Tennis zum Weinen

31. Jänner 2010, 13:43
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Federer lässt Murray im Finale von Melbourne kaum eine Chance und holt seinen 16. Grand-Slam-Titel

Melbourne - Roger Federer lieferte eindrucksvoll den Beweis, dass Familie und Karriere durchaus vereinbar sind. Dass er Andy Murray in Melbourne nach dem Finale der Australian Open zum Weinen gebracht hat, wollte er natürlich nicht. Federer gewann in 2:47 Stunden 6:3, 6:4, 7:6 (11), nur im letzten Satz herrschte auf dem Tennisplatz Chancengleichheit, der Schotte vergab fünf Bälle auf eine Verlängerung oder gar Trendumkehr. Somit wurde es Federers 16. Grand-Slam-Titel, der vierte in Melbourne, der erste als Vater, seine Zwillinge sind sechs Monate alt. "Das ist sehr speziell für mich", sagte der 28-jährige.

"Ich sehe die Dinge jetzt anders als früher, bin entspannter." Unter dieser Entspannung leiden Leute wie Murray. Federer verbessert zwar ständig Rekorde, aber es ist ihm angeblich nicht mehr wichtig. Die 18 Grand-Slam-Titel von Chris Evert-Lloyd und Martina Navratilova werden ihm als nächstes vorgegeben. "Nein, ich habe nicht das Ziel, alle Rekorde zu brechen. Diese Legenden haben schließlich auch den Boden bereitet, auf dem ich mich bewege." Er wird sie aber trotzdem brechen.

Bei der Pokalübergabe heulte der 22-jährige Murray. In Anspielung auf die Freudentränen, die Federer oft nach Siegen vergossen hatte, schluchzte er: "Ich kann weinen wie Roger, aber es ist eine Schande, dass ich nicht wie er spielen kann." Der Sieger spendete Trost, wischte aufkommende Zweifel weg: "Mach dir keine Sorgen, du bist viel zu gut, um nicht eines Tages eines der großen Turniere zu gewinnen."

Vielleicht war der Rucksack, der Murray umgehängt wurde, zu schwer. Großbritannien drehte durch, es wurde bei jeder unpassenden Gelegenheit betont, dass die Zeit reif wäre, Fred Perry nachzufolgen. Der hat vor 76 Jahren Wimbledon gewonnen, seither herrscht Ebbe. Federer könnte sie weiter verlängern.

Bereits am Samstag hat Serena Williams ihren Titel verteidigt, sie schlug Justine Henin 6:4, 3:6, 6:2. (red, DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 1. Februar 2010)

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    Ein Kuss und ein leerer Blick huschten nach dem Finale über den Centre Court der Rod Laver Arena.

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