Angebliche Elitepolizisten prangern Korruption in eigenen Reihen an

1. Februar 2010, 19:02
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Polizeisprecherin: Männer wurden von der Sondereinheit OMON entlasdsen

Moskau - In einer bisher beispiellosen Offenheit haben Moskauer Elitepolizisten in einem Brief an ihre Führung und den Kreml die überbordende Korruption sowie Machtmissbrauch in den eigenen Reihen angeprangert. Knapp ein Dutzend Angehörige der Spezialeinheit Omon wandten sich mit ihrer Kritik auch an die Moskauer Staatsanwaltschaft, wie das russische Magazin "The New Times" am Montag berichtete. Eine Antwort hätten die Elitepolizisten von den offiziellen Stellen nicht erhalten, weshalb sie sich nun über die Presse an die Öffentlichkeit wenden würden.

Fünf Elitepolizisten beschuldigten dem Bericht zufolge unter anderem den Leiter ihrer Einheit, Sergej Ewtikow, dieser verlange die Erfüllung bestimmter Verhaftungsquoten oder drohe mit der Streichung von Prämien. Von Vorgesetzten würden sie angewiesen, illegale Warentransporte zu begleiten. Ihnen sei gesagt worden, Polizisten seien "Sklaven" und müssten tun, was ihnen befohlen werde. Auch würden Polizisten der Einheit mit der Bewachung von Prostituierten Geld verdienen.

Polizeisprecherin: Beamte nicht mehr im Dienst

Polizeisprecherin Zhanna Ozhimina sagte, die Polizisten seien entgegen ihren Angaben nicht mehr im aktiven Dienst, sondern im November 2009 entlassen worden. Drei der Männer müssen sich Ozhimina zufolge demnächst wegen eines versuchten Raubes vor Gericht verantwortlichen, ein vierter wurde wegen eines gefälschten ärztlichen Gutachtens gekündigt. In ähnlichen Fällen hätten die Vorwürfe nicht bestätigt werden können.

Die Moskauer Spezialeinheit Omon, der rund 2.000 Polizisten angehören, ist unter anderem für die Unterbindung unerlaubter Demonstrationen in der russischen Hauptstadt zuständig. Sie gilt in der Regel als besonders loyal gegenüber den staatlichen Behörden.

Es handelt sich nicht um die ersten Klagen über Korruption bei der russischen Polizei. Im November hatte ein 32-jähriger Polizist aus der südrussischen Stadt Noworossijsk zwei Videos auf seine Website und im Internetportal YouTube eingestellt, in denen er seinen Vorgesetzten vorwarf, dass diese ihn zwingen würden, Fälle zu erfinden und unschuldige Menschen zu verfolgen. Er wurde gefeuert und im Jänner verhaftet.

In den vergangenen Monaten gab es in Russland zahlreiche Polizeiskandale, teilweise auch mit Todesfällen. Medwedew forderte Ende 2009 deswegen eine Reform des Polizeisystems. (APA)

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