Sumatra-Regenwald droht Kahlschlag

8. April 2003, 14:25
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Wichtigster Lebensraum der Elefanten in akuter Gefahr - WWF fordert Einrichtung eines Nationalparks

Frankfurt am Main - Legale und illegale Rodung bedrohen nach Angaben des World Wildlife Funds (WWF) den Bestand des weltweit artenreichsten Dschungels Tesso Nilo auf Sumatra. In Indonesien und damit auch in Tesso Nilo werde Regenwald schneller vernichtet als überall auf der Welt, erklärte WWF-Tropenwaldexperte Martin Geiger am Dienstag in Frankfurt.

Mit der Rodung des Waldes gehe auch der Lebensraum des Sumatra-Elefanten verloren. Um die Restbestände des Waldes zu schützen, fordert die Organisation, das Kerngebiet des Tesso Nilo zum Nationalpark zu erklären.

Wald enorm geschrumpft

Nach Angaben der Organisation schrumpfte der Wald, der den vom Aussterben bedrohten Elefanten und Sumatra-Tigern als ein wichtiges Rückzugsgebiet dient, seit 1985 um 62 Prozent. Auf Grund der Einschränkung ihres Lebensraumes wichen die Elefanten bei der Nahrungssuche immer mehr auf Plantagen und Siedlungen aus, so dass es immer wieder zu Zusammenstößen mit der Bevölkerung komme, betont Geiger. Die Folge sei, dass immer mehr Tiere auch vergiftet oder gefangen genommen würden.

Für Palmöl und Papier

Hauptgrund für den Kahlschlag seien in erster Linie die Rodungen für Palmöl und Papierindustrie, betont Geiger. Immer mehr Quadratkilometer des Regenwaldes wichen riesigen Plantagen. "Um den immensen Hunger nach billigem Holz, Papierzellstoff und Palmöl zu stillen, wird mit den Tesso-Nilo-Regenwäldern ein ökologisches Juwel durch den Schredder gejagt."

Aber auch europäische Unternehmen und Banken seien auf Grund von Geschäftsbeziehungen zu den Unternehmen an der Umweltzerstörung des Tropenwaldes mitbeteiligt, betont der WWF-Experte. "Es gibt eine sehr enge Verknüpfung des deutschen Finanzsektors mit der Umweltzerstörung in Indonesien." Viele Konsumenten seien sich zudem gar nicht bewusst, dass sie mit dem Kauf von Papier oder Palmöl aus der Region zur Zerstörung des Regenwaldes beitrügen.

WWF fordert Schutzmaßnahme

Der WWF fordert von den indonesischen Behörden und der Provinzregierung, den Landnutzungsplan zu ändern und den gesamten Tesso Nilo Wald zum Schutzgebiet zu erklären. Außerdem müssten sowohl die lokale Papier-Zellstoffindustrie als auch deutsche Firmen und Konsumenten auf Rohstoffe und Produkte verzichten, die eine weitere Rodung des bedrohten Waldes zur Folge hätten. Von den Banken fordern die Umweltschützer, für die Kreditvergabe soziale sowie Umweltkriterien zu entwickeln und diese auch zu veröffentlichen. (APA/AP)

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