War serbischer Mafia-Boss Legija in Wien?

7. April 2003, 16:00
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Mutmaßlicher Drahtzieher des Djindjic-Mordes soll am 15. März bei Konzert gesehen worden sein

Wien - Mehrere in Österreich lebende Personen haben angeblich den serbischen Mafia-Boss Milorad Lukovic alias "Legija" in Wien gesichtet. Wie eine zuverlässige Quelle der APA schilderte, hätten mehrere Augenzeugen unabhängig voneinander berichtet, den Hauptverdächtigen des Mordes am serbischen Premier Zoran Djindjic am 15. März bei einem Konzert in der österreichischen Hauptstadt gesehen und erkannt zu haben. Am 15. März - dem Tag des Begräbnisses von Djindjic - trat der serbische Musikstar Lukas in einer Wiener Diskothek auf.

Musikstar Lukas mittlerweile in Haft

Der serbische Justizminister Vladan Batic hat heute, Montag, in Belgrad die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dass Legija ins Ausland geflohen ist und sich derzeit dort aufhält. Lukovic, der bis zu seiner Namensänderung Ende der neunziger Jahre Ulemek hieß, ist an sich mit der roten Rosen-Tätowierung am Hals klar erkennbar.

Lukas soll mit der Mafia-Gruppe aus dem Belgrader Vorort Zemun, deren Chef Legija ist, in sehr engem Kontakt gewesen sein. Der populäre Sänger moderner Volkslieder ist mittlerweile in Haft. Er wurde Ende März im Rahmen der breit angelegten Polizeiaktion nach der Ermordung von Djindjic verhaftet - offiziell wegen Drogendelikten.

Ermittlungen in Österrreich Ende März bestätigt

Nach anderen Gerüchten in Belgrad soll eine Gruppe von Männern seit Jahren von Wien aus mit dem Zemun-Clan kooperiert haben. Die Zemun-Mafia hat laut serbischer Polizei den Drogenmarkt auf dem Balkan kontrolliert. Auch der mittlerweile in Moskau abgetauchte Sohn des Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic soll sich des Öfteren in Wien aufgehalten und große Feste in teuren Hotels veranstaltet haben.

Bereits Ende März hatte Rudolf Gollia, Sprecher des Generaldirektors für öffentliche Sicherheit, gegenüber der APA bestätigt, dass in Österreich Ermittlungen im "persönlichen Umfeld" des mutmaßlichen Djindjic-Mörders eingeleitet wurden. Es gehe aber nur um "kriminelle und strafbare Handlungen", insbesondere Drogen-Delikte und nicht um Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Djindjic-Mord, hatte Gollia erklärt. steile kriminelle Karriere

Als mutmaßlicher Mörder Djindjics gilt Zvezdan Jovanovic "Zveki", der bereits in Haft ist. Jovanovic war Vize-Kommandant der "Roten Barette", die sehr enge Verbindungen zur Zemun-Mafia haben soll.

Der gebürtige Belgrader Legija hat eine steile kriminelle Karriere hinter sich, die im jugoslawischen Bürgerkrieg (1991-1995) begann. Er kämpfte in den berüchtigten Milizeinheiten des früheren Belgrader Mafia-Bosses Zeljko Raznatovic alias Arkan, die für zahlreiche Kriegsverbrechen und Plünderungen verantwortlich gemacht werden.

Seine militärische Ausbildung hatte Legija, der eigentlich Berufsmusiker ist, in der französischen Fremdenlegion in den späten achtziger Jahren erfahren. Ende der neunziger Jahre wurde er Chef der mittlerweile aufgelösten "Roten Barette", der Polizeieinheit für Spezialoperationen (JSO). Seinen Posten war er schon im Frühjahr 2001 los, nachdem er in einem Belgrader Restaurant randalierte.(APA)

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