Anleger strafen Deripas­kas Börsendebüt ab

27. Jänner 2010, 18:06
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Schlechtes Timing und die Risikoaversion der Investoren haben dem Oligarchen Oleg Deripaska den Börsenstart seines Aluminiumkonzerns Rusal verpatzt

Schlechtes Timing und die Risikoaversion der Investoren haben dem Oligarchen Oleg Deripaska den Börsenstart seines Aluminiumkonzerns Rusal verpatzt. Dennoch sind weitere russische IPOs in der Pipeline.

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Moskau - Der russische Oligarch Oleg Deripaska ist beim Börsendebüt seines Aluminiumkonzerns Rusal auf dem glatten Börsenparkett ausgerutscht. Die Aktie des weltgrößten Aluminiumproduzenten ist an der Börse in Hongkong um mehr als zehn Prozent eingebrochen. "Das Börsendebüt von Rusal war nicht sehr vielversprechend" , urteilte Chris Weafer, Chefstratege der russischen Investmentbank Uralsib. Die Investoren hätten mit ihrem Scheckbuch abgestimmt.

Analysten erklärten den Absturz der Rusal-Aktie mit dem schwierigen Börsenumfeld in Asien, aber auch mit den hohen Risiken, die mit einem Investment in Rusal verbunden sind. In dem mehr als 1000 Seiten dicken Börsenprospekt wimmelte es von Warnungen. Zum hohen Schuldenstand von rund 14,9 Milliarden US-Dollar kommen auch zahlreiche juristische Streitigkeiten.

Im Börsenprospekt wird etwa vor dem laufenden Gerichtsstreit zwischen Deripaska und seinem ehemaligen Geschäftspartner Michail Tschernoj gewarnt. Tschernoj behauptet, dass ihm 13 Prozent an Rusal gehören. Dazu kommt die drohende Verstaatlichung eines Rusal-Werkes in Guinea.

Auch in Russland könnte das Unternehmen, das 2008 zwölf Prozent des weltweit hergestellten Aluminiums produzierte, Probleme bekommen. Es besteht das Risiko einer Anklage wegen Steuerhinterziehung, da Rusal Tochtergesellschaften in Steueroasen wie der Schweiz, Zypern, Jersey, den Jungferninseln und Bahamas hat sowie Steuersparmodelle anwendet. Aufgrund des hohen Risikos wurden Kleinanleger von dem IPO ausgeschlossen. Dafür schlugen namhafte Großinvestoren wie der malaysische Milliardär Robert Kuok, der Hedgefond Paulson & Co., der Investmentfonds von Nathaniel Rothschild sowie die russische Staatsbank VEB zu.

Weitere rund 300 Anleger griffen bei einem Ausgabepreis von 10,8 Hongkong-Dollar zu. Insgesamt hat Rusal bei seinem Börsengang - dem ersten eines nicht-asiatischen Unternehmens in Hongkong - 17,4 Hongkong-Dollar (rund 1,58 Milliarden Euro) eingenommen. Das Geld soll in den Schuldenabbau gesteckt werden.

Deripaska, der für das IPO einen Bonus von 70 Millionen US-Dollar erhielt, hält nach dem Börsengang nur noch 47,69 Prozent an Rusal.

Obwohl der erste große Börsengang eines russischen Unternehmens in diesem Jahr enttäuschte, drängen weitere Firmen auf den Kapitalmarkt. So haben der Metall- und Minenkonzern Metalloinvest, der größte russische Kohleproduzent SUEK, die Medienholding ProfMedia, das Schifffahrtunternehmen Sovkomflot sowie die Einzelhandelskette Victoria angekündigt, in diesem Jahr an die Börse gehen zu wollen.

Laut den Analysten der russischen Investmentbank Renaissance Capital könnten russische Unternehmen heuer bei Börsengängen und Kapitalerhöhungen rund 20 Milliarden US-Dollar einnehmen. Im Krisenjahr 2009 waren es nur 1,7 Milliarden US-Dollar.

An den Rekord aus dem Jahr 2007 - rund 41 Milliarden US-Dollar - werde man jedoch nicht herankommen. (Verena Diethelm aus Moskau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.01.2010)

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    Oligarch Oleg Deripaska trifft den Chef der Börse in Hongkong, Ronald Arculli. Der Weg weist nach unten, der Aktienkurs von Rusal fiel nach dem IPO um zehn Prozent.

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