Krebs-Patienten profitieren von Zweitmeinung

25. Jänner 2010, 16:44
2 Postings

Studie zeigt Vorteile für Hodenkrebs-Patienten - Ein Drittel bekam eine abweichende Behandlungs-Empfehlung

Berlin - Hodenkrebs ist eine eher seltene Krebserkrankung. Rund 4.700 Männer erkranken jedes Jahr in Deutschland neu daran - vor allem jüngere Männer sind von dieser Krankheit betroffen. Wissenschaftler an der Charité in Berlin haben jetzt nachgewiesen, dass das Einholen einer ärztlichen Zweitmeinung den Therapieverlauf verbessern kann: Insbesondere so genannte Zweitmeinungszentren empfahlen Behandlungen, die besser auf den Zustand und die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt waren. Bei jedem sechsten Patienten wurde die begonnene Therapie daraufhin erheblich umgestellt, so die Deutsche Krebshilfe in einer Aussendung. Die Ergebnisse wurden kürzlich in einer wissenschaftlichen Publikation veröffentlicht.

Krebsbewertung von Zweitmeinungszentren

Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Krebsmedizin haben das Ziel, die medizinische Versorgung von Krebs-Patienten zu optimieren und die gewonnenen Erkenntnisse unmittelbar in die Praxis umzusetzen. "Bisher wurde die Qualität der Krebstherapie vor allem über die Anzahl der Überlebenden bestimmt. Uns war jedoch wichtig, den Weg von der Diagnose zur Therapie gezielt zu analysieren", sagt Mark Schrader vom Universitätsklinikum Charité in Berlin. Schrader hat so genannte Zweitmeinungszentren für eine Studie genutzt. Diese Zentren sind Mitglied der Deutschen Studiengruppe zu Hodentumoren und nahezu an allen Universitätskliniken in Deutschland vertreten. Die an der Studie beteiligten niedergelassenen Urologen verpflichteten sich, jeden diagnostizierten Hodenkrebs-Fall zusätzlich in einem Zweitmeinungszentrum bewerten zu lassen. Die Mediziner in diesem Zentrum empfahlen dann unabhängig ebenfalls eine Therapie.

Abweichende Behandlungsempfehlung

Die Ergebnisse zeigten: Ein Drittel der Hodenkrebs-Patienten bekam mit der Zweitmeinung eine abweichende Empfehlung für die Behandlung. Insbesondere in fortgeschrittenen Erkrankungsstadien differierten der erste und der zweite Therapieansatz. In rund 70 Prozent der Fälle übernahm dann der behandelnde Arzt den neuen Vorschlag des Zweitmeinungszentrums. Bei einem von sechs Patienten musste die Therapie sogar erheblich korrigiert werden. Die neue Behandlung war in fast der Hälfte der Fälle weniger intensiv, was die Lebensqualität der Patienten verbesserte und das Risiko für Komplikationen senkte. Bei einem Viertel der Patienten musste die begonnene Therapie jedoch verstärkt werden, so die Forschungsergebnisse.

Patienten profitieren von Zweitmeinung

Zudem zeigte sich in der Studie, dass nur zwei Drittel der Ärzte, die die erste Diagnose stellten, ihre Therapie an den aktuellen Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Urologie orientierten. Auf diesem europäischen Standard basieren hingegen die Untersuchungen und die Behandlungen in den Zweitmeinungszentren. "Die Studie macht deutlich, wie wichtig Zweitmeinungszentren für die Auswahl der Krebstherapie sind. Durch das Einholen einer Zweitmeinung sollte für den Patienten sicher gestellt sein, dass er nach dem aktuellen Stand der Medizin und Wissenschaft behandelt wird", so Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe in Bonn. "Patienten mit Hodenkrebs beispielsweise profitieren nach den Studienergebnissen erheblich von dem Einholen einer Zweitmeinung für die Therapie." Die Deutsche Krebshilfe förderte das Forschungsprojekt mit insgesamt rund 375.000 Euro. (red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Drittel der Hodenkrebs-Patienten bekam mit der Zweitmeinung eine abweichende Empfehlung für die Behandlung.

Share if you care.