Konsumentenschützer kritisieren unübersichtliche Telefontarife und Bindungen

26. Jänner 2010, 12:53
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Werbeanrufe, Online-Rechnungen und Werbetricks laut Arbeiterkammer als Beschwerdegründe - Keine "Endlosbindunge

Undurchschaubare Tarifmodelle und immer längere Vertragsbindungen - die Beschwerden zum Thema Internet, Telefon und Handy bei den Arbeiterkammern (AK) nehmen zu: Allein zum Bereich Internet stiegen die Anfragen in ganz Österreich von rund 30.000 im Jahr 2008 auf 40.000 im Vorjahr, hieß es bei einer Pressekonferenz der AK Wien am Dienstag. Die Kammer fordert u. a. gesetzliche Änderungen: So sollen Verträge, die durch Werbeanrufe zustande gekommen sind, unwirksam sein und vertraglichen "Endlosbindungen" Grenzen gesetzt werden.

67 Tarifmodelle für Handy-Verträge und Wertkarten

Vor allem die unüberschaubare Tarifvielfalt mache den Österreichern zu schaffen, erklärte Daniela Zimmer von der Abteilung Konsumentenpolitik. So wurden bei einem AK-Test im Vorjahr allein 67 Tarifmodelle für Handy-Verträge und Wertkarten (2008: 50), 87 fürs Internet (2008: 88) und 34 fürs Festnetz (2008: 29) gezählt - "und das sind nur die gängigsten", so Zimmer.

Auch die vertragliche Bindungsfrist gibt Anlass für Beschwerden: Gab es anfangs noch zwölfmonatige Bindungsdauern, ist man nun in der Regel bereits 24 Monate gebunden. Der Anbieter Orange brachte laut Zimmer Ende 2009 sogar sechs Tarife mit 36-monatiger Bindungsfrist auf den Markt. Ein Wechsel auf preisgünstigere Angebote sei somit nicht möglich.

Umweltschutz

Immer mehr Anbieter forcieren - unter dem Deckmantel des Umweltschutzes - die Internetabfrage von Rechnungen, um die Kosten einer Zusendung zu vermeiden. Allerdings vergessen laut AK manche Menschen, ihre Kosten regelmäßig zu kontrollieren und bei Bedarf strittige Beträge zu beeinspruchen. Ein Tipp der Konsumentenschützer: Während die Zusendung "papierener" Standardrechnungen durchaus etwas kosten kann, sind Einzelgesprächsnachweise kostenlos.

Viele Anbieter tricksen auch mit Blickfangwerbung: Schlagwörter wie "Unlimitiert", "0-Cent" oder "Grenzenlos" springen mit bis zu elf Zentimetern ins Auge; das Kleingedruckte hingegen ist meist in ein bis zwei Millimeter großen Fußnoten zu finden. Beschwerden seitens der Kunden gibt es laut Zimmer auch aufgrund unerwünschter Werbeanrufe und durch aggressives Telefonmarketing aufgedrängte Vertragsabschlüsse: "Die Betroffenen müssen dann auch noch einige Mühe aufwenden, um ungewollte Verträge wieder rückgängig zu machen."

Für hohe Rechnungen können auch mobile Internetprodukte sorgen, wenn im Grundpreis ein pauschaliertes monatliches Datentransfervolumen enthalten ist und darüber hinausgehend mengenabhängig verrechnet wird. Laut AK-Untersuchung kann demnach ein Megabyte in einer Pauschale 0,1 bis zwei Cent und außerhalb der Pauschale zehn bis 25 Cent kosten. Beim Verbrauchscheck auf Webseiten muss beachtet werden, dass der Verbrauchsstand nicht immer aktuell ist und meist innerhalb von 24 Stunden aktualisiert wird. Auch entspricht die Internetverbindung oft nicht den Kundenerwartungen.

Regel

Zu den Forderungen der AK zählen u. a. strengere Regeln für die Zustimmung zur Telefonwerbung, ein Stopp von anonymen Telefonanrufen von Unternehmen, Behörden und Organisationen sowie die verpflichtende Herausgabe der wichtigsten Tarifinfos in übersichtlicher Form an Kunden bei Vertragsabschlüssen. Auch sollte die Zusendung von Standardrechnungen kostenlos sein und im Telekomgesetz geregelt werden, dass Internet-Betreiber vor Ausschöpfen der pauschalierten monatlichen Datenmenge ihre Kunden informieren müssen. (APA)

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