsamerweise wird nicht selten ziemlich klar entlang der (gar nicht existenten) Grenzen von Fraktionen abgestimmt und gewählt im Stiftungsrat, die dort, schon wegen der Unabhängigkeit, Freundeskreis heißen und nicht Fraktionen.

In den vergangenen Tagen meldeten sich zwei Herren beim STANDARD, denen dort nach ihrem Erleben Unrecht widerfuhr: Ich bezeichnete Gerhard Heilingbrunner (Umweltdachverband) als "Bürgerlichen", ja gar als VP-Kandidaten, was dieser entschieden zurückweist. Er sieht sich vielmehr als "Unabhängiger" - "so unabhängig man in Österreich halt sein kann".

Ebenso sieht sich Roland Siegrist, Publikumsrat der evangelischen Kirche, ungern schwarz unterlegt in unserer Grafik. Überhaupt, wo gleich neben ihm Franz Küberl von der katholischen Kirche als unabhängig auf reinem Weiß erscheint. Siegrist arbeitet Tag für Tag an einem "weißen Herzen" und vermutlich einer ebenso weißen Seele. Von der weißen Weste gehen wir ohnehin bis zum Beweis des Gegenteils bei jedem ORF-Aufsichtsrat aus. (fid)

Sorry für Tippfehler und womöglich im Nichts endende Sätze: Die Randerscheinungen entstehen als rasche Randnotiz. (fid)

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  • 19. August 2010
    foto: screenshot

    19. August 2010

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