Das Okinawa-Syndrom

25. Jänner 2010, 18:27
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Bei einer Rekordverschuldung kann man nicht sehr wählerisch sein

Da muss Yukio Hatoyama, Japans Wende-Premier, nun durch. Eine Bürgermeisterwahl auf Okinawa, absehbar gewonnen von einem Gegner der US-Truppen auf der Insel, stellt den amerikanisch-japanischen Sicherheitspakt vor eine neue Belastungsprobe. Abzug statt Umzug heißt die Devise des Wahlsiegers im kleinen Städtchen Nago. Statt der Verlegung einer amerikanischen Luftwaffenbasis auf der Insel, von der Garnisonsstadt Ginowa nach Nago, will der neue Bürgermeister die Marines am liebsten ganz loswerden. Hatoyamas Partei hat ihn auch unterstützt. Es macht die Sache für den Premier nicht leichter.

Nach vier Monaten im Amt bläst Hatoyama der Wind schon ordentlich ins Gesicht. Das Hin und Her innerhalb seiner Koalition um Okinawa und die Zukunft der US-Truppen dort ist bezeichnend: Japans erste stabile Regierung in einem halben Jahrhundert, die aus einem Machtwechsel hervorgegangen ist, muss die Gleichung von innerer Überzeugung und Realität noch finden. Richtig ist: Eine Mehrheit der Japaner möchte weniger Abhängigkeit von den USA und zumindest einen Teilabzug der 47.000 US-Soldaten. Nicht weniger richtig ist aber, dass Japans militärische Sicherheit von der US-Armee garantiert wird.

Bis Mai will Hatoyama seinen Plan für Okinawa präsentieren. Vielleicht zieht am Ende doch das Argument mit den Arbeitsplätzen der neuen US-Basis. Bei einer Rekordverschuldung und geschätzt matten 1,4 Prozent Wachstum in diesem Jahr kann man nicht sehr wählerisch sein. (Markus Bernath, DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2010)

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