Wojtyla geißelte sich selbst

26. Jänner 2010, 17:10
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Postulator im Seligsprechungsverfahren veröffentlicht Buch über den Ex-Papst

Rom - Johannes Paul II. wollte im Fall einer permanenten Amtsunfähigkeit wegen seiner voranschreitenden Parkinsonschen Krankheit zurücktreten. Dies berichtete der Postulator im Seligsprechungsverfahren des polnischen Papstes, Slawomir Oder, in seinem Buch über Johannes Paul II., das am Mittwoch erscheint. Das neue Buch mit dem Titel "Perché é santo" (Warum er heilig ist) wird vom Mailänder Verlag Rizzoli veröffentlicht. Oder berichtet darin, dass der Papst 1989 in einem Schreiben seinen Willen zum Rücktritt klar ausgedrückt hatte, hätte er wegen seiner Krankheit nicht mehr in der Lage sein sollen, sein Amt als Pontifex auszuüben.

In dem Schreiben erklärte Johannes Paul II. er wolle jedoch jeglichen endgültigen Beschluss über seinen Rücktritt einer Gruppe von Kardinälen überlassen, darunter seinem Nachfolger Josef Ratzinger und dem ehemaligen Präsidenten der italienischen Bischofskonferenz Camillo Ruini. Mit Ratzinger, damals Präfekt der Glaubenskongregation, habe Johannes Paul II. über die Möglichkeit seines Rücktritts gesprochen, danach habe er jedoch beschlossen, alles dem Willen Gottes zu überlassen, berichtete Oder.

Wojtyla schlug sich mit Gürtel

Laut dem Postulator unterzog sich Johannes Paul II. regelmäßig körperlichen Peinigungen. Johannes Paul II. führte vor allem vor Ostern lange Fastenexerzizien, an denen er nur eine Mahlzeit am Tag nahm. Oft verbrachte er die Nacht auf dem nackten Boden. Hinzu geißelte sich der Papst, wie auch seine Mitarbeiter berichteten. "In seinem Schrank hing ein Hosengürtel, den der Papst als Peitsche verwendete", berichtete Oder.

Das Seligsprechungsverfahren von Johannes Paul II. ist in die Endphase getreten. Die Seligsprechung wird nach Medienberichten am 10. Oktober dieses Jahres stattfinden. Obwohl jetzt nur noch die Anerkennung eines Wunders für die Seligsprechung notwendig ist, das auf das Wirken von Johannes Paul II. zurückzuführen sei, habe der Vatikan schon die organisatorische Maschinerie für die Seligsprechungszeremonie in Bewegung gesetzt, zu der Hunderttausende Menschen erwartet werden, berichteten italienische Medien dieser Tage.

"Wunder"

Bei dem Wunder, das anerkannt werden soll, geht es um die Heilung der französischen Ordensfrau Marie-Simon-Pierre. Sie hatte Symptome der Parkinsonschen Krankheit gezeigt, an der auch der Papst litt. Zwei Monate nach dem Tod von Johannes Paul II. waren die Symptome der Krankheit nach einem Gebet zum verstorbenen Papst auf medizinisch unerklärliche Weise bei der Nonne verschwunden. Der Vatikan muss nun urteilen, ob ihr Fall als Wunder bewertet und dem verstorbenen Papst zugeschrieben werden kann. Eine Kommission aus Ärzten und Theologen muss den Fall eingehend prüfen.

Das Verfahren zur Seligsprechung für Karol Wojtyla tritt damit in eine entscheidende Phase. Benedikt XVI. hatte in dessen Fall schon im Mai 2005 die übliche Frist von fünf Jahren nach dem Tod zur Einleitung der Prozedur aufgehoben. Er folgte damit Forderungen von Gläubigen, die nach dem Tod Johannes Pauls am 2. April 2005 auf dem Petersplatz "santo subito" (sofort heilig) gerufen hatten. Benedikt XVI. hatte im Dezember formell den "heroischen Tugendgrad" seines Amtsvorgängers deklariert, was einen wichtigen Schritt in einem Seligsprechungsprozess darstellt. (APA)

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    Schlug sich selbst, schlief auf dem Fußboden und speiste oft nur einmal am Tag: Karol Wojtyla.

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