Auf der Suche nach der Weisheit letztem Schluss

2. Februar 2010, 20:00
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Kärntner Psychologen untersuchen die Entwicklung von Weisheit anhand persönlicher Lebensgeschichten

Ob Dumbledore, Galadriel oder Yoda - kaum eine große Geschichte kommt ohne weise Männer oder Frauen aus. Sie unterstützen das Gute, und auf ihre Ratschläge ist Verlass. Doch gibt es Weisheit wirklich nur im Reich der Fantasie, oder können wir ihr auch im Alltag begegnen? Und wenn ja, wie erkennt man sie?

Tatsächlich ist Weisheit seit rund 20 Jahren ein wachsendes Forschungsthema in der Psychologie, wohl weil sie eine der wenigen positiven Entwicklungen steigenden Alters ist und unsere Gesellschaft immer älter wird. Am Institut für Psychologie der Universität Klagenfurt untersuchen Judith Glück und ihre Mitarbeiter mit finanzieller Unterstützung des FWF, wie sich die seltene Eigenschaft entwickelt und manifestiert. Denn Älterwerden allein genügt bekanntlich nicht.

Dem etwas vagen Begriff "Weisheit" versuchten Forscher beizukommen, indem sie erhoben, was Laien darunter verstehen. Dabei stellte sich heraus, dass über die wichtigsten Ingredienzien weitgehend Übereinstimmung herrscht: So ruht Weisheit immer auf einer starken kognitiven Basis, die ein hohes Maß an Lebenserfahrung und Lebensklugheit einschließt, aber auch gutes Argumentieren und die Fähigkeit, rasch zu "schalten". Ebenso gehört dazu die Bereitschaft, sich tiefgehend mit komplexen Angelegenheiten zu befassen, auch kritisch mit der eigenen Person. Dazu kommen Anteilnahme, Urteilsfähigkeit, soziale Kompetenz und Einsicht in die eigenen Beschränkungen. Für die meisten Leute haben erst Personen ab ca. 60 Jahren all das.

Doch es gibt auch Auffassungsunterschiede, die teilweise vom Beruf und vom Geschlecht der Befragten abhängen, besonders aber von deren kultureller Zugehörigkeit. So lässt sich ein "westlicher" Weisheitsbegriff von einem "östlichen" unterscheiden, wobei Ersterer sich stärker auf Wissen und Problemlösungsfähigkeit stützt, Letzterer hingegen auch Gefühle und Werte integriert. Eine ähnliche Aufteilung zeigt sich auch zwischen Jung und Alt: Bei einer großen Stichprobe von GEO-Lesern legten die meisten Probanden, die jünger als 30 waren, eine "westliche" Sicht an den Tag, während für die meisten älteren Teilnehmer zur Weisheit sowohl Geist als auch Seele gehörten.

Gar nicht so anders sehen die "professionellen" Auffassungen von Psychologen aus, die je nach Modell den Schwerpunkt auf kognitive Fähigkeiten oder auf ein gleichberechtigtes Zusammenspiel von Kognition, Reflexion und Empathie legen. Judith Glück und ihr Team haben ein neues Konzept entwickelt, in dem sie Persönlichkeitsmerkmale identifiziert haben, die ihrer Meinung nach für die Entwicklung von Weisheit notwendig sind.

Dieses Modell wird mit einem völlig neuen Ansatz getestet: 40 Personen, die von anderen als weise bezeichnet werden, und 80 weitere als Kontrollgruppe absolvieren zwei zweistündige Gespräche mit Psychologen, in denen es vor allem um wichtige Veränderungen in ihrem Leben und ihren Umgang damit geht. Bisherige Untersuchungen arbeiteten mit konstruierten Geschichten, zu denen die Probanden Lösungsansätze liefern sollten, die Kärntner Psychologen hingegen untersuchen das Prinzip "Weisheit" an echten Lebensgeschichten.

Eines weiß man schon jetzt: Die meisten Leute werden im Lauf des Lebens mit ähnlichen Veränderungen konfrontiert - Menschen mit dem Zeug zur Weisheit gehen nur anders damit um. (Susanne Strnadl/DER STANDARD, Printausgabe, 03.02.2010)

 

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