Heißen Sie zufällig Gammelbert?

29. Jänner 2010, 15:53
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Beliebte und unbeliebte Namen

Alle Jahre wieder geben die Standesämter ihre Statistiken mit den beliebtesten Vornamen preis. In Deutschland, so berichtete die Welt vor kurzem, waren dies 2009 bei den Mädchen Mia, Hannah und Leonie respektive Leon, Lukas und Jonas bei den Jungs (oder Buben, wie wir hier in Österreich sagen).

Gut, dass man's weiß, denn Vornamen sind eine wichtige Sache. Manchmal können sie sogar über Berufskarrieren entscheiden. Eine Gruppe französischer Soziologen hat vor ein paar Jahren Bewerbungsschreiben mit fingierten Namen an Firmen ausgesandt. Dreimal dürfen Sie raten, ob Pierre und Monique oder Abdullah und Fatima auf dem Pariser Arbeitsmarkt erfolgreicher waren.

Aber wir haben wahrlich keinen Grund, auf die Franzosen hinzuhauen. Auch hierzulande sind Nomen Omen. In einem deutschnationalen Haushalt, der auf sich hält, würde man die Kinder niemals Winston oder Shakira oder Barack nennen, sondern sich für Truthild, Hadubrand, Reckefuß oder Wolf-Adolf entscheiden. Ich behaupte ja auch, dass Uwe Scheuch in Kärnten keineswegs so populär geworden wäre, wenn er Zoran Scheuch oder Dragoljub Scheuch hieße. Genauso kontraproduktiv wäre es, würde sich H.-C. Strache noch vor den Wiener Wahlen auf Özkan Strache umtaufen lassen und den Wahlkampf mit einem Fez auf seinem freiheitlichen Charakterkopf bestreiten. Jede Wette, dass das auf dem Viktor-Adler-Markt nicht gut käme. Der Mann wird uns als Hazeh erhalten bleiben.

Bedauerlich ist, dass in der gängigen Vornamensberichterstattung immer nur über die beliebtesten Namen berichtet wird, nie aber über die unbeliebtesten. Daher hier exklusiv ein paar ergänzende Informationen: Die unbeliebtesten Vornamen für Mädchen waren 2009 Schlampe, Zicklinde und Tussika. Die Top drei der unbeliebtesten Bubennamen: Ziegenpeter, Gammelbert und Kretin.

Psychologisch ist die Aversion gegen diese Namen verständlich: Wer seinen Sohn Kretin aus dem Kindergarten abholt und "Hallo, Kretin!" über den Spielplatz ruft, der riskiert, dass unbeteiligte Dritte den Vornamen als Schimpfwort missverstehen und sich angegriffen fühlen könnten. Sehr unangenehm. Ob Kretin langfristig auf der Beliebtheitsskala trotzdem zu Leon und Lukas aufschließen kann? Wenn Sie mich fragen: keine Chance. (Christoph Winder, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 29./30.01.2010)

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