Spyker fährt Saab zur Börse

27. Jänner 2010, 18:04
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GM verkauft Saab doch an Spyker, erzwang bei den Niederländern aber die Trennung von russischen Investoren. GM bleibt vorerst noch an Bord

General Motors verkauft seinen Verlustbringer Saab doch an den Sportwagenbauer Spyker, erzwang bei den Niederländern aber die Trennung von russischen Investoren. GM bleibt vorerst noch an Bord.

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Stockholm - Die über ein Jahr währende Todesfahrt des schwedischen Autobauers Saab steuert doch noch auf ein glückliches Ende zu. "Ich zittere noch am ganzen Leib. Als erstmal doch kein Entschluss kam, weinte ich. Jetzt wage ich noch nicht so ganz, meinen Ohren zu trauen" , sagt Saabverkäuferin Maj Karlsson in Trollhättan mit freudig-erschreckter Miene. Misstrauisch ist auch die Belegschaft. Die Ortskneipe Bishops Arms blieb leer. Zu oft hatte es schon geheißen, Saab sei gerettet.

Dieses Mal ist es aber offiziell. Dienstagabend segnete US-Eigentümer General Motors (GM) die Übernahme des bereits in Abwicklung befindlichen schwedischen Autobauers durch den holländischen Sportwagenhersteller Spyker ab. Mitte Februar soll der Deal unter Dach und Fach sein.

Spyker zahlt GM 74 Millionen Dollar (rund 52 Mio. Euro) in bar. Außerdem erhält GM Aktien des neuen, an der Börse in Amsterdam notierten Unternehmens mit dem Namen "Saab Spyker Automobile N. V." im Wert von 326 Mio. US-Dollar. Laut Spyker wird der GM-Anteil weniger als ein Prozent der Stimmrechte des neuen Unternehmens halten. "Es wird dann möglich sein, Aktien für Saab zu kaufen", sagte Spyker-Chef Victor Muller in Stockholm, ohne Details zum Zeitplan zu nennen.

Möglich war die Übernahme letztlich nur, weil sich Spyker auf GM-Wunsch von seinem als unseriös geltenden russischen Eigentümer Vladimir Antanov (mit mutmaßlichen Verstrickungen in Waffengeschäfte und Mafia), ganz verabschieden will. Deshalb sei GM beim ersten Übernahmeversuch der Holländer vor Weihnachten abgesprungen, so Muller, der die Russen durch sein Privatvermögen und Kredite ersetzen will. Vom 400-Millionen-Euro-EIB-Kredit, den die Regierung in Stockholm garantiert, gehe nichts an Spyker, sondern alles an Saab, versicherte Muller, mit 38 Prozent größter Saab-Eigentümer, gefolgt vom Staatsfonds "Mubadala" aus Abu Dhabi (22 Prozent) und dem Investmentfonds Gemini.

Wenige, aber edle Wagen

"Wir versprachen, Saab zu retten und nun tun wir es." Dass es nicht einfach wird, gibt Muller zu. Das Geld werde vorerst reichen, für die überlebenswichtige Entwicklung neuer Modelle müsse man sich aber neue Kapitalgeber suchen. Spyker will den Geschäftsplan des kurz vor der Saab-Übernahme abgesprungenen schwedischen Sportwagenherstellers Koenigegg übernehmen und mittelfristig bis zu 100.000 Autos im Jahr verkaufen. Saabautos sollen feiner werden, und teurer. Das Führungsteam von Saab-Chef Åke Jonsson wird wieder eingesetzt, er muss die noch immer große emotionale Verbundenheit mit der Marke in Geld umsetzen. Branchenkenner sind skeptisch, dass es Spyker gelingt, Saab ohne Weltkonzern auf Trab zu bringen. Mit GM kooperiert man nur beim geplanten Stadtjeep. (André Anwar aus Stockholm, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.01.2010)

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    Beim Cafe Opera in Stockholm kamen Spyker-Chef Victor Muller (li) und Saab-Auto-Lenker Jan-Ake Jonsson doch noch zusammen

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