Toyota ruft in Europa 1,8 Millionen Autos zurück

29. Jänner 2010, 20:15
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35.000 in Österreich - Produktion neuer Teile läuft auf Hochtouren, auch für die bereits verbauten Gaspedale wird an Reparaturmöglichkeiten gearbeitet

Der japanische Autokonzern Toyota muss wegen möglicher Probleme mit klemmenden Gaspedalen allein in Europa bis zu 1,8 Millionen Autos zurückrufen. Dies gab das Unternehmen am Freitag Nachmittag bekannt.

Knapp 35.000 Autos in Österreich

In Österreich werden knapp 35.000 Autos von dem Rückruf betroffen sein, berichtet die ORF-"Zeit im Bild" mit Verweis auf Toyota. Die Besitzer sollen in den nächsten Tagen informiert werden. In Deutschland geht der ADAC davon aus, dass europäische Toyota-Modelle nicht das Problem eines feststeckenden Gaspedals haben.

Erst am Mittwoch hatte der Konzern eine frühere Rückrufaktion auf weitere 1,1 Millionen Fahrzeuge ausweiten müssen. In den USA sind sogar rund 2,3 Millionen Fahrzeuge von dem Defekt betroffen.

In den zurückgerufenen Fahrzeugen drohen sich Fußmatten derart mit den Pedalen zu verkeilen, dass der Wagen unkontrolliert beschleunigt. Wegen des Defekts hatte Toyota bereits im vergangenen Jahr 4,2 Millionen Autos zurückgerufen.

Notfall-Tipps für Autofahrer

Angesichts der Probleme hat Toyota die Fahrer seiner Autos und Lkw mit Notfall-Tipps versorgt. Der japanische Autokonzern veröffentlichte am Freitag eine Liste mit Ratschlägen für den Fall, dass das Gaspedal während der Fahrt nicht mehr in seine Ausgangsposition zurückkehrt. Erste Reaktion der Fahrer sollte laut Toyota sein: Mit beiden Füßen fest auf das Bremspedal treten.

Toyota empfiehlt den Fahrern seiner Autos in den USA bei klemmendem Gaspedal während der Fahrt die Automatik-Gangschaltung auf Leerlauf zu schalten, den Wagen am Rand der Straße zu stoppen und den Motor auszuschalten. Der Fahrer sollte zum Bremsen "stetigen Druck" auf das Bremspedal ausüben, es aber nicht pumpen. Sollte es nicht gelingen, die Gangschaltung auf Leerlauf zu schalten, sollte der Fahrer den Motor während der Fahrt abschalten - entweder mit dem An/Aus-Knopf oder indem er den Zündschlüssel herumdreht, aber nicht abzieht, da dies das Lenkrad blockieren würde.

Toyota rät den Besitzern eines möglicherweise von dem Problem betroffenen Wagens, das Auto erst einmal weiter zu benutzen. Erst wenn das Problem tatsächlich auftrete, sollte der Fahrer den Wagen zum Toyota-Händler bringen.

Problemlösung

Toyota USA teilte am Donnerstag am Firmensitz im kalifornischen Torrance mit, dass die Form der Pedale gemeinsam mti dem Zulieferer CTS mittlerweile überarbeitet worden sei. Die Produktion der neuen Teile laufe auf Hochtouren. Die amerikanischen Fabriken des japanischen Autoherstellers sind dringend auf die Pedale angewiesen, um die Produktion aufrechtzuerhalten.

Gemeinsam mit CTS arbeitet Toyota auch daran, so schnell wie möglich eine Lösung für die bereits verbauten Pedale zu finden. Die US-Behörde für Verkehrssicherheit muss den Reparaturvorschlag noch abnehmen. Laut "Wall Street Journal" könnte die Freigabe schon in den kommenden Tagen erfolgen. Toyota wolle die Spannung auf einer Feder erhöhen, um ein Verklemmen des Pedals zu verhindern, hieß es.

Die Händler dürften innerhalb der kommenden zwei Wochen mit den Reparatur-Sets für ihre Kunden rechnen, schrieb die Zeitung weiter.

Zulieferer: Keine Mitschuld

Der Chef des Zulieferers CTS, Vinod Khilnani, wies am Donnerstag nochmals jegliche Mitschuld an den Problemen zurück, die sich zu einer ernsten Bedrohung für Toyota entwickeln. Die Teile seien nach den Vorgaben des japanischen Autoherstellers gefertigt worden. Toyota hat einen Verkaufsstopp über die betroffenen Modelle verhängt, darunter viele Bestseller.

Der Vorsitzende des Handel-Ausschusses im US-Repräsentantenhaus, Henry Waxman, kündigte eine Anhörung zu der Pannenserie bei Toyota am 25. Februar an. Wie viele Verbraucher sei auch er besorgt darüber, wie ernst und umfassend das Problem sei, sagte Waxman. Bei der Anhörung solle das Unternehmen angeben, welche Schritte es zu unternehmen gedenke, das Sicherheitsproblem zu lösen.

Der Abgeordnete Bart Stupak von den Demokraten sagte, das Problem mit dem klemmenden Gaspedal in Toyota-Fahrzeugen gebe es schon seit fast einem Jahrzehnt. Es habe zu einer "überproportional hohen Zahl von Toten" geführt. Nach Angaben der Verkehrssicherheitsbehörde starben in den vergangenen zehn Jahren 19 Toyota-Fahrer wegen eines klemmenden Gaspedals. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Gaspedal-Affäre wächst sich für Toyota zu einem immensen Image-Problem aus.

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