Was wurde aus Schüssels Regierungsmannschaft?

2. Februar 2010, 20:09
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Karl-Heinz Grasser inszenierte sich als Star, andere waren heillos überfordert - Wie erging es den Mitgliedern der schwarz-blauen Wenderegierung?

Wolfgang Schüssel war bis Jänner 2007 Bundeskanzler einer schwarz-blauen, dann schwarz-orangen Regierung, nach zwei Jahren als ÖVP-Klubchef ist Schüssel, der insgesamt 18 Jahre in der Regierung war, Nationalratsabgeordneter.

Ernst Strasser verwandelte seinen anfänglichen Ruf als relativ liberaler Innenminister in den eines Hardliners und trat im Dezember 2004 überraschend zurück. Seit Juni 2009 ist er EU-Mandatar. Ihm folgte Liese Prokop.

Elisabeth Gehrer dirigierte bis Oktober 2006 insgesamt elf Jahre als Ministerin die Bereiche Unterricht, Wissenschaft und Kultur. Vier Tage nach der Wahl 2006 verkündete sie ihren Politik-Ausstieg.

Martin Bartenstein, auch ein Langzeitregierungsmitglied mit mehr als 13 Jahren, war zuletzt Wirtschafts- und Arbeitsminister im Kabinett Schüssel II, er sitzt seit Oktober 2008 im Nationalrat.

Benita Ferrero-Waldner wurde 2000 Außenministerin, nach einer gegen Heinz Fischer verlorenen Präsidentschaftswahl im April 2004 war sie bis November 2009 EU-Kommissarin für Außenbeziehungen.

Fast wäre auch Wilhelm Molterer EU-Kommissar geworden. Bis 2003 unter Schwarz-Blau Umwelt- und Landwirtschaftsminister, dann bis 2007 ÖVP-Klubchef, beendete er im Juli 2008 das Intermezzo als Vizekanzler unter Rot-Schwarz mit "Es reicht!" Für einen Nationalratssitz aber reicht es noch.

Als Vizekanzlerin für die FPÖ wurde am 4. Februar 2000 Susanne Riess-Passer angelobt, sie blieb bis zum Putsch von Knittelfeld im Jahr 2002. Seit 2004 ist Riess-Passer Generaldirektorin der Bausparkasse Wüstenrot AG.

Star der Regierung war Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Er hat sich nach der Wahl 2006 aus der Politik zurückgezogen, er ist in etliche fragwürdige Geschäfte verstrickt, tritt jetzt als Society-Löwe auf.

Herbert Scheibner, damals Verteidigungsminister, ist das einzige blaue Regierungsmitglied, das heute noch in der Politik tätig ist. Scheibner ist Abgeordneter für das BZÖ.

Michael Krüger hatte sich als Justizminister nur 25 Tage gehalten, er trat aus Überforderung zurück. Heute arbeitet er als Anwalt. In der Regierung wurde Krüger damals von Dieter Böhmdorfer ersetzt, der bis 2004 Justizminister blieb.

Als Sozialministerin wurde Elisabeth Sickl angelobt, sie hielt sich acht Monate, ehe sie auf Wunsch der Partei durch Herbert Haupt ersetzt wurde. Sickl zog sich auf das Schloss Albeck bei Sirnitz (Kärnten) zurück.

Erster Infrastrukturminister der schwarz- blauen Regierung war der Steirer Michael Schmid. Er trat im November 2000 mit "leeren Batterien" zurück. Ihm folgte Monika Forstinger. Schmid berät heute das BZÖ. (nim, völ/DER STANDARD-Printausgabe, 3.2.3010)

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