Und schon wieder Quellenkritik am IPCC

31. Jänner 2010, 18:24
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Klimaforscher schlägt Reform des Weltklimarats vor

London - Der in die Kritik geratene Weltklimarat (IPCC) sieht sich erneut dem Vorwurf wissenschaftlicher Ungenauigkeit ausgesetzt. Wie die britische Zeitung "Sunday Telegraph" am Sonntag berichtete, soll das UN-Gremium für einen jüngst veröffentlichten Bericht zum Zusammenhang zwischen schmelzenden Gletschern und dem Klimawandel offenbar eine studentische Arbeit sowie einen Artikel aus einem Magazin für Bergsteiger als Quellen.

Mangelhafte Recherche

Der IPCC hatte in dem Bericht die schmelzenden Gletscher in den Alpen, den Anden und in Afrika auf den Klimawandel zurückgeführt. Der "Sunday Telegraph" berichtete, die darin gemachten Aussagen stützten sich vor allem auf einen Artikel, der in einem Alpin-Magazin erschienen war und sich seinerseits auf Beobachtungen bei Bergtouren bezog. An anderer Stelle wurde dem Zeitungsbericht zufolge aus der Arbeit eines Geographiestudenten der Universität in Bern zitiert, der Bergführer in den Alpen interviewt hatte.

Der Weltklimarat hatte erst kürzlich einen "bedauerlichen Fehler" bei der Vorhersage über das Verschwinden der Himalaya-Gletscher in seinem Klimabericht von 2007 eingeräumt. Der Streit drehte sich um die Vorhersage, dass die Gletscher bis 2035 verschwunden sein könnten. Die Quelle dafür war ein indischer Wissenschafter, der dieses Datum aber nicht genannt haben wollte; ursprünglich soll überdies das Datum 2350 stattt 2035 genannt worden sein. Vor einer Woche hatte die "Sunday Times" zudem berichtet, dass der IPCC auch seine Angaben zum Zusammenhang zwischen der Erderwärmung und der Verschlimmerung von Naturkatastrophen noch einmal überprüfen will.

Reformvorschläge

Derartige Vorfälle seien in einer so umfangreichen Organisation wie dem IPCC nicht überraschend, meinte Klimaforscher Hans von Storch, der das Institut für Küstenforschung des Forschungszentrums GKSS im deutschen Geesthacht leitet. Von Storch schlägt eine Reform des IPCC in sechs Punkten vor. Erstens müsse die häufige Praxis beendet werden, dass dominante Forscher als Leitautoren vor allem "Publikationen von sich selbst und ihren Freunden bewerten". Zweitens müssten Interessen von Unternehmen und Umweltverbänden strikt herausgehalten werden. Drittens schlägt von Storch ein unabhängiges Beratungsgremium vor, das nicht an der Erarbeitung der IPCC-Berichte mitwirkt, sondern den Umgang mit Interessenskonflikten und Fehlern regelt. Viertens sollen die wichtigen Leitautoren regelmäßig wechseln, spätestens nach zwei aufeinanderfolgenden Berichten. Fünftens solle der Weltklimarat stärker als bisher Punkte aufnehmen, in denen keine Einigkeit besteht und auf Kritik eingehen. Als letzten Punkt fordert der Professor eine strikte Trennung von wissenschaftlicher Arbeit und politischen Funktionen.

"Der IPCC ist eine sehr nützliche Einrichtung", betonte von Storch. "Da der menschengemachte Klimawandel eine reale Entwicklung darstellt und die Staaten dieser Welt darauf reagieren müssen, braucht es ein IPCC." Allerdings ein besseres als heute. Die Hauptaussagen der Arbeitsgruppe 1 des IPCC zum menschengemachten Charakter der derzeitigen Erwärmung und zu den weiteren Perspektiven nennt von Storch "robust". (APA)

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