"Einer Kampagne kann nichts Schöneres passieren"

26. Jänner 2010, 14:38
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Die Idee zur Neuinterpretation der Bundeshymne kam von Lowe GGK - Vor dem Start hat die Agentur und das Ministerium eine Expertise eingeholt und eine "klare Freigabe" erhalten, sagt Agenturchef Rudi Kobza

etat.at: Wundert Sie die mediale Aufmerksamkeit rund um Stürmers neu interpretierte Bundeshymne? Oder war die Aufregung einkalkuliert?

Rudi Kobza: Ehrlich gesagt freuen wir uns sehr darüber. Das Ziel einer "Breitenkampagne" war von Start an gegeben, schließlich ist Bildung auch ein Breitenthema und die Kampagne - vor allem der Film - ein nationaler Schulterschluss für die Zukunft unseres Landes. Dass die Idee "Stürmer interpretiert Hymne neu" dann so breit und populär diskutiert wir, hat uns dann doch überrascht. Denn die Bildungshymne" war immer nur als Musik zur Kampagne gedacht und nicht als Vorschlag zur Hymnenänderung.

etat.at: Die Aufregung ist doch gut für die Kampagne, oder?

Rudi Kobza: Genau, ich glaube es kann einer Kampagne nichts Schöneres passieren als diesen Impact und so ein Momentum in so kurzer Zeit zu erreichen. Wieviele Kampagnen würden sich wünschen aus dem Schatten der Unsichtbarkeit zu treten?

Wir hatten in der Woche des Kampagnenstarts zusätzlich zu TV und Print unzählige Titelseiten der wichtigsten Zeitungen, hatten redaktionelle Diskussionen in allen Schlüsselmedien, waren in allen Nachrichtensendungen, hatten auf Ö3 Präsenz, 40.000 Youtube-Visits unseres Films, heftige Diskussionen auf Facebook, Twitter und phantastische Zugrifffe auf der Website des Ministeriums diebildungsreform.at. So konnte das relativ kleine Budget in der Außenwirkung um ein Vielfaches erhöht werden.

etat.at: Wegen der Bundeshymnen-Diskussion besteht aber doch die Gefahr, dass das eigentlich Thema - die Bildungsreform - untergeht.

Rudi Kobza: In der Kampagne selbst ist die Botschaft klar: Österreich hat viele Talente, große Söhne und Töchter, wir müssen sie nur fördern. In jedem steckt sozusagen ein kleiner Mozart. Die Hymnendiskussion hat, wenn auch dann zu einem anderen Thema mitdiskutiert wurde, doch in die Kampagne gesamt eingezahlt. Medien haben unsere Kampagne, Print und Film, so oft abgebildet dass wir ein Mediabudget erreicht haben, was aus eigenen finanziellen Mitteln nie möglich gewesen wäre. Auch die Headlines der "Bildungshymne" und das Querverlinken auf diebildungsreform.at haben trichtermässig dann zur Bildungsreform rund um Frau Minister Schmied geführt.

etat.at: Die Idee zur Neuinterpretation der Bundeshymne stammt von Lowe GGK oder vom Ministerium?

Rudi Kobza: Von der Lowe GGK.

etat.at: Wie hat Christina Stürmer auf die Idee reagiert?

Rudi Kobza: Offen und begeistert. Wir haben sie in der Woche vor Weihnachten angesprochen und sie hat das mit ihrer Band ausgezeichnet gemacht.

etat.at: Wurden im Vorfeld der Kampagne die möglichen juristischen Konsequenzen geprüft?

Rudi Kobza: Natürlich haben sowohl wir als auch das Ministerium vor Start der Kampagne eine Expertise eingeholt und eine klare Freigabe erhalten

etat.at: Sind in diesem Fall sie als Agentur oder das Ministerium für mögliche Verletzung der Urheberrechte verantwortlich?

Rudi Kobza: Aus der Sicht des Verfassungsdienstes gibt es keine Verletzung. Die Komposition stammt von Mozart und der ist mehr als 70 Jahre tot. Die textlichen Rechte befinden sich im Besitz der Republik Österreich. Wenn ich lese und höre, dass sich die Erbin selbst von der Klage und vom Verlag distanziert, sagt das schon alles. Eine Nationalhymne sollte auch dem Land gehören.

etat.at: Soll die Bundeshymne generell neu getextet werden, wie stehen Sie persönlich dazu?

Rudi Kobza: "Heimat bist du großer Söhne und Töchter" ist ausschließlich als Kampagne gedacht und hier relevant und merkfähig. Die Diskussion Pro/Contra einer Änderung der Hymne muss auf anderen Ebenen erfolgen. (derStandard.at, 26.1.2010)

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  • Lowe GGK-Chef Rudi Kobza: "Natürlich haben sowohl wir als auch das Ministerium vor Start
der Kampagne eine Expertise eingeholt und eine klare Freigabe erhalten."
    foto: lowe ggk

    Lowe GGK-Chef Rudi Kobza: "Natürlich haben sowohl wir als auch das Ministerium vor Start der Kampagne eine Expertise eingeholt und eine klare Freigabe erhalten."

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