Talfahrt der Zykliker und Banken setzt sich fort

29. Jänner 2010, 14:41
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Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Stephan Lingnau

An den europäischen Aktienmärkten setzte sich diese Woche die Talfahrt fort. Nach schlechten Nachrichten, insbesondere zum sich einbremsenden Wachstum in China verlor der Stoxx 600 diese Woche -3,22%. Der Euro Stoxx 50 sank um -4,40%. Seit Anfang Jänner liegen die Indizes nun schon 4% bzw. 8% im Minus. Bis auf den Einzelhandelssektor (+0,5%) gab es diese Woche in jedem Sektor Verluste. Die volatilen Rohstofftitel (-6%) und Automobilproduzenten (-7%) führten die Liste der Verlierer an. Banken verloren 5%. Ein Blick auf die relative Stärke der Sektoren in Europa zeigt, dass Investoren weiterhin auf Aktien aus dem nicht zyklischen Konsum setzten. Der Einzelhandel,
Lebensmittelproduzenten, und Haushaltsgüterhersteller outperformten den Markt im Jänner um 4-6%. Auch der Technologiesektor zeigt nach einem schwachen Jahr 2009 eine relative Trendstärke.

An den Rohstoffmärkten sanken diese Woche die Preise für Kupfer (-4%) und Aluminium (-5%) weiter. Zu noch deutlicheren Einbrüchen kam es bei den Preisen für Blei (-8%) und Zink (-12%). Der technische Aufwärtstrend ist bei diesen Basismetallen nun klar nach unten durchbrochen worden. Auch am Ölmarkt ging es bergab. Das Barrel Brent nähert sich mit USD 71,2 (-5%) wieder der technisch wichtigen USD 70 Marke.

Der Ifo Index konnte sich im Jänner auf 95,8 Punkte (Dez: 94,6) verbessern und lag somit leicht über den Markterwartungen. Die aktuelle Situation wird mit einem Wert von 91,2 gegenüber 90,4 im Dezember besser gesehen, und auch die Erwartungen der Unternehmen für die kommenden sechs Monate sind mit 100,6 optimistischer als zuletzt (Dez: 98,9). Betrachtet man die einzelnen Sektoren, so erkennt man, dass sich die Erwartungskomponente in beinahe allen Bereichen (gewerbliche Wirtschaft, verarbeitendes Gewerbe, Bauhauptgewerbe und Großhandel) verbessert hat. Lediglich der Einzelhandel verzeichnete einen leichten Rückgang.

Nokia Aktie steigt

Nokia hat endlich das Geschäft mit den Smartphones besser in den Griff bekommen, und so legte die Aktie nach Bekanntgabe der besser als erwarteten Quartalszahlen über 12% zu. Der Umsatz von EUR 12,0 Mrd. war zwar gegenüber dem vierten Quartal 2008 leicht rückläufig (-5%), lag aber deutlich über den nach einigen Enttäuschungen zurückgeschraubten Prognosen von EUR 11,3 Mrd. Der Gewinn lag mit EUR 948 Mio. um 65% höher als in Q4 2008. Insgesamt verkaufte Nokia im Schlussquartal 127 Mio. Handys und steigerte seinen Marktanteil damit von 37% auf 39%. Bei den Smartphones sind es jetzt 40% Marktanteil. Nokia erkaufte sich jedoch die hohen Umsatzzahlen im Smartphonebereich mit niedrigen Gewinnmargen. Da die Finnen weiterhin im Hochpreissegment nicht gegen Apple und Research in Motion ankommen, setzt Nokia mit niedrigen Preisen auf den Massenmarkt. Die operative Marge von 9,5% liegt weiterhin klar unter den Margen der Jahre vor der Krise. Damals lag die operative Marge durchschnittlich zwischen 12-15%.

Hennes & Mauritz hat dank 148 neuer Läden das Geschäftsjahr (Ende November) mit einem kräftigen Umsatzwachstum im vierten Quartal abgeschlossen. In Q4 stieg der Umsatz im Jahresvergleich um 6% auf EUR 2,73 Mrd. Der Gewinn stieg um stolze 20% auf EUR 600 Mio. Für den Dezember berichtete Europas zweitgrößter Textilhändler (nach Inditex) zudem über ein überraschendes Umsatzplus von 3% und konnte damit zum ersten Mal seit April 2009 auch ohne neue Filialen mehr verkaufen.

Henkel verzeichnete in Q4 2009 eine robuste Entwicklung und setzte damit den positiven Trend der Vorquartale fort. Besser als erwartet schnitten dabei die Bereiche Wasch- und Reinigungsmittel sowie Klebstoffe ab. Für das Geschäftsjahr 2010 zeigte sich Henkel zuversichtlich sich beim organischen Umsatzwachstum wieder besser zu entwickeln als die relevanten Märkte. Beim bereinigten betrieblichen Ergebnis prognostiziert man eine "spürbare Verbesserung" gegenüber dem Vorjahr. Im Schlussquartal sank der Umsatz zwar auf EUR 3,3 Mrd. Bereinigt um Wechselkurseffekte und Akquisitionen/Divestments erzielte man aber ein Wachstum von 0,6%.

AstraZeneca erwartet schwieriges Jahr 2010

Der britische Pharmakonzern AstraZeneca stellt sich ungeachtet seines kräftigen Gewinnanstiegs von +23% in 2009 wegen der drohenden Konkurrenz für Kernprodukte auf herausfordernde Zeiten ein. Der Umsatz (+4% in 2009) wird durch Patentabläufe für Produkte wie Arimidex und Pulmicort in den USA belastet. So sollen in den kommenden vier Jahren weitere 8.000 Stellen zum Opfer fallen. Seit 2007 hat der Konzern bereits 12.600 Stellen der bisher eingeplanten 15.000 Stellen gestrichen. Durch die avisierten Milliardeneinsparungen sollen zum Wachstum in den Schwellenländern eingesetzt werden. Bereits heute kommen rund 13% des Konzernumsatzes aus den Emerging Marktes. Die Aktie sank nach dem schwachen Ausblick um über 5%.

Auch für Novartis lief es 2009 gut. Der Konzern erwirtschaftete einen Nettoumsatz von USD 44,3 Mrd., was einem Plus von 7% entspricht. In lokalen Währungen lag das Wachstum bei 11%. Der Gewinn stieg um 4% auf USD 8,5 Mrd. Im vierten Quartal 2009 kletterte der Umsatz um 28 % auf USD 12,9 Mrd. und der Gewinn stieg um 54% auf USD 2,3 Mrd. Für das laufende Geschäftsjahr stellt noch-CEO Vasella weitere Umsatzsteigerungen in Aussicht. So soll der Konzernumsatz in Landeswährungen im mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen. Nächste Woche nimmt die Bilanzsaison mit den Zahlen von Novo Nordisk, Roche, Shell, Banco Santander, Unilever, Vodafone und Syngenta weiter Fahrt auf. Weiters stehen die Einzelhandelsumsätze und die Auftragseingänge in Deutschland, sowie die Zinsentscheidung der EZB auf der der Agenda.

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