Aus für Festspiele auf der Klagenfurter Seebühne

28. Jänner 2010, 13:31
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Jörg Haiders kulturelles Flaggschiff ist untergegangen

Klagenfurt - Die Klagenfurter Seebühne galt einst als kulturelles Flaggschiff des verunglückten Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider. Sie sollte Österreichs kulturelles Freiluft-Angebot als einzigartiger Musical-Standort bereichern. Knapp ein Jahr nach Haiders Unfalltod wird die ebenso turbulente wie skandalöse Geschichte der Seebühne als Festivalstandort beendet. Haiders zur FPÖ zurückgekehrte Erben, Landeshauptmann Gerhard Dörfler und Kulturlandesrat Harald Dobernig, drehten dem Prestigeprojekt ihres früheren Idols den Geldhahn zu. Das finanzmarode Kärnten kann sich die Festspiele nicht mehr leisten und steigt aus.

Für 2010 war die Bespielung durch die Wiener Neustädter Konzertagentur Wolfgang Werner geplant. Deren Konzept, das auch eine Erweiterung der Zuschauerkapazität von 2000 auf 3000 Sitzplätze beinhaltet hätte, würde das Land in den nächsten Jahren weitere fünf Millionen Euro kosten. Plus Förderungen für die Bespielung selbst.

Wie viel öffentliches Geld von Land und Bund die Seebühne insgesamt verschlungen hatte, konnte Dobernig vorerst nicht beziffern. Schon bald nach ihrem Start 1999 schlitterte die Seebühne in ein Finanzdebakel. Zunächst versuchte der verstorbene Stadttheater-Intendant Dietmar Pflegerl sein Glück. Haider neidete ihm den Erfolg und fand ständig neue Betreiber für die Festspiele, deren Angebot sich in zugekauften Tournee-Produktionen erschöpfte. Allein von 1999 bis 2007 flossen rund 14 Mio. Euro an Subventionen in die Seebühne. Finanziert wurde die Bühnenkonstruktion von der mittlerweile notverstaatlichten Hypo Alpe Adria.

Chaotische Finanzgebarung

Ein geharnischter Rechnungshofbericht und ein Kärntner Untersuchungsausschuss förderten Abenteuerliches über die Finanzgebarung zutage. So habe jegliche Kontrolle gefehlt, die Betreiber hätten nicht einmal Belege vorweisen müssen. Kurzzeit-Intendant Renato Zanella wurde eine Gage zugestanden, die jene der Manager der Salzburger Festspiele bei weitem überstiegen hätte, schließlich wurde er mit einem Abschlag von 150.000 Euro verabschiedet. Auch Strafanzeigen gab es, sie wurden von der Klagenfurter Staatsanwaltschaft jedoch zurückgelegt. Nun werden die Kärntner Messen, denen die Seebühne faktisch gehört, diese weitervermieten - für Veranstaltungen aller Art: von der Volksmusik bis zur Geburtstagsfeier. (Elisabeth Steiner / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.1.2010)

 

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