Kein Auftrag gegen Steinar Ege

25. Jänner 2010, 19:45
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Heimische Handballer starten mit einer 27:30-Niederlage in die Hauptrunde. Norwegens Tormann zog Österreich den Nerv

Wien - Steinar Ege. Jeder österreichische Handballer hatte gestern Abend diesen Namen im Kopf, vielen kam er über die Lippen. "Der große Unterschied war Stei-nar Ege", sagte Patrick Fölser. "Steinar Ege hat sensationell gehalten", sagte Viktor Szilagyi. "An Steinar Ege sind wir einfach nicht vorbeigekommen", sagte Konrad Wilczynski.

Steinar Ege, 37 Jahre alt, ist eine Handball-Legende nicht nur in Norwegen, wo er seit 1995 im Nationalteam spielt. Mit den deutschen Klubs Gummersbach und Kiel feierte Steinar Ege seine größten Erfolge, derzeit hütet Steinar Ege das Tor von FCK Handbold Kopenhagen. Das norwegische Tor hütet Steinar Ege sowieso, und wie Steinar Ege es hütet. Gestern parierte Steinar Ege 22 von 49 Würfen, damit kam Steinar Ege auf eine Quote von 45 Prozent, so schlug Steinar Ege die Österreicher fast im Alleingang.

"Es war eine Mischung", befand Österreichs Teamchef Dagur Sigurdsson. "Eine Mischung aus unsicherem Angriffsspiel und" - natürlich! - "Steinar Ege."

8000 Zuseher waren in die Wiener Stadthalle gekommen, und zunächst schien sich fortzusetzen, was in der Linzer Vorrunde begonnen hatte. Die Österreicher machten rasch einen Rückstand wett, gingen ihrerseits noch vor der Pause in Führung, mehrmals, aber immer nur mit einem Tor - Chancen auf eine höhere Führung wurden teils überhastet verworfen, teils nicht überhastet.

Aus vier Strafwürfen gelang nur ein Treffer. Allein hier war Norwegen mit sechs Toren bei sieben Versuchen schwer überlegen. Und so konnte Österreich den Gegner nicht aus der Ruhe bringen, die Norweger nahmen das Tempo aus dem Spiel, die Österreicher fanden kein Mittel dagegen. Der gegen Serbien so überragende Goalie Thomas Bauer saß auf der Bank, Nikola Marinovic hielt wirklich nicht schlecht, am Ende hatte er 14 von 43 Würfen pariert, kein Vergleich allerdings mit seinem Gegenüber.

Zur Pause führte Norwegen mit drei Toren (15:12), kurz nach Seitenwechsel schaffte Österreich den Ausgleich, ab dem 18:18 aber zog Norwegen davon. Sigurdsson schonte Stützen wie Szilagyi, den Kapitän, der auf bloß 26 Minuten kam. "Bei mir lief's auch nicht optimal", sagte Szilagyi, "und wir haben eine starke Bank."

Ein wenig dürfte ihn die Rolle des Zusehers in der zweiten Hälfte aber doch gewurmt haben. Schließlich sagte Szilagyi auch, er habe "fast das Gefühl gehabt, dass das unser leichtestes Spiel bis jetzt war. Umso mehr tut die Niederlage weh." Dafür, dass sie nicht lange wehtut, sorgt der EM-Spielplan. Schon heute (18, ORF Sport Plus, zweite Halbzeit auch ORF 1) geht's gegen Kroatien, den WM-Zweiten 2009 und Vize-Europameister von 2008. Star der Kroaten ist Ivano Balic, der zweimal Welthandballer gewesen ist. Und der kroatische Goalie heißt übrigens Mirko Alilovic. (Fritz Neumann; DER STANDARD Printausgabe 26. Jänner 2010)

 

Norwegen - Österreich 30:27 (15:12)

Tore: Myrhol 6, Tvedten 6, Mamelund 5, Strand 5, Kjelling 4, Bjornsen 2, Loke 1, Lund 1 bzw. Schlinger 6, Friede 4, Wilczynski 4, Ziura 4, Weber 3, Szilagyi 2, Fölser 1, Mayer 1, Knauth 1, Günther 1

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    Hauptrunde startet für Österreich mit einer 27:30-Niederlage gegen Norwegen.

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    An Tormann Ege führte kaum ein Weg ins Netz.

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    Wien war nicht Linz.

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