Auch "offene" Schweizer stimmten für Minarettverbot

25. Jänner 2010, 17:54
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Uni Bern präsentiert Studie - mit Download

Es war ein Schock fürs politische Establishment, als vor knapp zwei Monaten die Schweizer einem Minarettverbot zustimmten: Entgegen dem Antrag von Regierung und Parlament, aber auch entgegen den Meinungsumfragen, stimmte das Volk mit 57 Prozent sehr deutlich dafür, den Bau von Minaretten zu verbieten.

Nun liegt die wissenschaftliche Analyse des Volkswillens vor: Das Institut für Politikwissenschaft der Uni Bern befragte 1000 Stimmberechtigte nach ihren Motiven. Das Fazit: Die Wähler der politischen Mitte waren entscheidend. Denn die Linken stimmten mit großer Mehrheit gegen das Minarettverbot, die Rechten fast geschlossen dafür. Die Mitte-Wähler nahmen das Minarettverbot im Verhältnis zwei zu eins an, obwohl sich die Parteien der bürgerlichen Mitte (die liberale FDP und die christdemokratische CVP) gegen das Verbot aussprachen.

Die Autoren der Studie kommen zum Schluss, "dass auch von denjenigen, die sich für die Chancengleichheit zwischen Schweizern und Ausländern aussprechen und die sich für eine weltoffene und moderne Schweiz einsetzen, rund 40 Prozent für das Minarettverbot stimmten." Ein symbolischer Entscheid: "Bei den Motiven der Befürworter wurde am häufigsten die Absicht genannt, ein Zeichen gegen die Ausbreitung des Islam und des von ihm propagierten Gesellschaftsmodells zu setzen." Viele gaben an, dass Minarette nichts mit der Religionsausübung zu tun hätten. Konkrete Kritik an den in der Schweiz lebenden Muslimen hingegen gaben nur 15 Prozent der Ja-Stimmenden als Motiv an.

Schließlich widerlegt die Vox-Analyse auch die These des "feministischen Ja" , wonach auch viele linke Frauen für das Minarettverbot gestimmt haben könnten, um ein Zeichen gegen die Unterdrückung der Frauen im Islam zu setzen: Nur 16 Prozent der linken Frauen hätten Ja gestimmt, aber 21 Prozent der linken Männer.  (Klaus Bonanomi aus Bern/DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2010)

 

  • Analyse der eidgenössischen Abstimmungen vom 29. November 2009

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