Fast eine Prämiere

29. Jänner 2010, 19:24
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Ein Tippfehler kann viel verändern – vor allem in Abkürzungen

Hoch hinaus zu wollen, ist grundsätzlich ein guter Vorsatz. Wir haben uns übertroffen. Ausführlich haben wir das höchste Gebäude der Welt beschrieben, den 828 Meter hohen Burj Khalifa in Dubai. Wir haben einen Herrn gefunden, der sagen konnte: „Natürlich war ich schon oft oben, und ja, ich habe bisher immer den Lift benützt. Glauben Sie denjenigen, die den Weg schon zu Fuß gegangen sind. 11.300 Stufen sind kein Spaß!“ Bei einer Stiegenhöhe etwa 17 Zentimetern ergibt das eine Gebäudehöhe von mehr als 1900 Metern.

Richtig ist: Es gibt 5650 Stufen, unser Gesprächspartner hat Auf- und Abstieg zusammengezählt. Es ergibt sich eine Stufenhöhe von nur gut 14 Zentimetern und diese geringe Höhe wird mit Sicherheitsüberlegungen erklärt.

Wer da graue Haare kriegt – wir haben eine Art Jungbrunnen entdeckt. Im Artikel über Indigene im Süden Chile hieß es: „Die 48-jährige Mapuchefrau hat ein Geschwür am Bein und schafft kaum die Hausarbeit. ,Ohne meinen Mann bleibt die Arbeit auf dem Feld liegen‘, seufzt die 45-jährige Mutter dreier Kinder.“ Weniger als 150 Anschläge liegen zwischen den beiden Altersangaben, die Dame ist bei uns in Sekunden um drei Jahre jünger geworden. Der Fehler wurde von einer Ausgabe zur nächsten in großer Freundlichkeit behoben: 45 Jahre.

Ein Tippfehler kann viel verändern – vor allem in Abkürzungen. Wir berichteten über den Geheimdienstlergipfel, zu dem US-Präsident Barack Obama geladen hatte. Erwähnt wurde das „National Counterterrorism Center“ mit der Abkürzung NTC. Ausgerechnet das „C“ von Counter ist auf der Strecke geblieben – tatsächlich nennt sich die Organisation NCTC und ein nationales Terrorzentrum wäre ja auch eine ganz andere Geschichte.

Zu den schönen Dingen des Lebens. Virtuos durch den Alltag: Unter diesem Titel würdigten wir die Neubesetzung von „Manon“ in der Wiener Staatsoper mit Diana Damrau: „Mit prämierenwürdiger Präzision zeichnet sie einen Charakter, in dem schon während der Unschuldsphase ein Hauch von gar nicht naiver Raffinesse brodelt.“ Möge ihr eine Prämie gegönnt sein, wir warten gespannt, ob wir sie demnächst in einer Premiere erleben. (Otto Ranftl, Leserbeauftragter/DER STANDARD, Printausgabe, 30.1.2010)

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