Neue Kombinationstherapie bei inoperablen Tumoren

28. Jänner 2010, 09:13
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Vollremission bei 50 Prozent der Patienten ein Jahr nach Studienende - Langzeitprognosen noch nicht möglich

Graz - Einen neuen Weg in der Behandlung von fortgeschrittenen bösartigen Tumoren im Hals-Nasen-Ohren-Bereich beschreiten vier österreichische Zentren für HNO-Karzinome mit der Kombination von Chemotherapie, Strahlentherapie und der Gabe eines monoklonalen Antikörpers. Erste Ergebnisse der Studie zeigten, dass 40 von 50 Patienten eine komplette oder teilweise Remission erreichten, hieß es am Mittwoch im Pressegespräch der Studienverantwortlichen in Graz.

Unter der Leitung von Felix Keil, Leiter des Departements für Hämato-Onkologie am LKH Leoben, erprobte eine multizentrische Studie die Kombination aus einer Induktionschemotherapie mit anschließender Radioimmuntherapie und dem Einsatz des monoklonalen Antikörper Cetuximab ("Erbitux"). Behandelt wurden 50 Patienten mit fortgeschrittenem, inoperablem Karzinom. Beteiligt waren Krankenhäuser in Graz, in Feldkirch, Leoben und Wien.

Hellmut Samonigg, Leiter der Klinischen Abteilung für Onkologie der Medizinischen Universität Graz, fasste die aus seiner Sicht wichtigsten vorläufigen Ergebnisse der Studie zusammen: "80 Prozent der Patienten haben die gesamte Therapie durchgehalten: Das ist eine vergleichsweise hohe Rate. Ein Jahr nach Ende der Studie liegt bei 50 Prozent der Patienten eine Vollremission vor. Über Langzeiterfolge können wir noch nichts sagen." Die Studie soll Ende des Jahres publiziert werden.

Belastende Kombination

"Diese Therapie ist eine sehr belastende", räumte Keil ein. Zurzeit sei mit der Entwicklung eines Folgeprotokolls zur weiteren Verfeinerung beschäftigt. Neben den teilnehmenden bisherigen Zentren haben auch Krankenhäuser in Klagenfurt und Linz ihr Interesse an der Beteiligung an einer Folgestudie bekundet, so Keil.

Österreichweit erkranken jährlich rund 1.000 Patienten an Tumoren der Kopf-Hals-Region. Die häufigste Erscheinungsform ist der Kehlkopf-Krebs, betroffen können aber auch die Mundhöhle samt Lippen und Zunge, der Nase-Rachenraum und die Speicheldrüse sein. Betraf die Erkrankung noch in den 1970er-Jahren vor allem Männer um die 70 Jahre, werden die Patienten und Patientinnen immer jünger, betonte HNO-Chirurg Heinz Stammberger: "40-jährige Frauen sind keine Seltenheit mehr." Die größten Risikofaktoren seien Alkohol und Nikotinkonsum: "Von 100 Patienten rauchen 90", so Stammberger. (APA)

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